Autonomes Fahren Tüv prüft Realfahrt nach Level 4

Von Berit Klotz 2 min Lesedauer

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Der Tüv hat erstmals ein Auto unter Level-4-Bedingungen geprüft. Jetzt fordert die Prüforganisation Datenzugriff und einheitliche europäische Regeln.

Das Forschungsfahrzeug „EDGAR“ war in Berlin unter realen Bedingungen nach Level 4 unterwegs.(Bild:  TÜV-Verband)
Das Forschungsfahrzeug „EDGAR“ war in Berlin unter realen Bedingungen nach Level 4 unterwegs.
(Bild: TÜV-Verband)

Das Forschungsfahrzeug „EDGAR“ der TU München hat eine Testfahrt unter realen Bedingungen erfolgreich absolviert. Die Testfahrt fand erstmals unter Level-4-Bedingungen in Berlin statt. „Die Berliner Realfahrt zeigt, dass autonomes Fahren auch im komplexen Stadtverkehr technisch möglich ist“, sagte Dirk Stenkamp,Präsident des TÜV-Verbands.

Mit dem Gesetz zum autonomen Fahren habe Deutschland als eines der ersten Länder weltweit einen rechtlichen Rahmen für Fahrzeuge der Automatisierungsstufe 4 geschaffen, beschrieb Ute Bonde, Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt des Landes Berlin.

Praxistauglich in der Theorie

Die Fahrt diente aber nicht der Abnahme des Fahrzeugs. Dafür wurde „erprobt, wie eine Betriebsbereichsgenehmigung für autonome Fahrzeuge im realen Verkehr erlangt werden kann“, sagte Bonde. Das sei notwendig für die dringend erforderliche Skalierung.

Um in Deutschland für Level 4 genehmigt zu werden, muss ein Fahrzeug technisch geprüft und typgenehmigt werden. Anschließend muss der konkrete Betriebsbereich behördlich genehmigt werden. „Autonome Fahrzeuge müssen nicht nur Verkehrsregeln beherrschen, sondern auch die Besonderheiten ihres jeweiligen Einsatzgebiets verstehen“, sagte Stenkamp. „Ampelschaltungen, Lichtsignale oder Verkehrsführungen können von Stadt zu Stadt variieren. Systeme müssen deshalb für ihren konkreten Einsatzbereich geprüft und bewertet werden.“

Dreimal zuverlässig durch Berlin

Die Testfahrt in Berlin war die erste ihrer Art in Deutschland – und diente dem Erproben und Weiterentwickeln einer Prüfmethode für autonomes Fahren. Das Fahrzeug absolvierte die Strecke durch Berlin dreimal. Drei Prüferteams des Tüv begleiteten die Fahrten und bewerteten das Fahrverhalten unabhängig voneinander auf Grundlage einer neu entwickelten Methodik.

Fazit: Die Realfahrt bestätigte die Praxistauglichkeit des entwickelten Prüfkonzepts. Die eingesetzte Messtechnik erwies sich als praxiserprobt und mit vertretbarem Aufwand in Prüfungen integrierbar.

„Es fehlen verbindliche Regeln in Europa“

Bis zu einer regulären Level-4-Genehmigung dauert es allerdings noch. Dafür fehlt zum Beispiel eine technische Aufsicht, die überwacht und eingreifen kann. Außerdem fehlen verbindliche, standardisierte europäische Regeln; zudem standardisierte und interoperable Schnittstellen.

„Voraussetzung für die unabhängige Prüfung autonomer Fahrzeuge ist ein umfassender Zugang zu sicherheitsrelevanten Fahrzeugdaten. Prüfstellen und Behörden müssen diskriminierungsfreien Zugriff auf die Daten autonomer Fahrzeuge erhalten, um Systeme wirksam bewerten, überwachen und im Betrieb kontrollieren zu können“, schreibt die Prüforganisation.

„Deutschland hat das Know-how, die Forschungskompetenz und den regulatorischen Rahmen, um beim autonomen Fahren international eine führende Rolle einzunehmen“, sagte Stenkamp. „Jetzt liegt es an Herstellern und Haltern, die nächsten Schritte zu gehen, Fahrzeuge für den Regelbetrieb anzumelden und autonomes Fahren in die Praxis zu bringen.“

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