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Drivetrain Forum 2016 Getrag: Schaufenster des elektrifizierten Antriebsstrangs

| Autor / Redakteur: Gernot Goppelt / Jens Scheiner

Zusammen mit Getrag ist Magna Powertrain zum Komplett-Anbieter für konventionelle und elektrifizierte Antriebsstränge geworden. Die Vielfalt der möglichen Architekturen ist Chance und Herausforderung zugleich.

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Am 20. Oktober hat Getrag zum Drivetrain-Forum in den Hauptsitz nach Untergruppenbach geladen.
Am 20. Oktober hat Getrag zum Drivetrain-Forum in den Hauptsitz nach Untergruppenbach geladen.
(Bild: Getrag)

Seit Anfang 2016 ist Getrag Teil von Magna Powertrain. Das war natürlich auch beim Drivetrain Forum 2016 nicht zu übersehen, welches am 20. Oktober am Getrag-Hauptsitz Untergruppenbach stattfand. Bei der Haustagung treffen sich traditionell Experten von Getrag und seiner Lieferanten und Kunden, um Fachvorträge zu hören, die Fachausstellung zu besuchen, an Testfahrten teilzunehmen oder die neuesten Getriebeentwicklungen zu diskutieren.

42 Antriebsarchitekturen

Die Themenvielfalt ist 2016 größer geworden – warum, zeigte bereits der einführende Plenarvortrag von Jake Hirsch, Präsident von Magna Powertrain. Mit Getrag an Bord kann das Unternehmen nun Komponenten und Systemleistungen für den gesamten Antriebsstrang anbieten, bisher war das Portfolio weitgehend auf den Triebstrang beschränkt. Gut zu sehen war das auch in der Fachausstellung, die neben Getrieben ein gemeinsames Exponat umfasste, in dem ein hybridisiertes Doppelkupplungsgetriebe mit dem so genannten Flex4-Allradsystem kombiniert wurde. Flex4 ist ein On-Demand-System, bei dem mithilfe von zwei Trennkupplungen der Allradtriebstrang abgekoppelt werden kann, um den Verbrauch zu senken. Darüber hinaus enthielt das Exponat weitere Aggregate wie einen E-Kompressor, einen elektrischen Nockenwellenversteller etc.

Die Elektrifizierung des Antriebsstrangs erhöht zwangsläufig die Vielfalt der möglichen Architekturen; 42 verschiedene Varianten hat Magna Powertrain mit Blick auf 2025 ausgemacht, erläuterte Jake Hirsch. Dazu gehören verschiedene Varianten von Mildhybriden, Voll- und Plug-in-Hybride sowie rein elektrische Antriebe – statt heute sechs Varianten des konventionellen Antriebsstrangs. Diese Vielfalt kollidiert natürlich mit dem Wunsch nach Standardisierung. 54 Prozent der globalen Fahrzeugproduktion werden 2025 nach Angaben des Marktforschungsinstituts IHS auf nur 26 Plattformen beruhen. Deshalb setzt das Unternehmen auf Synergieeffekte auf der Grundlage modularer und skalierbarer Technologien.

Skalierbare Hybridgetriebe

Die Möglichkeiten im konventionellen Bereich ergeben sich aus Kriterien wie Längs- oder Front-Quer-Architektur und den Vorder- Hinter- und Allradvarianten. Durch die Elektrifizierung fächert sich die Bandbreite extrem auf. Elektrische Hinterachsen sind hierbei ebenso eine Option wie die von Getrag angeboten hybridisierten Doppelkupplungsgetriebe. Hirsch nannte allein 21 mögliche Mildhybridvarianten und 17 Voll- und Plug-in-Hybrid-Varianten. Die hybridisierten Doppelkupplungsgetriebe wie das 7HDT300 stehen für einen sehr universellen Ansatz, da ihre E-Maschinen vom 48-V- bis zum Plug-in-Hybrid bauraumneutral skalierbar sind.

Getrag hat sein Angebot von Doppelkupplungsgetrieben der dritten Generation und seine Hybrid-Derivate mittlerweile auf weitere Segmente ausgedehnt. Dazu zählen auch die Modelle 6DCT150 und 6DCT200 für kleinere Drehmomente. Eines der Kernmerkmale dieser kleinen DKGs ist die so genannte Brücke für den ersten Gang, der als Windungsgang mithilfe von Zahnrädern anderer Gänge realisiert wird. Das erspart das große Zahnrad für den ersten Gang und soll in der Gesamtbilanz die Effizienz verbessern, weil das Getriebe kleiner und leichter wird. Auf der Veranstaltung hat Getrag nun ein weiteres, ähnliches Getriebedesign vorgestellt, ein DKG mit acht Gängen und ebenfalls einem Windungsgang für die Drehmomentklasse von 500 Nm. Trotz des zusätzlichen Ganges ist es dank der Brücke kaum größer als das 7DCT300. Getrag belässt es generell bei einem Windungsgang, weil man sich andernfalls Einschränkungen in der freien Auslegbarkeit der Gangstufen einhandeln würde. Das wäre im Hinblick auf den Kraftstoffverbrauch kontraproduktiv.

Effiziente Vielfalt

Niemand kann derzeit sicher voraussagen, welche Antriebsstrangarchitekturen 2025 zum Standard werden könnten. Magna Powertrain und Getrag haben aber auf dem Drivetrain Forum eines deutlich gezeigt: Es gilt, das Dilemma zwischen Diversifizierung durch Elektrifizierung einerseits und Kostenbeherrschung durch modulare und skalierbare Konzepte andererseits aufzulösen. Das erklärt, warum Magna Powertrain Getrag an Bord geholt hat. Das Gesamtportfolio bietet die Breite, um die genannten 42 Architekturen zumindest potenziell darzustellen. So viele werden es wohl nicht werden, aber man möchte auf jeden Fall für alle möglichen Konstellationen Antworten parat haben.

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