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Fahrbericht Honda E Advance: Futurismus trifft auf Retro-Chic

| Autor/ Redakteur: Mario Hommen/SP-X / Jens Scheiner

Laut Honda ist der neue Elektro-Kleinwagen E ein Auto für das Jahr 2030. Das mag vielleicht etwas hoch gegriffen sein, doch man kann mit dem Stromer durchaus eindrucksvoll gleich mehrere Zukunftsthemen des Autobaus erfahren.

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Honda bringt im Frühjahr sein erstes E-Auto auf den Markt.
Honda bringt im Frühjahr sein erstes E-Auto auf den Markt.
(Bild: Honda)

Schlicht E heißt das erste batterieelektrische Auto von Honda, welches nicht sonderlich weit, dafür aber spaßbetont in die Herzen automobiler Klimaschoner stromern soll. Doch der emissionsfreie Antrieb verkommt zur Nebensache, steigt man ein.

Der ungewöhnlich gestylte Kleinwagen verzaubert mit einem verblüffend schicken Armaturenbrett, das mit gleich fünf Displays zugepflastert wurde. Dieser Anblick wie auch die Funktionsvielfalt wird nicht nur Netz- und Smartphone-affine Menschen verzücken. Zumal Honda mit dem E ein in vielen anderen Aspekten beeindruckendes Wow-Paket geschnürt hat.

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Da wäre das Design, welches den Look kompakter Autos der 1970er Jahre mit stylischen Futurismus-Feinheiten kombiniert. Zudem wurde die Außenhaut mit progressiven Details garniert. Dazu gehören mit der Blechhaut bündige Türgriffe, runde LED-Kulleraugen vorne sowie gleichformatige Rückleuchten hinten oder schwarze Inlays, welche dem E einen einzigartigen Charakter verleihen.

Wie man es eigentlich nur von Concept Cars kennt, verzichtet das Auto darüber hinaus auf Außenspiegel. Auf den Türschultern finden sich stattdessen kleine, mit Kameras bestückte Finnen. „Virtueller Außenspiegel“ heißt diese erstmals im Pkw als Serienausstattung verwendete Technik, die mit Displays an den äußeren Enden des Armaturenbretts das rückwärtige Verkehrsgeschehen zeigt.

Wohnliches Ambiente der Zukunft

Am Steuer des E macht diese Technik natürlich Eindruck, zumal der digitale Rückblick auch zugleich Ausblick in die Zukunft des Autobaus ist. Grundsätzlich funktioniert diese Lösung, wirkte allerdings gewöhnungsbedürftig, denn nicht selten wandert der Blick des Fahrers dorthin, wo sonst Außenspiegel thronen. Ebenfalls gewöhnungsbedürftig ist der Innenspiegel, der in gleicher Weise ein Kamerabild zeigen kann, aber nicht muss. Eine Handbewegung wandelt ihn zum echten Glasspiegel.

Neben technischer Avantgarde bietet der Honda E innen ein sehr wohnliches Ambiente. Warme Kunststoffoberflächen, Textilen mit Wohnzimmer-Charme und Applikationen mit offenporigem, dunklem Echtholz sorgen für Behaglichkeit auf gehobenem Niveau. Angenehm ist der Aufenthalt im E auch dank der Abwesenheit eines bei Verbrennern meist üblichen Mitteltunnels, der Fahrer und Beifahrer trennt. Stattdessen freuen sich die Knie der vorderen Insassen über viel seitlichen Freiraum, der zudem Platz für Getränke, Kleinkram und Smartphones lässt. Einen Brems- und Gangwahlhebel gibt es nicht, dafür aber Knöpfe: fürs Parken ein P, fürs Rückwärtsrangieren ein R oder fürs Fahren das D.

210 Kilometer Reichweite

Ist Letzteres gedrückt, fährt sich der E wie ein normales Automatikauto, allerdings leiser und spritziger als man es von einem Kleinwagen erwarten würde. Das trifft zumindest auf die stärkere Variante mit 113 kW/154 PS und 315 Newtonmeter Drehmoment zu, die uns zur Testfahrt zur Verfügung stand.

Wird per Schaltwippe der Sportmodus aktiviert, setzen Vollgasmanöver die angetriebenen Hinterreifen mächtig unter Druck. Die 100 Kilometer pro Stunde erreicht man nach bereits 8,3 Sekunden, auch darüber wird kraftvoll beschleunigt, bis die digitale Geschwindigkeitsanzeige bei 150 km/h verharrt. Mehr geht nicht. In numerisch ähnlichen Regionen bewegt sich die praktische Reichweite, wenn der Antrieb zumindest gelegentlich gefordert wird. 210 Kilometer sollen laut WLTP-Messung möglich sein. Bei zwischenzeitlich auch spaßbetonteren Überlandfahrten in und um das 14 Grad warme Valencia, deaktivierter Klimaanlage und zwei Insassen waren 160 bis 170 Kilometer drin. Bei unseren Testfahrten wies der Bordcomputer 18,5 kWh Verbrauch aus.

Laden per Wallbox in vier Stunden

Der Akku speichert laut Honda 35,5 kWh. Diese lassen sich nicht nur flott leer fahren, sondern auch flott nachladen – sofern ein Schnelllader mit CCS-Stecker zur Verfügung steht. Dieser schraubte den Akkufüllstand in 40 Minuten von 45 auf 98 Prozent. Per Wallbox in heimischer Garage soll der Ladevorgang rund vier, an der Haushaltssteckdose rund 19 Stunden dauern.

Wird der Honda nur in der Stadt und vorwiegend sinnig und mit maximaler Rekuperation bewegt – hier bietet der E viele Stufen bis hin zum Einpedalmodus - sollten die von Honda versprochenen über 200 Kilometer mit einer Ladung drin sein. Unter anderem wegen der überschaubaren Reichweite preist Honda den E als ideales Stadtauto, was ein kleiner Wendekreis (8,6 Meter) und clevere Einparkhilfen unterstreichen. Trotz Kleinwagenformat ist seine Straßenlage satt, präzise, erwachsen. Laut Honda soll der Fahrzeugschwerpunkt dank im Unterboden eingelassener Batterie dem des Sportwagen NSX ähneln. Zudem gibt es ein aufwendig gestricktes Fahrwerk mit MacPherson-Einzelradaufhängung rundherum, 50:50-Achslastverteilung, Heckantrieb und die von Antriebseinflüssen freie Lenkung.

Etwas störend kann das Gewicht von über 1,5 Tonnen werden. In engen Kurven schiebt der E schon früh aber gutmütig über die Vorderräder. Zwei- bis dreihundert Kilo weniger, und der E wäre außerdem ein formidabler Kurvenfeger. Ähnlich einem Sportwagen ist auch das Platzangebot innen. Der Kofferraum ist 171 Liter groß und auf 571 Liter erweiterbar. Im Fond des E kann man auch als Erwachsener sitzen, allerdings leicht beengt und mit stark angewinkelten Beinen. Die vorderen Gäste genießen dafür gute Platzverhältnisse und vor allem ein einzigartiges Display-Kino.

Extrem gut vernetzt

Das Display hinterm Lenkrad zeigt vornehmlich fahrrelevante Informationen, während die beiden rechten 12,3-Zoll-Touchscreens Navikarte, per Android Auto oder Apple Carplay eingespielte Smartphone-Inhalte und viele andere Medien zeigen. Aquarium-App, Musik-Bibliothek, Smart-TV-Inhalte per Chromecaster oder der Anschluss einer Spielkonsole machen aus dem Auto eine Fernseh- und Zockerhöhle. Man kann zum Beispiel dank angeschlossener Super-Nintendo-Retrokonsole Computerspiele aus längst vergangener Zeit statt am Röhren-TV im klanggewaltigen Entertainment-Mini-Wohnzimmer des E spielen.

Ganz ohne Retro-Chichi arbeitet der KI-gestützte Sprachassistent, der in Alltagssprache formulierte Anfragen versteht und, falls gewünscht, etwa den nächstgelegenen Italiener empfehlen oder das Wetter vorhersagen kann. Auch einen Fernzugriff mit Smartphone-App erlaubt der E, was wiederum Standortüberwachung, Innenraumvorklimatisierung oder das Teilen eines digitalen Fahrzeugschlüssels mit anderen erlaubt.

Fast 37.000 Euro für die Topversion

Gerade die digitalen Welten des Honda E sind es, welche Begehrlichkeiten bei einigen Kunden wecken dürften, die dann über den stolzen Preis von fast 37.000 Euro für die Topversion hinwegsehen könnten. Für einen Kleinwagen, auch einen elektrischen, ist das alles andere als günstig.

Etwas günstiger geht es indes, wenn man den vermutlich bald steigenden Umweltbonus abruft und/oder die später verfügbare Basisversion des E für rund 34.000 Euro bestellt. Zunächst startet das erste BEV-Modell von Honda im Frühjahr in der Topversion Advance, die auch Annehmlichkeiten wie Klimaautomatik, Kollisionsverhinderer, Abstandstempomat, Panoramaglasdach oder Lenkrad- und Windschutzscheibenheizung bietet.

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