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Entwicklung: „Wir gründen zwei Start-ups pro Jahr aus“

| Autor/ Redakteur: Christian Otto / Svenja Gelowicz

Die P3 Group spaltet sich auf. Ein Teil heißt jetzt Umlaut AG. Deren Automotive-Chef Christof Horn sieht das Thema Software als Treiber des eigenen Geschäfts und den Spin-off-Gedanken als Teil der Unternehmens-DNA.

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Christof Horn ist CEO Automotive & Transformation der umlaut AG, ehemals P3.
Christof Horn ist CEO Automotive & Transformation der umlaut AG, ehemals P3.
(Bild: Umlaut AG)

Herr Horn, im Rahmen eines Rebranding spaltet sich die P3 Group auf. Ein Teil heißt jetzt Umlaut. Warum?

Im Laufe der vergangenen 20 Jahre sind wir von einem Drei-Personen-Spin-Off zu einem globalen Unternehmen mit rund 4.300 Experten gewachsen. Wir zählen damit zu einer der größten Ausgründungen des Fraunhofer-Instituts. Unsere Branchenfokussierung hat uns groß gemacht, wir erkennen aber auch den stärker werdenden Wunsch unserer Kunden nach cross-industrieller Zusammenarbeit und Vernetzung von Prozessen und Produkten. Danach richten wir uns aus, dafür steht Umlaut und damit liefern wir „something on top“.

Umlaut bietet die Fähigkeiten einer klassischen Beratung in Kombination mit denen eines Engineering-Dienstleisters (EDL). Warum gehen sie diesen Weg?

Wir empfanden die Trennung von Engineering-Dienstleistung und Beratung schon immer als nicht zielführend. Wenn man berät und nicht weiß, wie die Umsetzung und die Technologie funktionieren, bringt das einen Nachteil beim Kunden. Wenn ich als Engineering-Dienstleister – wie in der Vergangenheit oft üblich – nur Fachkräfte per Arbeitnehmerüberlassung anbiete, verschiebe ich die Qualifikation hin zum Kunden. Die Kombination ist also entscheidend. Unsere Kunden werden vom Anfang bis zum Ende der Projekte bei jedem Detail und jedem Schritt begleitet.

Derzeit verschwimmen zusehends die altbekannten Branchen-Grenzen. Wir arbeiten zum Beispiel mit OEMs an Connected Mobility – heißt, da steckt das Thema Mobilfunk mit drin.

Was verbirgt sich konkret hinter dem Rebranding und inwieweit betrifft die Neuausrichtung den Automotive-Bereich?

Was uns erfolgreich gemacht hat, war das Ende-zu-Ende-Denken. Derzeit verschwimmen zusehends die altbekannten Branchen-Grenzen. Wir arbeiten zum Beispiel mit OEMs an Connected Mobility – heißt, da steckt das Thema Mobilfunk mit drin. Wir integrieren Fahrzeuge in die Energienetze, also muss ich für das Thema Elektromobilität mit den Energieversorgern reden oder den Infrastrukturanbietern und Kommunen. Daneben beraten wir derzeit auch bezüglich der 5G-Technologie in der Produktion und sind bei einem Flugtaxi-Projekt mit Airbus und Audi eingebunden. Das zeigt, dass die Domänengrenzen nicht mehr existieren. Und unsere Kunden wollen nicht mehr nur Beratung, die nach dem Konzept aufhört, sondern sie wollen auch technische Expertise, die skaliert und mitdenkt und die in der Lage ist, auch große Projekte zu steuern. Im Rahmen des Rebrandings haben wir unser Portfolio und die Organisation nun konsequent auf den Ende-zu-Ende-Ansatz umgestellt.

Wie stark wird das Thema Engineering-Dienstleistungen in der Automobilbranche angeboten oder nachgefragt?

Der Engineering-Bereich ist in den vergangenen Jahren sehr stark gewachsen. Das bezieht sich nicht nur auf das Feld Test und Validierung, sondern auch auf Connectivity, E-Mobilität, Energie und Data. Das sind weltweit über 1.000 Mitarbeiter, die im Engineering unterwegs sind. Insgesamt ist die Verteilung von Beratung und Engineering etwa gleich. Die beiden Säulen haben für uns dieselbe Wertigkeit und spielen eng zusammen.

Im Bereich Testing haben Sie eigene Test-Häuser. Wie viele gibt es und welche Themen decken Sie damit ab?

Wir betreiben neun Testhäuser weltweit. Die Einrichtungen in Deutschland sind die größten für Elektrik und Elektronik. Neben dem Test der elektrischen Systeme bieten wir die gesamte Infrastruktur an. Das heißt, wir betreiben das Testhaus für uns und andere Dienstleister. Der nächste große Schritt ist hier nun die Automatisierung und Virtualisierung.

Die Automobilbranche befindet sich in der viel zitierten Transformation. Welches Thema wird bei Ihnen am stärksten nachgefragt?

Die Transformation ist eine massive Herausforderung für die OEMs. Sie wandeln sich vor allem zu einem Softwarehersteller im Fahrzeug. VW nennt sich beispielsweise selbst Software-enabled OEM. Die Organisationen und Budgets gehen nun bei den Unternehmen in Richtung eigener Softwareentwicklung. Diesen Weg gehen wir mit und haben unter anderem ein Joint Venture mit einem polnischen Partner, um Embedded Software zu entwickeln. Das wächst gerade von 80 auf 200 Mitarbeiter, um Software ebenso wie Backend- und Frontend-Systeme direkt liefern zu können. Das tun wir als Tier-2. Das reine Testen und Validieren geht nicht mehr ohne Softwarekompetenz.

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Gibt es einen OEM-Fokus oder sind auch Zulieferer ihre Kunden?

Die größten Kunden sind alle europäischen, sowie die drei amerikanischen und ein Teil der asiatischen OEMs. Dann kommen die größeren Zulieferer. Das liegt daran, dass deren Herausforderungen sehr ähnlich sind.

Die P3 Group hat in der Vergangenheit ja immer wieder neue Start-ups ausgegründet. Ist hier auch eines im Bereich Automotive in Planung?

Wir gründen jedes Jahr zwei bis drei Start-ups aus. Das sind heute schon weit über 30 Tochterfirmen. Diese Start-ups sind klein und fokussiert, nutzen aber die Basis der großen Firma. Sie haben Zugriff auf Wissen und Kunden und die Skalierbarkeit. Die Start-ups werden nach einiger Zeit wieder integriert. Im Automobilsektor haben wir gerade Hotsprings gegründet. Das Start-up bietet industrielle Data-Lakes an, die eine lernende Semantik haben, um den Umgang mit Maschinendaten in der Produktion und Entwicklung massiv zu vereinfachen.

Gibt es einen Trend, dass sich Beratungen an EDLs beteiligen und andersherum, um die komplette Kompetenz abbilden zu können?

Das findet aktiv statt. Das bestätigt uns darin, dass wir richtig unterwegs sind. Es sind zum Teil Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, die sich bei sehr technologischen Firmen einkaufen. Da gab es zuletzt einige Deals, wie der von Capgemini und Altran. Die technische Expertise suchten aber auch Accenture und Deloitte, um beim Kunden noch attraktiver zu werden.

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Über den Autor

 Christian Otto

Christian Otto

stellvertretender Chefredakteur, AUTOMOBIL INDUSTRIE