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Fahrbericht

Kia Niro PHEV: Ein entspannter Gleiter

| Autor: Jens Scheiner

Um unsere Klimabilanz ein bisschen zu verbessern und die Luftverschmutzung in Würzburg etwas einzudämmen, haben wir den Kia Niro 1,6 Liter Plug-in-Hybrid mit einer elektrischen Reichweite von 58 Kilometern in der Spirit-Ausstattung getestet.

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Um unsere Klimabilanz ein bisschen zu verbessern, haben wir den Kia Niro 1,6 Liter Plug-in-Hybrid mit einer elektrischen Reichweite von 58 Kilometern in der Ausstattungsvariante „Spirit“ getestet.
Um unsere Klimabilanz ein bisschen zu verbessern, haben wir den Kia Niro 1,6 Liter Plug-in-Hybrid mit einer elektrischen Reichweite von 58 Kilometern in der Ausstattungsvariante „Spirit“ getestet.
(Bild: Jens Scheiner/Automobil Industrie)

In Würzburg gibt es dem Umweltbundesamt zufolge immer weniger Stickstoffdioxid in der Luft: Im Jahr 2016 lag der gemessene Jahresdurchschnittswert am Stadtring Süd noch über dem Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. 2017 wurde der Wert bereits eingehalten und ist im vergangenen Jahr sogar auf rund 33 Mikrogramm gesunken. Damit dieser Trend anhält, haben wir den Kia Niro Plug-in-Hybrid getestet. Dieser soll eine elektrische Reichweite von 58 Kilometern haben und nur 1,3 Liter Superbenzin auf 100 Kilometern verbrauchen. Unser erster Gedanke: Höchstwahrscheinlich entstanden diese Werte bei 25 Grad Celsius, Sonnenschein und Windstille. Doch der Praxistest bei Schneeregen und einer Temperatur von zwei Grad Celsius zeigt, dass die elektrische Reichweite auch im Winter durchaus realistisch sein kann.

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Ein kalter Morgen, die Scheiben sind vereist. Jetzt heißt es kratzen. Doch davor den Motor anschalten und das Gebläse mit voller Kraft auf die Windschutzscheibe richten. Trotz aktiviertem Elektromodus beginnt das Aggregat mit dem Start an zu brummen. Das ist für ein Hybridfahrzeug sehr ungewohnt, liegt aber daran, dass die Heizung des Autos mit dem Verbrenner gekoppelt ist. Dadurch ist es im Winter kaum möglich, rein elektrisch zu fahren, wenn man es im Auto schön warm haben möchte. Bis der Motor auf Temperatur kommt bzw. sich der Innenraum erwärmt, vergeht gefühlt eine Ewigkeit. Hier wäre ein elektrischer Vorheizer die bessere Alternative gewesen.

Bis zu 52 Kilometer elektrisch gleiten

Abhilfe auf Kurzstrecken, wie beispielsweise der Weg in die Redaktion, schaffen die Sitz- und Lenkradheizung, allerdings auf Kosten der elektrischen Reichweite. Fließt man jedoch mit gemäßigter Geschwindigkeit im Stadtverkehr mit, und weiß die 1,6 Tonnen geschickt abzubremsen, lässt sich die Batterie durch Rekuperation wieder etwas laden. Wer dafür kein Gefühl entwickeln kann, dem hilft der Effizienzassistent, der beispielsweise das frühe Abbremsen vor Abbiegungen empfiehlt. Auch erlaubt der 24,7 Amperestunden große Akku sogar hin und wieder einen ordentlichen Tritt aufs Gaspedal – ohne einen nennenswerten Reichweitenverlust hinnehmen zu müssen. Für den kurzen Weg ins Büro (sieben Kilometer) reicht die geladene Batterie vollkommen aus.

Ist die Temperatur im Innenraum angenehm warm, der Energiespeicher komplett geladen und die Geschwindigkeit niedriger als 120 km/h reicht eine Batterieladung im Winter und im Elektro-Modus sogar für rund 52 Kilometer bei einem Verbrauch von 2,7 Liter (Lt. Boardcomputer). Ist der Akku vollständig geleert, dauert der Ladevorgang an einer 220-Volt-Steckdose gute drei Stunden. Im Hybrid-Modus, bei dem der Niro Superbenzin verbrennt und hin und wieder etwas vom Akku abzwackt, steigt der Benzinverbrauch hingegen leicht an. Dann benötigt das Aggregat rund 5,2 Liter auf 100 Kilometer, was für einen voll besetzten Kompakt-SUV ein guter Wert ist. Im „Sport“-Modus auf der Autobahn und mit entsprechendem Gasfuß (Durchschnittsgeschwindigkeit von 150 km/h) schluckt der Koreaner allerdings stolze 8,9 Liter auf 100 Kilometer.

Dabei ist der Motor deutlich im Innenraum vernehmbar und das Doppelkupplungsgetriebe wirkt hektisch und überfordert. Gemäßigtes Tempo und ein dahin gleiten auf Landstraßen liegen dem Niro sowieso besser. Denn dann arbeitet der 1,6-Liter-Vierzylinder mit 77 kW/105 PS wesentlich harmonischer mit dem 44,5 kW/60,5 PS-Elektromotor zusammen. Und auch das Sechs-Stufen-DCT schaltet die Gänge dann flüssiger und leiser durch, sodass Gespräche mit den Passagieren in normaler Lautstärke möglich sind. Aber selbst bei einer Geschwindigkeit von 150 km/h, muss man die Fondpassagiere dank der guten Geräuschdämmung nicht anschreien. Insgesamt ist die Verarbeitung im Innenraum gelungen, und die Materialauswahl ist vielfältig: Zwar sind die Sitze mit Leder (1.490 Euro extra) überzogen, dafür aber auf längeren Strecken zunehmend unbequem und geben kaum Seitenhalt. Das ebenfalls in Leder gehüllte Lenkrad fühlt sich hingegen gut an und liegt auch angenehm in der Hand. Daneben gibt es in der Spirit-Ausstattung Aluminiumpedale und viel Plastik im Innenraum, das allerdings wertig aussieht.

Assistenten lenken teilweise vom Fahrgeschehen ab

Zu der Ausstattungslinie gehören auch ein wohlklingendes JBL-Soundsystem, eine induktive Ladestation, eine 220 Volt-Steckdose in der Tunnelkonsole sowie eine Sitzheizung hinten und gegen Aufpreis von 490 Euro auch eine Reihe von Assistenten. Der Spurhalteassistent beispielsweise greift sehr sanft ein, sodass er kaum auffällt und lässt sich einfach per Knopfdruck aktivieren oder beenden. Der Abstandstempomat soll sich ebenfalls per Knopfdruck am Lenkrad starten lassen, tut das aber nicht immer. Auch war der Abstand zum Vordermann recht knapp bemessen. Zwar lässt sich der Abstand ändern, man muss dafür aber ständig auf das Tachodisplay schauen und ist so vom Fahrgeschehen abgelenkt.

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Weniger Ablenkung verspricht auch die Sprachsteuerung für das Navi. Hierfür braucht man allerdings etwas Geduld, denn die Dame am anderen Ende der Leitung versteht nicht immer genau wohin die Reise gehen soll. Sobald das Ziel erfasst ist, lotst das Navi den Niro Plug-in Zielgenau zum Wunschort. Praktisch ist auch die Rückfahrkamera, die das Einparken des 4,36 Meter langen, 1,80 Meter breiten und 1,55 Meter hohen Kompakt-SUV in enge Parklücken erleichtert. Der lange Radstand von 2,70 Metern kommt eins zu eins den Passagieren zugute: Ausreichend Kopf-und Schulterfreiheit vorne, angenehme Beinfreiheit – auch für längere Beine – auf der Rückbank und trotz der Batterie immerhin noch ein Ladevolumen von 324 bzw. 1.322 Litern.

Unser Testwagen startet bei 38.450 Euro und kostet mit allen Extras (Technik- und Lederpaket, Metallic-Lackierung) insgesamt 40.980 Euro. Abzüglich der E-Prämie von 3.000 Euro werden dann 37.450 Euro für den Kia Niro Plug-in-Hybrid in der Spirit-Ausstattung fällig. Für diesen Preis gibt einem der Halbstromer ein gutes Gefühl leise und (fast) emissionsfrei ins Büro zu gleiten und daheim den Akku mit Ökostrom wieder aufzuladen.

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Über den Autor

 Jens Scheiner

Jens Scheiner

Redaktioneller Mitarbeiter Online/Print, Redaktion AUTOMOBIL INDUSTRIE