Suchen

Nutzfahrzeug IAA 2016 Mercedes-Benz Actros: Vernetzt, robust und sparsam

| Autor / Redakteur: Wolfgang Pester / Jens Scheiner

Die vierte Generation des Actros feiert auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover (22. bis 29. September) Premiere. Daimler Trucks will mit dem vernetzten Echtzeit-Service Uptime die Zuverlässigkeit von Kunden-Lkw erhöhen.

Firmen zum Thema

Die vierte Generation des Mercedes-Benz Actros feiert auf der IAA Premiere. Jetzt kommt mit Mercedes-Benz Uptime ein Echtzeit-Serviceprodukt hinzu, das durch Konnektivität die Zuverlässigkeit der Lkw im Flotteneinsatz erhöhen soll.
Die vierte Generation des Mercedes-Benz Actros feiert auf der IAA Premiere. Jetzt kommt mit Mercedes-Benz Uptime ein Echtzeit-Serviceprodukt hinzu, das durch Konnektivität die Zuverlässigkeit der Lkw im Flotteneinsatz erhöhen soll.
(Bild: Daimler)

Seit 1996 ist der Mercedes-Benz Actros bei schweren Lkw ein Maßstab für hohe Wirtschaftlichkeit und Sicherheit. In Europa gilt er schlechthin als der Fernverkehrs-Lkw und wurde in den 20 Jahren weit über ein Millionen Mal verkauft. Die aktuelle dritte Generation trumpft seit Sommer 2011 fortwährend mit Innovationen auf und ist mit insgesamt mehr als 145.000 Einheiten in Europa führend in ihrem Segment. Der auf der IAA Nutzfahrzeuge präsentierte neue Actros dürfte mit dem Serviceprodukt Mercedes-Benz Uptime diese erfolgreiche Fahrt fortsetzen.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 10 Bildern

Über 300 Sensoren, Kameras und Aktuatoren

Durch das Konnektivitäts- und Vernetzungssystem Uptime fährt der Lkw ohne Pannen und unerwarteten Werkstattaufenthalte. Das Herz des Serviceprodukts ist die neu entwickelte FleetBoard Connectivity Platform, über die der Actros der vierten Generation serienmäßig verfügt. „Die spezielle Hardware wird bei Daimler Trucks über unterschiedliche Regionen und Marken hinweg eingesetzt“, so Stefan Buchner, Leiter Mercedes-Benz Lkw. Sie vernetzt die laut Buchner über 300 Sensoren, Kameras und Aktuatoren. Zudem sendet sie die kompletten Technikdaten des Lkw an den Computer des Mercedes-Benz-Service Uptime. Die Informationen werden permanent in Echtzeit über das CAN-Bussystem erhobenen.

Durch die Vernetzung von Connectivity-Hardware und dem Server des Mercedes-Benz-Service wird ein Reparatur- oder Wartungsbedarf automatisch erkannt. Innerhalb von wenigen Minuten nach Eintritt eines Fehlercodes oder der Warnung vor einem möglichen künftigen Defekt ist der Kunde informiert. Gleichzeitig liegt ihm eine Handlungsempfehlung vor. Die Datenübertragung gewährleistet das Telematiksystem FleetBoard vollautomatisch, menschliche Fehler oder Verzögerungen sind nahezu ausgeschlossen. Buchner: „Die Connectivity-Hardware wird künftig die Hardware für die bereits bestehenden Konnektivitätslösungen von Daimler Trucks, die Telematiksysteme von FleetBoard und Detroit Connect, bilden.“ Sie werde als Nachrüstlösung kommen und somit auch für Transportunternehmer mit markenfremden Lkw nutzbar sein. Mit dem neuen Actros werde Mercedes-Benz Uptime mit drei Leistungen angeboten: Vermeiden von „Liegenbleibern“, Management von Reparaturen und Wartungen sowie Echtzeitunterstützung der Instandsetzungsmaßnahmen der Kunden.

Verbrauch um 65 Prozent gesunken

Neben dem Service punktet der Actros auch mit Wirtschaftlichkeit sowie Sicherheitsinnovationen: Der Notbremsassistent Active Brake Assist 4 inklusive Fußgängererkennung und Abbiegeassistent unterstützt den Fahrer. Wirtschaftlichkeit heißt beim Lkw niedrige Gesamtbetriebskosten. Zu diesen zählt neben den Personalkosten insbesondere der Dieselverbrauch. Besonders im Zusammenhang mit dem Kraftstoffverbrauch gelte: „Effizienz ist die Summe der Details“, so Michael Dietz, Marketingleiter der Mercedes-Benz Trucks von Daimler. Dazu gehöre der Kraftstoffverbrauch, der bis zu sechs Prozent durch Maßnahmen an allen schweren Reihensechszylindern und am Antriebsstrang gesenkt wurde. Das gelte speziell für die neueste Generation des 10,7-l-Reihensechszylinder OM 470, dessen fünf Leistungsstufen von 240 kW/326 PS bis 335 kW/456 PS reichen (jeweils bei 1.600 U/min) und die das maximale Drehmoment von 1.800 Nm bis 2.200 Nm bei 1.100 U/min bereitstellen. Mit der neuen 335-kW-Spitzenausführung erreicht der OM 470 sogar das Spektrum des 12,8-l-OM 471, der gleichsam weiterentwickelt mit maximal 390 kW/530 PS an die größte Baureihe OM 473 mit 15,6 l Hubraum anschließt.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 10 Bildern

Ein Blick auf den Verbrauch von schweren Lkw: Heute kommen Fahrer mit fortschrittlichen 40-Tonnern im Fernverkehr auf unter 30 l/100 km, im Einzelnen auf 28,5 l/100 km, und damit auf den spezifischen Dieselverbrauch von etwas über 0,7 Liter je Tonne Gesamtgewicht. Vor 50 Jahren lag der Wert um 65 Prozent höher – fast 50 l/100 km konsumierten die damals zulässigen 38-Tonner. Laut Marketingchef Dietz liegt „der Verbrauchsvorteil unserer Fahrzeuge aktuell bei rund zehn Prozent.“

Weiterentwickelte Motorengeneration

Die neue Generation des Mercedes-Benz OM 470 ist eine Weiterentwicklung des OM 471, als auch von typeigenen Entwicklungen. So hat der kompakte Sechszylinder alle Merkmale des größeren OM 471: stabile Stahlkolben, zwei oben liegende Nockenwellen sowie asymmetrischer Abgasturbolader, leistungsstarke Motorbremse und das Einspritzsystem X-Pulse. Der OM 470 mit der 335-kW-Topvariante bietet gegenüber dem OM 471 mit 330 kW/449 PS und ein leichtes Leistungsplus ab mittleren Drehzahlen und vor allem ein Gewichtsvorteil von rund 150 kg.

Beim OM 470 wird der Diesel weiter per Siebenlochdüse in den Brennraum injiziert, deren neue Bauweise jedoch einen größeren Durchfluss gewährleistet. Mit dem erhöhten Druck im Common-Rail-System von 900 bar auf 1.160 bar (wie im OM 471) spritzt das X-Puls-System der zweiten Generation mit der Druckverstärkung im Injektor den Diesel nun mit maximal 2.700 bar in die neue omegaförmige Mulde des Kolbens. Das Verdichtungsverhältnis wurde im Vergleich zum OM 471 um ein bar auf 18,5 bar erhöht und die Rate der Abgasrückführung reduziert. Das habe den Kraftstoffverbrauch bis zu fünf Prozent gesenkt. Sowohl der OM 471 als auch der OM 473 konsumieren weniger. Der kleinre der beiden spart bis zu sechs Prozent und der größere bis zu drei Prozent. Der mit dem Actros angebotenen Mix aus digitaler Vernetzung und sparsamer Motoren dürfte erneut die kostensensiblen Nutzfahrzeugkunden ansprechen.

(ID:44257078)

Über den Autor