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Elektromobilität Fahrbericht: Tesla Model S 85 Performance

| Autor / Redakteur: ampnet/Jens Meiners / Thomas Günnel

Selten ist ein Auto mit derartigen Vorschusslorbeeren bedacht worden: Obwohl der exzentrische Markenchef und -gründer Elon Musk ein kritisch-distanziertes Verhältnis zur Presse pflegt, wurde seine Oberklasse-Limousine mit Auszeichnungen geradezu überhäuft.

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Selten ist ein Auto mit derartigen Vorschusslorbeeren bedacht worden – jetzt gibt es den Tesla Model S85 auch in Deutschland. Ein Fahrbericht.
Selten ist ein Auto mit derartigen Vorschusslorbeeren bedacht worden – jetzt gibt es den Tesla Model S85 auch in Deutschland. Ein Fahrbericht.
(Foto: ampnet/Meiners)

„Car of the Year“ beim „Automobile Magazine“, „Car of the Year“ bei „Motor Trend“, „World Green Car“ – und dann noch 99 von 100 Punkten bei den kritischen Verbraucheranwälten von Consumer Reports: Bessere Referenzen kann man sich nicht wünschen. Entsprechend haben sich die Verkaufszahlen entwickelt: Über 25 000 Einheiten hat Tesla bereits abgesetzt, die meisten davon in den USA.

Jetzt gibt es den Model S auch in Deutschland – einem der anspruchsvollsten Märkte der Welt. Nirgendwo werden so hohe Geschwindigkeiten gefahren, kaum irgendwo sind die Kunden so qualitätsverwöhnt und fordernd. Tesla gibt sich selbstbewusst, Firmenchef Musk kündigt gar ein „Autobahnpaket“ an und stellt in Aussicht, die bei 215 km/h abgeregelte Spitzengeschwindigkeit weiter anzuheben. Beim Design bleibt die Revolution erst einmal aus. Nachdem Tesla zunächst die Dienste von Henrik Fisker in Anspruch genommen hatte (und ihn anschließend erfolglos verklagte), heuerte man anschließend den früheren GM- und Mazda-Designer Franz von Holzhausen an, der einen gefälligen, aber keinesfalls bahnbrechenden Entwurf lieferte. Der Hecktürer ist konventionell gezeichnet, die Frontmaske simuliert sogar überflüssigerweise einen großen Kühlergrill.

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Aha-Erlebnisse beim Betrachten

Immerhin bietet die Karosserie praktische Vorzüge. Neben einem großen hinteren Kofferraum, in dem optional eine dritte, nach hinten weisende Sitzbank für kleine Kinder Platz findet, bietet der Model S auch unter der vorderen Haube Platz für Gepäck. Ein weiteres Aha-Erlebnis bietet sich beim Öffnen der Türen: Die bündig eingepassten Türgriffe fahren elektrisch aus.

Das luftige und geräumige Interieur vermittelt einen zwiespältigen Eindruck. Die Sitze sind ausreichend komfortabel und straff, die Armauflagen jedoch hart wie ein Holzbrett, und die wenigen Schalter und Hebel entstammen allzu offensichtlich dem Baukasten von Mercedes-Benz. Anstelle einer durchgestylten Tunnelkonsole verfügt der Model S gleichsam über einen Graben, der links und rechts durch Raumteiler abgegrenzt wird. Insgesamt beschleicht den Betrachter der Eindruck, die Designabteilung habe beim Interieur einfach keine Lust mehr gehabt.

Haupterrungenschaft und optischer Gravitationspunkt ist der zentral angeordnete, berührungsempfindliche TFT-Bildschirm mit einer Diagonalen von stolzen 17 Zoll. Hier – und leider nirgendwo sonst – lassen sich praktisch alle Fahrzeugfunktionen ansteuern; die Bedienlogik ist von modernen Tablet-Computern und Smartphones inspiriert. Die Menüstruktur ist durchaus übersichtlich, die graphische Aufbereitung modern und attraktiv. Doch auch sicherheitsrelevante Funktionen verstecken sich in Untermenüs; ohne das große Display ist der Model S schlechthin nicht zu bedienen. Ein paar zusätzliche Knöpfe wären hochwillkommen.

Leider dauert es im Navigationsmodus bisweilen eine gefühlte Ewigkeit, bis der Bildschirm Segment für Segment aufgefüllt ist; wer die Karte dreht, erhält Orts- und Straßenbezeichnungen diagonal oder kopfstehend präsentiert. Weder lassen sich Alternativrouten berechnen noch kann man sich zuverlässig neue Ladestationen anzeigen lassen. Und eine Nutzung des Systems als Hot Spot für externe Geräte ist trotz WiFi-Anbindung nicht möglich. Zu allem Überfluss wurden bei unserem Testwagen mehrfach Störgeräusche aus dem Handy übertragen.

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