Fahrzeugentwicklung

Low-Budget-Cars: Weniger wird mehr

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Low-Cost an der Zapfsäule

Ein günstiger Einstiegspreis für das Auto ist die eine Seite der Medaille; die Kosten für den Besitz und Betrieb des Fahrzeugs die andere. Viele Low-Budget-Cars zeichnen sich nicht eben durch besonders ressourcenschonende Technik aus. Die ist nämlich oftmals teuer; akzeptable Verbräuche ergeben sich deshalb eher aus den relativ niedrigen Gewichten alter Plattformen, die in Sachen passiver Sicherheit eher bedenklich sind. Es geht allerdings auch anders: Der Zulieferer Schaeffler hat in Indien einen Prototypen entwickelt, der mit niedrigem finanziellen Einsatz ganz erhebliche Einsparungen ermöglicht.

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„Schaeffler Efficient Future Mobility India“

Ausgangsbasis für das Modell ist ein Swift von Suzuki-Maruti aus lokaler Produktion. Er läuft nach der Überarbeitung durch die Schaeffler-Ingenieure unter der etwas sperrigen, dafür jedoch selbsterklärenden Bezeichnung „Schaeffler Efficient Future Mobility India“. Die Innovation liegt im Antrieb. Die Entwickler haben den Vierzylinder-Motor mit beschichteten Tassenstößeln, optimierten Lagern, einem Generatorfreilauf und einer verbesserten thermischen Steuerung versehen. Maßnahmen, die nicht nur den Verbrauch senken und die Leistung steigern, sondern potenziell auch die Lebensdauer des Motors erhöhen. Zudem verbaut Schaeffler eine variable Ventilsteuerung namens VCT, die ebenfalls Verbrauch und Leistung verbessert. Ferner weicht das klassische Kupplungspedal einem elektromechanischen Aktor, der mit einer sensorischen Gangerkennung gekoppelt ist. Diese elektronische Kupplungssteuerung (ECM) ermöglicht das automatisierte Schalten und eine Start-Stopp-Funktion. Natürlich bleibt der Schaltkomfort mit der ECM-Technik hinter einem Doppelkupplungs- oder Wandler-Automaten zurück, dafür ist sie in Sachen Kosten und Gewicht unschlagbar.

Verbrauch und Emissionen: Minus zehn Prozent

Beim Bauraum ergeben sich sogar Vorteile gegenüber dem klassischen Handschalter, denn Kupplungspedal und Schalthebel können theoretisch entfallen. Mit den überschaubaren und vor allem günstigen Änderungen konnte Schaeffler den Verbrauch und die Emissionen des Swift um zehn Prozent senken. „Selbst auf der von uns ausgewählten effizienten Plattform gab es erhebliches Optimierungspotenzial“, sagt Schaeffler-Entwicklungsvorstand Prof. Peter Gutzmer. Die Technik lässt sich insgesamt oder in Einzelkomponenten auf ein weites Spektrum anderer Modelle übertragen – dort liegt das Einsparpotenzial teilweise noch höher. Das gilt auch für Zweiräder, für die vor allem an reibungsarmen Lagern und neuen Kupplungen gearbeitet wird.

Konzeptfahrzeug steht für lokalen Ansatz

Die Kosten für das Schaeffler Efficient Future Mobility India will Prof. Gutzmer nicht genau beziffern; er deutet jedoch an, dass sie deutlich unter den Maßzahlen liegen, die industrieweit für Verbrauchs- und CO2-Reduzierungen angelegt und als angemessen bewertet werden. Insgesamt steht das Konzeptfahrzeug stellvertretend für den lokalen Ansatz einer wachsenden Zahl von Herstellern und Zulieferern. Es wurde direkt vor Ort in Indien entwickelt und entspricht den Bedürfnissen des lokalen Marktes. In gleicher Weise hat der Zulieferer auf der Autoshow in Detroit einen speziell für Nordamerika ausgelegten und auch dort entwickelten Crossover-Prototypen auf Basis des Ford Escape bzw. Kuga präsentiert. Er besticht mit Merkmalen, die dem Kunden gerade in den USA wichtig sind, etwa einen entkoppelbaren Allradantrieb und einen optimierten Wandlerautomaten. Im April soll auf der Auto Shanghai ein lokal entwickelter Prototyp für China folgen.

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