EU-Pkw-Markt 2022 Schwächstes Jahr seit fast 30 Jahren

Quelle: dpa

Einen ähnlichen Volumenrückgang wie im Zuge der gegenwärtigen Multikrise gab es zuletzt während der Wirtschaftsflaute 1993, als europaweit die Verkäufe um 17 Prozent einbrachen. Auch damals ging es nicht gerade zügig wieder bergauf.

(Bild: Rehberg / »kfz-betrieb«)

Die Pkw-Neuzulassungen in der Europäischen Union waren im vergangenen Jahr so wenige wie seit fast 30 Jahren nicht mehr. Im Dezember gab es zwar dank eines starken Schlussspurts in den großen Märkten Deutschland und Italien ein EU-weites Plus von 12,8 Prozent auf 896.967 neu zugelassene Autos, wie der europäische Branchenverband Acea am Mittwoch in Brüssel mitteilte. Im Gesamtjahr wurden aber mit 9,26 Millionen Einheiten 4,6 Prozent weniger zugelassen als im ohnehin schwachen Vorjahr – und damit so wenige Autos wie seit 1993 nicht mehr.

Experten schätzen auch die Zukunftsaussichten als weniger rosig ein. Zwar hätten sich die Lieferengpässe bei Halbleitern und Vorprodukten etwas entspannt, sagte Peter Fuß von der Unternehmensberatung EY. Die Lieferfähigkeit der Industrie werde sich im Jahresverlauf weiter verbessern, sodass mit der steigenden Verfügbarkeit von Neuwagen auch deren Lieferzeiten sinken dürften. „Unklar ist aber, wie groß die Nachfrage von Unternehmen und Privatleuten dann noch ist“, schränkte Fuß ein. „Denn die Konjunktur schwächelt, und selbst wenn die befürchtete Rezession ausbleibt, bleiben Unternehmen und Privatleute bei Neuwagenbestellungen zurückhaltend.“

Zahlen weit unter Vorkrisenniveau

Dem Berater zufolge spricht viel dafür, dass die Nachfrage nach Neuwagen weiter deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau liegen wird. 2022 lagen die Neuzulassungen knapp 30 Prozent niedriger als im Vorkrisenjahr 2019.

In Deutschland hatte die zum Jahresende auslaufende Förderung von Plug-in-Hybriden sowie die sinkenden Prämien auf den Kauf von BEVs im Dezember für Vorzieheffekte gesorgt. Von den größten EU-Automärkten zogen die Neuzulassungen auch im Gesamtjahr nur in Deutschland leicht an (+1,1 %), in Italien (minus 9,7 %), Frankreich (minus 7,8 %) und Spanien (minus 5,4 %) ging es hingegen abwärts. Autobauer in Europa klagten vor allem über eine mangelhafte Teileversorgung unter anderem bei Elektronikchips.

VW bleibt vorn

Marktführer in der EU war mit gut einer Million Autos weiter die Volkswagen-Kernmarke VW Pkw. Wolfsburg insgesamt lag mit rund 2,3 Millionen Einheiten auch im Herstellerranking an der Spitze vor der Peugeot-, Fiat- und Opel-Mutter Stellantis (1,8 Mio Pkw). Der Renault-Konzern lag mit knapp 985.000 Autos auf Rang drei. BMW kam mit allen Marken auf 624.940 Neuregistrierungen, Mercedes auf 549.023.

Die EU war weltweit nicht der einzige große Automarkt mit Rückgängen. In Gesamteuropa (inklusive Großbritannien und weiteren Ländern wie Norwegen und der Schweiz) wurden mit 11,3 Millionen Pkw rund 4 Prozent weniger Autos neu angemeldet.

Nur China wächst zweistellig

In den USA kam es nach Zahlen des Verbands der Deutschen Automobilindustrie (VDA) zu einem Rückgang der Verkäufe von Pkw und leichten Trucks um 8 Prozent auf 13,7 Millionen Fahrzeuge. In Japan ging der Absatz um 6 Prozent auf 3,4 Millionen verkaufte Pkw zurück.

Im größten Automarkt China gab es hingegen laut VDA im vergangenen Jahr ein Plus von 10 Prozent auf 23,2 Millionen Neufahrzeuge.

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