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VDI-Tagung ELIV-Tagung 2015: Branche im Umbruch

| Redakteur: Jens Scheiner

Mit welchen Techniken und Positionierungen kann sich die klassische Autoindustrie im Wettbewerb der Megatrends behaupten? Auf diese Frage gaben bedeutende Automobilhersteller und Zulieferer auf der vom VDI veranstalteten Tagung ELIV (Electronics in Vehicles) am 14. und 15. Oktober in Baden-Baden Antworten.

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Autonomes Fahren – hier ein Mercedes-Versuchsträger – war einer der Schwerpunkte der ELIV-Tagung in Baden-Baden.
Autonomes Fahren – hier ein Mercedes-Versuchsträger – war einer der Schwerpunkte der ELIV-Tagung in Baden-Baden.
(Foto: Mercedes-Benz)

Mehr als 90 Referenten informierten in 78 Vorträgen in vier parallelen Sektionen die 1.600 Teilnehmer über neue Trends der Elektronik im Kraftfahrzeug. Unter dem Titel „Megatrends der Elektronik im Fahrzeug“ waren die drei Themen Elektromobilität, automatisiertes Fahren und Connected Car die Schwerpunkte der Tagung.

„Die Automobilindustrie befindet sich in einem enormen Umbruch“, so Uwe Michael, Leiter Entwicklung Elektrik/Elektronik bei Porsche und Leiter des Programmausschusses der ELIV. „Wir arbeiten heute am Internet of Cars“, fuhr er weiter fort. Karl-Thomas Neumann, Chef von Opel und GM Europa, machte in seiner Videobotschaft klar, dass nach der Elektronisierung jetzt eine Digitalisierung des Autos notwendig ist. Aber die Systemkompetenz müsse weiterhin der OEM behalten. Ähnlich wie Michael glaubt Neumann, dass sich die Rolle der OEMs in den nächsten fünf bis zehn Jahren stärker verändern wird als in den letzten 50 Jahren. Auch weil Google, Apple und Co. an die Tür des weltweiten Automobil-Marktes klopfen.

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Bei der Elektromobilität standen neue Techniken zum Laden der Batterie im Mittelpunkt: „Die Ladezeiten der Batterie werden zukünftig mit Spannungen von 400 und 800 Volt massiv reduziert“, so Porsche-Mann Michael. Außerdem betonte er, „dass sich die Energiedichte der Batterien (Wattstunden pro Liter) in den letzten fünf Jahren verdoppelt hat.“ Die Kosten und das Gewicht müssen allerdings noch deutlich sinken.

Ladezeiten sinken deutlich

Da das schnelle und einfache Laden unterwegs eine zentrale Voraussetzung für den Durchbruch der Elektromobilität ist, engagiert sich Audi wie auch Porsche in der Charging Interface Initiative e.V. (CharIN). Diese fördert technische Standards auf dem Gebiet des Combined Charging Systems (CCS). Der nächste Schritt ist das Laden mit 150 Kilowatt Leistung. „Bei den Schnell-Ladestationen setzen wir gemeinsam mit unseren Partnern in der Initiative voll auf den CCS-Standard. Er ist leistungsfähig, ausgereift und komfortabel“, sagte Ricky Hudi, Leiter Entwicklung Elektrik/Elektronik von Audi. Das CCS-System (CCS) ermöglicht das Laden der Batterien mit Wechselstrom und Gleichstrom mit einer einheitlichen Ladeschnittstelle, den Combo-Stecker. Damit lässt sich die Batterie des Audi e-tron quattro concept in etwa 30 Minuten mit Strom für eine mehr als 400 Kilometer Strecke laden. Bei voller Batterie soll das Auto mehr als 500 Kilometer Reichweite erzielen.

In Baden-Baden zeigt Audi gemeinsam mit den CharIN-Partnern die ersten Ergebnisse: Equipment und Automobile, die für das Laden mit bis zu 150 Kilowatt (Gleichstrom mit etwa 400 Volt Spannung) ausgerüstet sind. Der Serienanlauf wird wohl 2017 oder 2018 sein. Das ist wahrscheinlich auch der Zeitpunkt für die Serieneinführung vom e-tron quattro concept. Zu den Gründungsmitgliedern von CharIN zählen neben Audi auch BMW, Daimler, Opel, Porsche und Volkswagen, der TÜV SÜD sowie die Hersteller von Industriesteckern, Mennekes und PhoenixContact.

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