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Nicht ohne Risiko
Zu den Unwägbarkeiten gehört die Langzeittauglichkeit des Model S. Acht Jahre Garantie geben die Amerikaner auf den Akku, der Leistungsverlust wird jedoch nicht abgedeckt. Experten rechnen damit, dass die Kapazität nach acht Jahren auf 70 bis 80 Prozent absinkt. Zudem lässt bei einigen Autos die Zuverlässigkeit zu wünschen übrig. Beim Online-Magazin edmunds.com musste innerhalb von 50.000 Kilometern das Antriebsmodul dreimal ausgetauscht werden. Und auch „Consumer Reports“ warnt inzwischen vor Fehlfunktionen. Bei unserem Testwagen verweigerte einmal die Klappe zum Nachladen die Funktion.
Wenige Assistenzsysteme
Im Vergleich zu anderen Limousinen seiner Preisklasse mangelt es dem Model S übrigens an Assistenzsystemen. Sicherheits-Features wie ein adaptiver Tempomat, ein Spurhalteassistent oder eine Totwinkelerkennung sind auch für Geld und gute Worte nicht zu bekommen. Das ist umso bedenklicher, als der Zentralbildschirm den Fahrer bei der Bedienung teils erheblich ablenkt. Billig ist das Tesla-Vergnügen nicht: In der relativ spartanischen Basisvariante mit 306 PS kostet der Model S ab 65.740 Euro; das Modell P85 mit 421 PS kostet ab 87.600 Euro, und das Performance-Plus-Paket, mit dem unser Testfahrzeug ausgerüstet war, erfordert weitere Extras, so dass mindestens 103.940 Euro den Besitzer wechseln. Das ist keineswegs ein Sonderangebot. Zum Vergleich: Schon für 64.300 Euro gibt es den hervorragend ausgestatteten Audi A7 3.0 TDI mit 235 kW / 320 PS starkem V6-Turbodiesel; ein Audi RS 6 Avant mit 412 kW / 560 PS kostet 107.900 Euro.
Im Grunde ist der Tesla Model S ein typisch amerikanisches Auto. Nach dem Motto „Mehr ist mehr“ haben die Entwickler die Oberklasse-Limousine mit einem riesigen Akku ausgestattet und einen Motor eingebaut, mit dem der Wagen geradezu übermotorisiert ist. Dass die Effizienz dabei weit vom Optimum entfernt bleibt, fällt in der Gattung „Elektroauto“ derzeit nicht ins Gewicht. Produktanmutung und Verarbeitungsqualität entsprechen ebenfalls dem Standard traditioneller US-Autos.
Immerhin haben die Amerikaner die klassischen Nachteile der E-Mobile – die geringe Reichweite und schwache Fahrleistungen – unter hohem Energieaufwand eliminiert. Damit ist der Model S unter den Elektroautos eines der attraktivsten. Wenn auch kaum das nachhaltigste.
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