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Elektromobilität Elektromobilität weltweit: Europa vorne, China und USA bremsen

| Redakteur: Svenja Gelowicz

Autobauer haben ihr Angebot an E-Autos massiv ausgebaut. Die Zulassungszahlen hingegen sind ernüchternd. Die Coronakrise setzt die E-Mobilität zusätzlich unter Druck, Kaufanreize lehnt die Mehrheit der Bürger ab.

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Der E-Golf gehört zu den zehn meistverkauften E-Autos in Deutschland im Jahr 2019.
Der E-Golf gehört zu den zehn meistverkauften E-Autos in Deutschland im Jahr 2019.
(Bild: Volkswagen )

Wenn Autohersteller ihre Budgets für Zukunftstechnik wegen der Coronakrise zusammenstreichen, betonen die Konzernverantwortlichen zumeist, dass die „Elektrooffensiven“ nicht darunter leiden dürfen. Elektromobilität, das soll deutlich werden, ist den OEMs auch in Krisenzeiten das höchste Anliegen.

Im vergangenen Jahr wurden weltweit 2,3 Millionen BEV (Battery Electric Vehicle) und PHEV (Plug-in-hybrid-electric vehicle) zugelassen. Der Zuwachs zu 2018 beträgt damit nur fünf Prozent. Das ist ein Ergebnis einer Studie der Beratung Berylls Strategy Advisors, die wiederkehrend die Leitmärkte der E-Mobilität analysiert.

„Die einstigen Zuwächse von teilweise bis zu 50 Prozent pro annum scheinen Geschichte zu sein, obwohl die Modellpalette der E-Autos spürbar gewachsen ist“, schreiben die Autoren in einer Mitteilung. Im Vergleich zu den Verbrennern sehen die E-Fahrzeuge dennoch gut aus: Um vier Prozent sanken die Neuzulassungen auf 89,6 Millionen Einheiten.

Elektromobilität: So haben sich die einzelnen Märkte entwickelt

Die weltweiten Automärkte haben ein schwaches Jahr hinter sich. „Der Blick auf die Jahre 2012 bis 2018 zeigt einen sehr positiven Trend und ein Wachstum der Plug-in-Hybride und batterieelektrischen Fahrzeuge, das meist deutlich über 50 Prozent lag“, sagt Andreas Radics, geschäftsführender Partner des Beratungsunternehmens. Den Einbruch des Wachstums auf fünf Prozent erklärt Radics vor allem mit den deutlich reduzierten Fördermaßnahmen der chinesischen Regierung.

Denn die Märkte haben sich sehr unterschiedlich entwickelt. Während Europa mit einem Wachstum von 47 Prozent eine starke Position einnimmt, verloren sie in China (- 4 %) und USA (- 9 %) an Boden. In Europa hätten Länder wie Norwegen und die Niederlande große Anstrengungen bei der Ladeinfrastruktur unternommen. Gerade Norwegen habe starke Anreize für den Kauf eines E-Autos geschaffen. Im vergangenen Jahr hätten dort mehr E-Autos abgesetzt werden können als Modelle mit Verbrenner.

Hierzulande ist der Absatz von Elektroautos von 2018 auf 2019 um 59 Prozent angewachsen. Dass der Anteil an E-Autos trotzdem nur drei Prozent ausmache, liege am niedrigen Ausgangsniveau.

Elektromobilität in der Coronakrise: Abwrackprämie 2.0?

Auch das aktuelle Jahr startete zumindest für Deutschland gut, was den Absatz von E-Autos angeht. International gingen die Neuzulassungen hingegen um sieben Prozent zurück. Weltweit haben die Autohersteller – erst in China, dann in Europa, Nordamerika und Mexiko – schließlich ihre Produktionen wegen des Coronavirus zurückgefahren.

In Deutschland rechnen die Studienautoren nun mit wenig Kaufinteresse der Bevölkerung. Als Gegenmittel helfen laut Berylls-Experte Radics die vieldiskutierten Kaufprämien. „Die deutsche Autoindustrie will in den kommenden Jahren 50 Milliarden Euro in die Weiterentwicklung der E-Mobilität stecken. Die dafür nötige Finanzkraft kann sie nur erhalten, wenn die Kunden in die Autohäuser zurückkehren.“ Solche Kaufanreize für BEVs und Plug-in-Hybride, genauso aber für moderne Verbrennungsmotoren, könnten den Absatz beflügeln.

„Lehren aus Abwrackprämie von 2009 ziehen“

„Mit einer Förderung für effiziente Verbrennungsmotoren könnte langfristig besonders die E-Mobilität und auch die Umwelt profitieren. Denn so würde den Herstellern eben jener finanzielle Spielraum verschafft, den sie auf ihrem Weg Richtung E-Mobilität brauchen“, meint Radics. Dabei gelte es auch, Lehren aus der Abwrackprämie von 2009 zu ziehen.

Diese Kaufprämien sind umstritten. Die Mehrheit der Bundesbürger lehnt eine mögliche Kaufprämie für Neufahrzeuge ab. 63 Prozent gaben in einer Umfrage an, sie seien gegen solche staatlichen Anreize beim Auto-Kauf, welche die Hersteller wegen der Coronakrise fordern. 22 Prozent waren der Meinung, es sollte Kaufanreize nur für klimafreundliche Autos geben, wie eine aktuelle Umfrage des Marktforschers Infratest dimap unter gut 1.000 Menschen für den „ARD-DeutschlandTrend“ zeigt. Nur zwölf Prozent befürworteten eine Kaufprämie für alle Neufahrzeuge.

Bundesregierung berät über Konjunkturmaßnahmen

Am Dienstag (5. Mai) hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit der Autobranche über Konjunkturmaßnahmen in der Coronakrise beraten. Beschlüsse soll es im Juni geben. Dabei geht es auch um den Vorschlag einer Kaufprämie, bei der der Staat einen Teil des Preises von Autos übernehmen soll. Die Autobranche fordert die Anreize, um die eingebrochene Nachfrage anzukurbeln. Dabei verlangen die Hersteller Prämien sowohl für E-Autos als auch für moderne Verbrenner.

Anhänger aller im Bundestag vertretenen Parteien lehnen Kaufprämien laut der Umfrage von Anfang Mai mehrheitlich ab. Am stärksten ist das Nein ausgeprägt bei Anhängern der Linken: Hier sind drei Viertel (74 Prozent) grundsätzlich dagegen. Unter den Anhängern der AfD hingegen befürwortet jeder Dritte (34 Prozent) eine Kaufprämie für alle Neufahrzeuge. Bei den Grünen befürwortet jeder Dritte (35 Prozent) eine Kaufprämie nur für klimafreundliche Neufahrzeuge.

Mit Material von dpa

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