Leichtbau-Gipfel 2015 Komponenten im Blick

Redakteur: Christian Otto

Der zweite Tag des von der Fachzeitschrift »Automobil Industrie« veranstalteten Leichtbau-Gipfels begann mit einer Vortrags-Session in der Vertreter eines Entwicklungsdienstleisters, eines Zulieferers und einer Technischen Universität individuelle Fertigungsverfahren vorstellten.

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Mit der Session Komponenten startete der zweite Tag des Leichtbau-Gipfels. Mitorganisator und carhs-Geschäftsführer Rainer Hoffmann begrüßte das kundige Publikum.
Mit der Session Komponenten startete der zweite Tag des Leichtbau-Gipfels. Mitorganisator und carhs-Geschäftsführer Rainer Hoffmann begrüßte das kundige Publikum.
(Foto: Stefan Bausewein)

Als Chairman der Session fungierte Dr. Jürgen Wesemann, der bei Ford den Leichtbau mitverantwortet. Er übergab das Wort an Dr. Martin Hillebrecht von der EDAG Engineering AG, der generative Fertigungsverfahren für den Leichtbau zum Thema seines Vortrags machte und dafür das Beispiel einer multifunktionalen Komponente wählte. Hillebrecht sprach konkret von „zwei Champions der generativen Fertigung“, die die EDAG identifiziert habe. Dabei handle es sich zum einen um das SLM-Verfahren (Selective Laser Melting) und zum anderen um das FDM-Verfahren (Fuse Deposition Modeling).

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Das erste Verfahren folgt dem Prinzip des Stahlschmelzverfahrens und könnte künftig vor allem zu einer starken Verbesserung der Prozessgeschwindigkeit führen, während beim FDM thermoplastische Kunststoffe mit einer Düse schichtweise aufgetragen und so zu einem 3D-Werkstück aufgebaut werden.

Roadmap erstellt

„Vor diesem Hintergrund setzten wir uns mit verschiedenen Partnern im letzten Jahr an einen Tisch und erstellten eine Roadmap für eine Additive Fertigung“, so Dr. Hillebrecht. Aus diesen Gesprächen ergab sich auch ein Bild zur gesellschaftlichen Relevanz der Fertigungsmethode, die unter anderem dazu führe, dass dort produziert wird, wo das Produkt gebraucht wird und dann produziert wird, wenn das Produkt gebraucht wird. Und auch beim Thema Nachhaltigkeit spricht laut Hillebrecht vieles für den generativen Ansatz: „Insbesondere die werkzeuglose Fertigung ist ein Vorteil.“ Zudem könnte auf die Distribution über Kontinente verzichtet werden, was Lieferwege verkürze und jedes Verfahren ersetze bis zu 70 herkömmliche Werkzeugmaschinen.

„Das Ergebnis des additiven Fertigungsansatzes stellten wir dann mit einer kompletten Fahrzeugstruktur im letzten Jahr in Genf zur Diskussion“, erklärte Hillebrecht und meinte den so genannten Genesis, der auf ein bionisches Prinzip der Natur zurückgreift und sich dabei an einer Schildkröte orientiert.

Light Cocoon als Beispiel generativer Fertigung

Aus diesem Ansatz entstanden wiederum neue Ideen und die EDAG formulierte ein Projekt, mit dem Ziel ein ultraleichtes und multifunktionales Gehäuse für die Leistungselektronik eines E-Fahrzeugs zu entwickeln. An diesem Beispiel und an anderen Projekten zeigte sich laut Dr. Hillebrecht, dass die generative Fertigung, im Vergleich zu konventionellen Verfahren, aufgrund des Fehlens von Werkzeugkosten deutliche Einsparpotenziale bringe. Zudem konnten Leichtbaupotenziale gehoben werden. Das brachte zum Teil Gewichtseinsparungen von bis zu 50 Prozent.

Wie ein Auto aussehen könnte, das mit Hilfe generativer Fertigung hergestellt wird, zeige das aktuellste Projekt der EDAG. Das Concept Car „Light Cocoon“ konnte in diesem Jahr in Genf bestaunt werden. Dort kommt eine textile Außenhaut zum Einsatz.

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