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Satellitennavigation

Galileo ab Anfang 2019 eigenständig nutzbar

| Redakteur: Thomas Günnel

Das zivile Navigationssystem Galileo soll ab Anfang 2019 eigenständig für die weltweite Navigation nutzbar sein: Dazu brachte gestern (25. Juli) eine Ariane-5-Trägerrakete vier weitere Satelliten ins All.

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Das Navigationssystem Galileo hat Zuwachs erhalten: Eine Ariane-5-Trägerrakete brachte am 25. Juli vier weitere Satelliten ins All.
Das Navigationssystem Galileo hat Zuwachs erhalten: Eine Ariane-5-Trägerrakete brachte am 25. Juli vier weitere Satelliten ins All.
(Bild: DLR)

Mit „Tara“, „Samuel“, „Anna“ und „Ellen“, die jeweils wie ihre Vorgänger rund 715 Kilogramm schwer sind, wächst die Galileo-„Familie“ auf 26 Mitglieder an. „Alle Satelliten umkreisen in einer Höhe von 23.222 Kilometern die Erde. Die Konstellation ist damit nahezu vollständig und kann jetzt eine fast globale Abdeckung mit Galileo-Signalen gewährleisten“, sagt René Kleeßen, Galileo-Programm-Manager im Raumfahrtmanagement des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), in Bonn – und bestätigt damit das erfolgreiche Aussetzen vier weiterer Galileo-Satelliten.

Einsatzbereit ab Anfang 2019

Das bedeutet praktisch, dass Nutzer Anfang 2019, wenn die jetzt gestarteten vier Satelliten im Regelbetrieb sind, ausschließlich mit Galileo-Signalen global navigieren können. Bislang war das nur in Kombination mit den militärisch kontrollierten Navigationsdiensten GPS (USA), Glonass (Russland) oder Beidou (China) möglich. Bis 2020 sollen alle Galileo-Dienste weltweit verfügbar sein, dafür sind mindestens 30 Galileo-Satelliten notwendig.

“Jeder Galileo-Satellit ist mit hochgenauen Atomuhren ausgestattet, die eine Messgenauigkeit von einem Meter und darunter ermöglichen. Um eine genaue Positionierung zu erhalten, benötigt man die Daten von mindestens vier Satelliten“, erklärt Raumfahrt-Ingenieur Kleeßen. Die Zuverlässigkeit des weltweiten Datenempfangs steige mit Galileo an, wobei die Verfügbarkeit der Navigationssignale nach wie vor in schwer zugängigen Gebieten wie Häuserschluchten oder Bergregionen nicht hundertprozentig garantiert werden könne.

Erste Dienste bereits verfügbar

Die ersten Dienste von Galileo wurden bereits am 15. Dezember 2016 initialisiert: der offene Dienst, der Such- und Rettungsdienst, der verschlüsselte Dienst PRS (Public Regulated Service, ausschließlich für hoheitliche Nutzer wie Polizei, Feuerwehr oder Katastrophenschutz) und ein hochgenauer Zeitdienst.

Die offenen Dienste können von jedem genutzt werden, der über ein Smartphone oder Navigationsgerät der neusten Generation verfügt. Laut Marktreport der europäischen GSA – einer Agentur, die die europäische Kommission beim Aufbau und Betrieb eines Satellitennavigationssystems unterstützt – können 95 Prozent aller heute vertriebenen Chip-Sets Galileo-Signale verarbeiten. Mit den zusätzlichen Satelliten wird der Service stetig ausgebaut.

Ein Galileo-Satellit braucht für eine Erdumrundung rund 14 Stunden, weltweit gibt es alleine 17 Orte, teils mit mehreren Bodenstationen, an denen die Galileo-Signale empfangen und verarbeitet werden können: von Svalbard auf Spitzbergen bis Troll in der Antarktis, von Tahiti bis La Réunion. Die beiden Kontrollzentren befinden sich in Oberpfaffenhofen und im italienischen Fucino.

22 Satelliten aus Deutschland

Von den bislang 26 Satelliten hat das deutsche Raumfahrtunternehmen OHB 22 Exemplare gebaut. Die ersten vier Galileo-Satelliten stammen vom Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus. Im Sommer 2017 hat OHB für insgesamt zwölf weitere Satelliten den Zuschlag erhalten.

DLR-Galileo-Manager René Kleeßen: „Galileo ist ein EU-Programm, es gibt also – anders als bei der ESA – keinen so genannten geo-return, also keinen garantierten finanziellen Rückfluss entsprechend der jeweiligen nationalen Beteiligung, und auch keine transparente Aufschlüsselung nach Länderanteilen. Das ist eine Frage des EU-Wettbewerbsrechts. Deutschland ist aber mit etwa 20 Prozent an der EU-Finanzierung beteiligt, und schätzungsweise fließen etwa 20 Prozent auch für Entwicklung und Bau des Satellitensegments von Galileo nach Deutschland zurück.“

Galileo: Partner und Beteiligte

Das DLR Raumfahrtmanagement steuert und koordiniert im Auftrag der Bundesregierung mit Mitteln des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) die deutschen Beiträge zum europäischen Galileo-Programm. Zudem steuert das DLR-Raumfahrtmanagement die deutschen Beiträge für die Programme der Europäischen Raumfahrtagentur ESA. Der Aufbau, Erhalt, Betrieb und die Weiterentwicklung von Galileo wird von der Europäischen Kommission (KOM) finanziert und gemanagt und von der Europäischen GNSS-Agentur GSA sowie der Europäischen Raumfahrtagentur ESA implementiert.

Im Auftrag der KOM verhandelt die ESA die Industrieverträge für Entwicklung und Bau der Infrastruktur. Die GSA ist zuständig für den Betrieb und die Weiterentwicklung der Services und vergibt in diesem Segment Industrieverträge. Die beiden Galileo-Kontrollzentren befinden sich am DLR-Standort in Oberpfaffenhofen sowie in Fucino (Italien). Galileo soll in seiner vollständigen Konfiguration aus mindestens 30 Satelliten (24 aktiven und sechs Reserve-Satelliten) bestehen.

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