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Kommentar

Ladeanschlüsse: „Weltstandard CCS bleibt Wunschdenken“

| Redakteur: Sven Prawitz

Fünf Standards für Ladestecker und-buchsen für Elektrofahrzeuge gibt es derzeit, Chine und Japan wollen jetzt einen eigenen, weltweit gültigen Standard etablieren. Welche Auswirkungen das haben kann, bewertet Andreas Radics, geschäftsführender Partner Berylls Strategy Advisors.

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Andreas Radics, geschäftsführender Partner Berylls Strategy Advisors.
Andreas Radics, geschäftsführender Partner Berylls Strategy Advisors.
(Bild: Dominik Osswald)

Momentan gibt es fünf Standards für Stecker beziehungsweise Buchsen bei Ladekabeln für E-Autos. In Nordamerika und Europa wird überwiegend das Combined Charging System (CCS) genutzt. In China (GB/T) und Japan (Chademo) werden wiederum andere Standards angewendet. Vergangene Woche kündigten die Standardisierungsgremien Japans und Chinas nun an, gemeinsam einen Steckertyp für Ladeleistungen bis zu 500 Kilowatt entwickeln zu wollen.

„Erneut scheint den europäischen OEMs und Zulieferern aus Asien Ungemach zu drohen. Im aktuellen Fall ist die Charging Interface Initiative (CharIN) betroffen, in der sich nahezu alle deutschen Autohersteller, flankiert von europäischen Unternehmen der Automobil- und Energiebranche organisiert haben. Ihr Ziel ist es, einen weltweit einheitlichen Schnellladestandard für E-Autos auf Basis des CCS-Steckers und der dazugehörigen Ladeprotokolle zu schaffen. Bislang mit einigem Erfolg, denn in Europa und den USA sind die CCS-Lader heute marktbeherrschend.

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Der neue Plug & Charge-Dienst bei CCS soll ab dem kommenden Frühjahr für noch mehr Akzeptanz sorgen und will das umständliche Hantieren mit verschiedenen Ladekarten überflüssig machen. China und Japan, derzeit mit unterschiedlichen Ladesystemen (GB/T und Chademo) am Markt, gehen dennoch eigene Wege und beabsichtigen nun ihre Entwicklungs-Bemühungen um einen Schnellladestandard für E-Autos zu synchronisieren.

Vorherrschende Schnellladestandards 2017 nach Land und damit verbundener Elektrofahrzeugabsatz (BEV + PHEV). Der CCS-Ladestandard liegt in der westlichen Welt vorn, die Mehrzahl der verkauften E-Autos verfügt jedoch bereits über chinesischen GB/T-Anschluss.
Vorherrschende Schnellladestandards 2017 nach Land und damit verbundener Elektrofahrzeugabsatz (BEV + PHEV). Der CCS-Ladestandard liegt in der westlichen Welt vorn, die Mehrzahl der verkauften E-Autos verfügt jedoch bereits über chinesischen GB/T-Anschluss.
(Bild: Berylls)

Friedliche Koexistenz ist möglich

Dass sich konkurrierende Schnellladesysteme entwickeln, ist für die Automotive- und Energie-Industrie zwar ärgerlich, aber kein Beinbruch. Schon häufig wurde der Versuch unternommen global einheitliche Richtlinien zu schaffen, die es den OEMs und Zuliefern erlaubt hätten, Kosten für Parallelentwicklungen zu sparen. Häufig scheitern solche Bestrebungen. Weder die Sicherheitsinitiative NCAP konnte sich mit weltweit gültigen Crashtests durchsetzen, noch gibt es einen global verpflichtenden Abgasstandard, obwohl der WLTP einmal mit diesem Anspruch aus der Taufe gehoben worden ist. Auch wenn es nicht optimal ist, die Hersteller sind es gewohnt mit verschiedenen Standards zu leben und die Kunden auch. Augenfälligstes Beispiel sind links- und rechtsgelenkte Autos, die in Europa in friedlicher Koexistenz unterwegs sind.

Die Schnellladestandards aus Asien und der CCS-Gruppe sind technisch inkompatibel und sie entwickeln sich sogar weiter auseinander. Dennoch werden asiatische Anbieter ihre Autos auch in den USA und Europa mit ihrem künftigen Ladeanschluss anbieten und die E-Auto-Infrastruktur muss sich auf die unterschiedlichen Standards einrichten. Die Folge werden Ladesäulen sein, an denen sowohl CCS-Kunden, wie die Nutzer des asiatischen Standards bedient werden. Ein friedliches Nebeneinander der Anschlusstypen ist zu erwarten.

China engagiert sich sehr stark

Spannend wird, wie die für die E-Mobilität noch weitgehend unerschlossenen Weltregionen wie der indische Subkontinent oder Afrika ausgerüstet werden. Dass sich China mit der bekannt langfristigen Industriepolitik und seiner enormen Wirtschaftsmacht massiv engagiert, steht aber außer Frage. Dass sich das CCS-System in diesen Märkten durchsetzt, ist eher unwahrscheinlich und der Weltstandard CCS bleibt Wunschdenken.“

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