ITS-Weltkongress Hamburg als Mobilitätslabor: Eine Stadt erprobt die Zukunft

Autor: Svenja Gelowicz

Rund um den ITS-Weltkongress haben Unternehmen Ankündigungen gemacht oder Ergebnisse aus Forschungsprojekten verkündet. Das Wichtigste der vergangenen Tage und ein Messerundgang in Bildern.

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Vor dem Kongress wartet ein Angebot an Mikromobilen auf die Besucher für die Weiterfahrt.
Vor dem Kongress wartet ein Angebot an Mikromobilen auf die Besucher für die Weiterfahrt.
(Bild: Svenja Gelowicz)

Hamburg präsentiert sich in der laufenden Woche als Schaufenster für intelligente Transportsysteme. Neben dem Kongress, der zu Fachvorträgen, Ausstellungen und mehren Technikdemonstrationen etwa 13.000 Besucher erwartet, haben einige Unternehmen wichtige Schritte für die Mobilität der Zukunft in der Hansestadt bekanntgegeben.

Vay startet in Hamburg

Eines davon ist Vay, ein Telefahr-Unternehmen mit Sitz in Berlin und Hamburg. Das 2018 gegründete Start-up will es Nutzern ermöglichen, Fahrzeuge aus der Ferne zu steuern. Denn künftig sollen Carsharing-Fahrzeuge auf Abruf via App von selbst zu den Kunden rollen. Der Dienst, den Vay gemeinsam mit der Stadt Hamburg ab dem nächsten Jahr testen will, funktioniert so: Sogenannte Telefahrer manövrieren das fahrerlose Auto zu den Kunden. Diese Telefahrer sitzen in einem Büro in Hamburg. Sie können die Autos aus einer Entfernung von bis zu hundert Kilometern steuern. Die Carsharing-Nutzer steigen dann ein und fahren ans Ziel. Dort angekommen übernimmt wieder der Telefahrer das Steuer und parkt das Fahrzeug ferngesteuert.

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Der Dienst soll den ÖPNV ergänzen, heißt es in einer Mitteilung der Stadt Hamburg. Dafür ist Vay auch in die Mobilitätsplattform „hvv switch“ eingebunden. Vay-Mitgründer und Unternehmenschef Thomas von der Ohe sagte, er sehe das Potenzial, „den Hamburger Bürgerinnen und Bürgern einen Service anzubieten, der sie komfortabel, umweltfreundlich und preiswert in die Arbeit, zur nächsten Bus- oder Bahnhaltestelle oder zum Ziel ihrer Wahl bringt.“

Digitale S-Bahn und erster Volocopter-Drohnenflug

Der Bruchsaler Flugtaxi-Hersteller Volocopter hat am Dienstag in Hamburg erstmals eine selbst entwickelte Schwerlastdrohne öffentlich fliegen lassen. Der rund drei Minuten dauernde Testflug erfolgte im Hafengebiet der Hansestadt. Volocopter will solche Drohnen gemeinsam mit dem Logistikriesen DB Schenker als Teil der Logistikkette etablieren. Die Bahntochter war im vorigen Jahr als Investor bei Volocopter eingestiegen, um die Lastdrohne zur Marktreife zu bringen.

Die Deutsche Bahn und Siemens haben am Montag wiederum eine Weltpremiere auf der Schiene gefeiert: Erstmals startete in Hamburg eine vollautomatisch fahrende, digital gesteuerte S-Bahn. Bahnchef Richard Lutz kündigte an, dass die Technik in Zukunft schrittweise auf das gesamte S-Bahn-Netz der Hansestadt ausgedehnt werden soll.

Nach Worten von Siemens-Chef Roland Busch handelt es sich um eine „Blaupause für die Digitalisierung der Schiene in Deutschland, Europa und der ganzen Welt“. Autonome Bahnen gebe es zwar schon länger. Neu sei das offene System, das mit jeder Bahn kompatibel sei, die die technischen Standards beherrsche.

Hamburgtakt: Moia, Ioki und das Elbmobil

Hamburg hat ein ehrgeiziges Ziel, wenn es um Angebote für die Kurzstrecke geht. Bürgerinnen und Bürger sollen binnen fünf Minuten ein Verkehrsmittel erreichen können. Um den Nahverkehr abseits der Schiene zu stärken, hat Hamburg beispielsweise Ende des vergangenen Jahres gemeinsam mit der Bahn-Tochter Ioki den on-demand-Dienst Elbmobil ins Leben gerufen.

Ähnlich wie der Volkswagen-Dienst Moia sammelt das Elbmobil Passagiere ein, die eine ähnliche Strecke zurücklegen. Mit einem ÖPNV-Ticket kommt für diesen Ridepooling-Dienst ein Euro Aufschlag dazu.

Truckpilot: Autonome Lkws

Autonom fahrende Trucks werden nach Überzeugung des Hamburger Logistikkonzerns HHLA und des Lkw-Bauers MAN schon in wenigen Jahren Gütertransporte sicherer und effizienter machen. Während des Hamburger Mobilitätskongresses zogen beide Unternehmen am Mittwoch eine positive Bilanz eines Pilotprojektes, bei dem selbstfahrende Lastwagen Container zum HHLA-Terminal Altenwerder im Hamburger Hafen gebracht haben.

MAN-Entwicklungsvorstand Frederik Zohm kündigte an, sein Unternehmen wolle ab 2030 selbstfahrende Lkw zur Serienreife bringen. „Pilotprojekte wie Hamburg Truckpilot beweisen, dass der Einsatz von selbstfahrenden Lkw technologisch umsetzbar ist und sich effizient in Logistikabläufe integrieren lässt." Zohm nannte selbstfahrende Trucks „Game Changer“ im Transportwesen.

Autonomes Fahren wird kommen. Darauf bereiten wir uns als HHLA vor“, sagte die HHLA-Vorstandsvorsitzende Angela Titzrath. Aus Sicht der beiden Unternehmen können autonome Trucks auch eine Lösung gegen den Fahrermangel sein, der vielen Transportunternehmen immer stärker zu schaffen macht.

„Wir wollen die Innovation in unserer Stadt“

Insgesamt sind in den vergangene Monaten 42 Projekte in Hamburg gestartet: Drohnen, die den Hafen überwachen sollen, autonome Kleinbusse in der Hafenstadt („Heat“) oder auffallenden Volkswagen-Testwagen mit allerhand Sensorik.Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) sagte am Montag vor der Eröffnung der Schau für intelligente Verkehrssysteme. „Wir wollen die Innovation in unserer Stadt.“

Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) wiederum betonte die Bedeutung des Kongresses für die Stadt weit über seine Dauer hinaus: „Die Menschen in Hamburg sollen dauerhaft vom ITS-Kongress und den hier vorgestellten Projekten profitieren.“ Dazu solle die ITS-Strategie weiterentwickelt und die Chancen der Digitalisierung für den Klimaschutz und die Mobilitätswende genutzt werden.

Mit Material von dpa

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Redakteurin im Ressort Management