Fahrbericht

Insignia Sports Tourer: Opels Rettung?

| Autor: Jens Scheiner

Mit dem neuen Insignia Sportstourer will Opel eine echte Alternative zu VW Passat, Ford Mondeo und Skoda Superb schaffen. Dafür haben die Rüsselsheimer nicht nur das Design verändert, sondern auch die Technik verbessert.
Mit dem neuen Insignia Sportstourer will Opel eine echte Alternative zu VW Passat, Ford Mondeo und Skoda Superb schaffen. Dafür haben die Rüsselsheimer nicht nur das Design verändert, sondern auch die Technik verbessert. (Bild: Sven Prawitz)

Mit dem neuen Insignia verspricht Opel Sportlichkeit. Technisch setzen die Rüsselsheimer dabei auf einen neuen Allradantrieb, optisch bedienten sich die Designer beim Monza Concept. Wir haben den 2.0-Liter-Diesel mit 125 kW und Sechsgang-Schaltung getestet.

Das Jahr 2017 sollte wegweisend für die Rüsselsheimer werden: Der damalige Opel-Chef Karl-Thomas Neumann hat die größte Modelloffensive des Konzerns angekündigt. Diese sollte den OEM wieder aus der Verlustzone führen. Doch statt schwarzer Zahlen und Aufbruchstimmung sorgte die Muttergesellschaft GM für Schlagzeilen: Die Amerikaner verkauften Opel kurzerhand für 1,3 Milliarden Euro an den PSA-Konzern, und verunsicherten die ohnehin schon gebeutelte Belegschaft.

Doch: In den vergangenen Monaten hat Opel eine beachtliche Entwicklung durchlebt. Aus dem Sorgenkind der deutschen Automobilindustrie ist nach dem Einstieg des französischen PSA-Konzerns (Peugeot Citroën) ein selbstbewusster Teil des Pariser OEMs geworden.

Obere Mittelklasse im Visier

Auf dem Genfer Automobilsalon im März 2017 präsentierten die Rüsselsheimer das zweite Modell der angekündigten Offensive: den Insignia. Sowohl mit dem Grand Sport als auch dem Sports Tourer will Opel in der oberen Mittelklasse angreifen. Um der Sportlichkeit im Namen gerecht zu werden, baut der Insignia auf der neuen „Global Epsilon“-Plattform von GM auf. Durch Leichtbau und effizientes Packaging sparten die Ingenieure beim Sports Tourer rund 200 Kilogramm Gewicht ein, obwohl das Flaggschiff insgesamt gewachsen ist. Mit 4,99 Meter ist der neue Kombi zwar nur unwesentlich länger als sein Vorgänger, aber seine Spur ist um elf Millimeter breiter geworden, was einer besseren Dynamik dient.

Der Radstand wiederum legte um 9,2 Zentimeter auf 2,83 Meter zu, was dem Platzangebot zugutekommt: Das Ladevolumen steigt um 130 Liter auf 1.665 Liter. Die sensorgesteuerte Heckklappe öffnet und schließt sich je nach Ausstattung per Fußkick. Hierbei hilft eine LED-Projektion auf dem Boden: Sie zeigt an, wo der Sensor zu finden ist.

Dank kurzer Überhänge und einer niedrigen Ladekante kann man das Platzangebot im Kofferraum bis in die letzte Ecke nutzen. Mit am Boden verlaufenden Schienen, Trennnetzen sowie diverser Befestigungsmöglichkeiten lassen sich Gegenstände gut fixieren. Und die Öffnungshöhe des Kofferraumdeckels lässt sich beliebig programmieren.

Durch die geänderten Dimensionen nimmt für Reisende im Fond die Kopf-, Schulter- und Hüftfreiheit zu. Außerdem sitzen Fahrer und Beifahrer tiefer als bisher im Fahrzeug, was den sportlichen Charakter unterstreicht. Für einen festen Halt bei flotter Fahrt sorgen die Premium-Ergonomie-Sitze: Neben Massage-, Memory- und Ventilationsfunktion lassen sich auch die Seitenwangen elektrisch justieren. Wie bei Fahrer und Beifahrer sind die beiden äußeren Sitze im Fond beheizbar.

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Aufgeräumter Innenraum

Der Innenraum sowie das gesamte Cockpit wirken insgesamt, wie auch schon beim Astra, bedeutend aufgeräumter. Im Wesentlichen gibt es vier zentrale Einheiten: das digitale Head-up-Display, der Tacho mit drei Anzeigen, das Acht-Zoll-große rahmenlose Touchscreen und das Kontrollzentrum in der Mittelkonsole für Infotainment, Klimatisierung und Assistenzsysteme. Zu den Fahrerassistenzsystemen zählen neben einer 360-Grad-Kamera ein adaptiver Geschwindigkeitsregler mit automatischer Gefahrenbremsung, ein aktiver Spurhalteassistent mit automatischer Lenkkorrektur sowie ein Rückfahrassistent.

Für den Fußgängerschutz verfügt der Insignia als erstes Opel-Modell über eine aktive Motorhaube. Aber das Highlight ist das adaptive LED-Matrix-Licht mit 32 LED-Segmenten und neuer Kurvenlichtfunktion: Insgesamt ist eine Lichtweite von bis zu 400 Meter möglich.

Persönlicher Assistent

Fast schon obligatorisch für Unterhaltung und Vernetzung ist heutzutage das Infotainmentsystem. Mit dem „Intellilink“-System von Opel lassen sich Apple- und Android-Smartphones nahtlos in das Fahrzeug-Infotainment integrieren und kabellos laden. Neu ist auch ein Servicedienst, bei dem sich die Passagiere an den Opel Onstar-Berater wenden, um beispielsweise ein Hotelzimmer zu reservieren. Außerdem bietet das System eine automatische Unfallhilfe und einen Diebstahl-Notfallservice, der das gestohlene Auto orten kann.

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Auf Wunsch gibt es auch Opel Onstar mit WLAN-Hotspot und drei Gigabyte freiem Datenvolumen. Ist das Volumen erschöpft, muss ein Mobilfunkvertrag für zehn Euro im Monat abgeschlossen werden. Für die gelegentliche Nutzung lassen sich auch Tageszugänge für zwei Euro buchen. Im ersten Jahr ist Onstar je nach Ausstattungslinie kostenlos, danach kostet der Dienst 100 Euro pro Jahr – zumindest so lange, bis Opel Onstar im Jahr 2020 abschaltet.

Individuelles Flexride-Fahrwerk

Fahrspaß und Sicherheit verspricht der neue Allradantrieb mit Torque-Vectoring. Hier ersetzen zwei elektrisch gesteuerte Lamellenkupplungen das Differenzial und stellen nach Angaben von Opel „eine präzisere und individuellere Kraftübertragung“ an die Hinterräder sicher. In Kurven wird zusätzliches Drehmoment an das äußere Hinterrad geleitet, wodurch das Untersteuern vermieden werden soll.

Mit dem weiterentwickelten Flexride-Fahrwerk haben die Ingenieure die Basis für das situationsgerechte Fahren geschaffen. Flexride adaptiert Stoßdämpfer, Lenkung, Gaspedalkennlinie und bei Automatikgetrieben die Schaltpunkte eigenständig oder anhand der vom Fahrer wählbaren Modi „Standard“, „Sport“ und „Tour“. Die neue zentrale „Drive Mode-Control“-Software ist dabei das Herz des adaptiven Fahrwerks. Sie wertet permanent alle Sensordaten und Einstellungen aus und erkennt den individuellen Fahrstil.

Überschaubare Motorenpalette

Bislang gibt es vier verschiedene Motoren für den Sports Tourer: Einen 1,5-Liter-Turbobenziner mit zwei Leistungsstufen: 103 kW/140 PS und 121 kW/165 PS. Der 2,0-Liter-Turbobenziner und Vierzylinder mit 191 kW/260 PS kommt in Verbindung mit dem neuen Achtstufen-Automatikgetriebe sowie mit dem Allradantrieb mit Torque Vectoring. Bei den Selbstzündern bieten die Rüsselsheimer zunächst nur den Top-Diesel mit 125 kW/170 PS an. Die Palette könnte jedoch noch um zwei weitere Motoren, die auch in der Insignia Limousine zum Einsatz kommen, erweitert werden. Für den Top-Benziner sind mindestens 41.500 Euro fällig, für den stärksten Diesel 35.455 Euro. Als Sports Tourer kostet der Insignia jeweils 1.000 Euro mehr. Ein neu aufgelegtes Individualisierungsprogramm namens Exclusive soll auch ausgefallene Kundenwünsche erfüllen.

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Monza-Studie als Designvorlage

Optisch gefällt der Sports Tourer auf Anhieb. Bei genauerer Betrachtung fällt die optische Nähe zur sportlichen Monza-Studie auf. Das fällt bei der Front besonders am tiefsitzenden Kühlergrill sowie bei den schmalen, schlitzförmigen LED-Matrix-Scheinwerfern auf. Bis zur B-Säule entspricht der Kombi zwar der Limousine, aber insbesondere das Fließheck der Limousine erinnert stark an das Konzeptauto. Der vom Rückspiegel ausgehende Chromstreifen zwischen Fenster und Dach zieht sich schwungvoll bis zu den LED-Heckleuchten und lässt den 1,50 Meter niedrigen Sports Tourer dynamischer aussehen. Auch die schlanken, etwas ausgestellten LED-Rückleuchten im Doppelschwingen-Motiv erinnern an den Monza.

GM hat Opel nicht zugetraut, mit den neuen Modellen wieder in die Gewinnzone zu fahren. Mit dem Opel Insignia aber haben die Rüsselsheimer einen echten Konkurrenten für die etablierten deutschen Premiummarken. Optisch und technisch hält der Insignia, zumindest auf dem Papier, mit einem BMW 3er oder Audi A4 stand. Bleibt nur zu hoffen, dass die Franzosen den Deutschen das Vertrauen schenken. Durch die Einigung mit der Belegschaft ist der Grundstein für eine profitablere Zukunft gelegt.

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