Entwicklung

Fast 1.000 Opel-Ingenieure wollen nicht zu Segula

| Autor: Svenja Gelowicz

Die überzähligen Beschäftigten am Opel-Stammsitz Rüsselsheim verlassen in Scharen den PSA-zugehörigen Autohersteller.
Die überzähligen Beschäftigten am Opel-Stammsitz Rüsselsheim verlassen in Scharen den PSA-zugehörigen Autohersteller. (Bild: Opel)

Etwa 1.000 Ingenieure und Facharbeiter am Opel-Stammsitz Rüsselsheim nehmen das neu aufgelegte Abfindungsprogramm an. Nur 20 Leute wollen bislang zum Entwicklungsdienstleister Segula wechseln. Das bringt die Franzosen in Bredouille.

Seit Anfang April müssen die überzähligen Mitarbeiter am Opel-Stammsitz eine Entscheidung treffen: Der Wechsel zum Entwicklungsdienstleister Segula oder das Abfindungsprogramm – also eine Abfindung, der Vorruhestand oder die Altersteilzeit, je nach individueller Voraussetzung. Die meisten entscheiden sich für letzteres: Nach Informationen der IG Metall haben bereits 1.000 Ingenieure und Facharbeiter das Abfindungsprogramm gewählt.

Zu einem freiwilligen Wechsel zum Ingenieursdienstleister Segula erklärten sich bisher demnach nur 20 Leute bereit, hieß es am Donnerstag. Opel wollte die konkreten Zahlen nicht kommentieren. Man bekenne sich klar zur strategischen Partnerschaft mit Segula, die hoch qualifizierte Arbeitsplätze am Standort sichere, erklärte ein Sprecher.

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Dem französischen Entwicklungsdienstleister wird das nicht gefallen. Segula wollte mindestens 1.500 Opel-Ingenieure aufnehmen. Im Gespräch mit »Automobil Industrie« sagte Segula-Deutschlandchef Martin Lange jüngst, Segula wolle in Rüsselsheim einen europäischen Engineering-Campus aufbauen, der die gesamte Wertschöpfungskette abdeckt – von der Gesamtfahrzeugentwicklung und -prüfung bis hin zur Antriebsstrangentwicklung und -prüfung. „Das Wachstumspotenzial ist aufgrund der steigenden Nachfrage groß: Der globale Markt für Engineering-Dienstleistungen im Automobilsektor soll auf ein Gesamtvolumen von mehr als 18 Milliarden Euro im Jahr 2023 wachsen“, so Lange. Deutschland würde dabei mit rund einem Drittel den größten Marktanteil verzeichnen. Als Komplettentwickler könne Segula seine Kunden auf der ganzen Welt mit der gebündelten Expertise der Ingenieure von Segula und der Ingenieure, die von Opel kommen, „hervorragend unterstützen“ – bei konventionellen Fahrzeug- und Antriebslösungen wie auch bei Zukunftstechnologien. Das dürfte nun schwierig werden

Das „Handelsblatt“ schreibt, Segula arbeite wohl an einem Alternativplan: Der Entwicklungsdienstleister wolle Rüsselsheim selbst mit nur ein paar Hundert Opel-Ingenieuren zum strategischen Standort für ihr Geschäft in Nord- und Osteuropa machen. Ein Insider sagte der Wirtschaftszeitung: „Die fangen einfach kleiner an“. Segula könnte aber auch um Mitarbeiter von Ford werben, die dem Personalabbau des US-amerikanischen Herstellers zum Opfer fallen. Weiterhin wollten die Franzosen in Rüsselsheim um „jeden Mann kämpfen“.

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Segula selbst sieht sein Projekt nicht gefährdet. „Wir haben bereits Hunderte Gespräche mit interessierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Opel geführt und entsprechend zahlreiche Vertragsangebote unterbreitet“, sagte Lange am Donnerstag. Dem Vernehmen nach sollen rund 400 Verträge unterschriftsreif sein. Wichtige Führungspersonen seien bereits verpflichtet. Am Freitag berichtete der IG-Metall-Bezirk Mitte in Frankfurt zudem, dass man bei den Gesprächen über einen Tarifvertrag gut vorankomme.

Hinergrund: Die Opel-Sanierung

Bereits im vergangenen Jahr hatte Opel auf seinem Sanierungskurs in einer ersten Runde 3.700 Mitarbeiter mit Geld zum Gehen bewegt. Mit der zweiten Abfindungswelle ist Opel seinem aktuellen Ziel nähergekommen, 2.000 der zuletzt noch 6.400 Arbeitsplätze im Rüsselsheimer Entwicklungszentrum abzubauen. Nun werden intern die rund 1.000 noch fehlenden Leute ausgewählt, die dann zu Segula wechseln sollen. Ihnen werden nach der Auswahl noch einmal Abfindungen angeboten. Das haben Opel und Arbeitnehmervertreter vereinbart.

Mit Material von dpa

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