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Mercedes-Benz S-Klasse: Technisch aufgerüstetes Flaggschiff

| Autor: Jens Scheiner

Die S-Klasse soll vor allem mit Technik überzeugen: Der Fahrer kann unter diversen „Wellness-Programmen“ wählen, über sein Smartphone navigieren und zeitweise teilautomatisiert fahren.

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Nach vier Jahre bekam die S-Klasse ein Facelift mit neuen Motoren und zahlreichen Assistenzsystemen – ein weiterer Schritt in Richtung automatisiertes Fahren.
Nach vier Jahre bekam die S-Klasse ein Facelift mit neuen Motoren und zahlreichen Assistenzsystemen – ein weiterer Schritt in Richtung automatisiertes Fahren.
(Bild: Daimler)

Seit Markteinführung der aktuellen Generation im Jahr 2013 hat Mercedes-Benz mehr als 300.000 S-Klasse Limousinen verkauft. Auch im Jahr 2016 behauptete sich das Flaggschiff von Daimler als meistverkaufte Luxuslimousine der Welt.

Damit sich die S-Klasse auch weiterhin Marktführer nennen kann, hat sie 2017 ein Facelift bekommen, oder besser gesagt ein Update. Denn optisch hat sich kaum etwas verändert. Die Designer haben lediglich die Front etwas modernisiert: Je nach Motorisierung ist der Kühlergrill unterschiedlich gestaltet: Die Sechs- und Achtzylindermodelle bekommen drei Doppellamellen mit schwarzen, senkrecht stehenden Stäben im Kühlergrill. Bei der Limousine mit langem Radstand und V12-Motor sind diese Stäbe verchromt, und der Mercedes-Maybach erhält neben zusätzlichem Chrom den Maybach-Schriftzug auf den Lamellen. Die Lufteinlässe der vorderen Stoßfänger sind in der neuen S-Klasse jetzt deutlich breiter und sollen so der eleganten Limousine mehr Aggressivität verleihen.

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LED-Technik für außen und innen

Besonders auffällig an der neuen Front sind auch die aufpreispflichtigen Multibeam-LED-Scheinwerfer: Diese bestehen aus 84 individuell steuerbaren LEDs sowie aus drei schmalen LED-Tagfahrlichtstreifen an den Innenseiten der Scheinwerfer. Diese Technik kommt bereits bei der E-Klasse (zwei Streifen) und der C-Klasse (ein Streifen) zum Einsatz. Das System erlaubt permanentes Fahren mit Fernlicht, da je nach Verkehrssituation einzelne LEDs abgeschaltet werden, damit der Gegenverkehr nicht geblendet wird. Die Designer haben die LED-Heckleuchten ebenfalls umgestaltet; sie funkeln nun in Kristalloptik.

Auch der hochwertige Innenraum erstrahlt in LED-Technik: Insgesamt bietet die optional erweiterte Ambientebeleuchtung 64 Farben. Diese lassen sich über die neue Energizing-Komfortsteuerung mit anderen Komfortsystemen vernetzen. Dabei kombiniert das System Funktionen der Klimaanlage (einschließlich Beduftung) und der Sitze (Heizung, Belüftung, Massage). Gemeinsam mit der Flächenheizung sowie Licht- und Musikstimmungen kann der Fahrer je nach Stimmung oder Bedürfnis ein spezielles Wellness-Set-up wählen. Zur Auswahl stehen sechs Programme: Frische, Wärme, Vitalität, Freude, Behaglichkeit und Training. Sie dauern jeweils zehn Minuten und werden von passender Musik unterstützt. Ebenso variabel passt sich die Helligkeit der LEDs an und lässt sich in fünf Stufen und vier Zonen einstellen: Vordersitze, Fond, Widescreen-Cockpit, das gleichzeitig auch das zentrale Element im Innenraum ist, oder alles zusammen.

Rahmenloses Widescreen-Cockpit

Eyecatcher im Innenraum sind die zwei hochauflösenden 12,3-Zoll-Displays, die unter einem gemeinsamen Deckglas zu einem rahmenlosen Widescreen-Cockpit verschmelzen. Wie auch bei der E-Klasse kann der Fahrer das Kombiinstrument und das Multimediasystem per Finger-Wischbewegungen steuern. Möglich machen das berührungssensitive Touch Controls im Lenkrad. Damit und mit der Sprachsteuerung Linguatronic lassen sich verschiedene Funktionen ausführen, ohne dabei die Hände vom Lenkrad nehmen zu müssen.So gesehen könnte künftig das Touchpad mit Controller in der Mittelkonsole, das auch Handschriften erkennt, überflüssig werden, genauso wie die Direkteinsprungtasten für das Aus- und Einschalten bestimmter Systeme.

Dafür übernimmt das Smartphone neue Funktionen: Per Near-Field-Communication kann man künftig das Fahrzeug öffnen und schließen.Außerdem kann der Fahrer die Luxuslimousine mittels Smartphone von außen in enge Parklücken manövrieren. Dabei fährt die S-Klasse im „Explore“-Modus bis zu 15 Meter geradeaus (vorwärts und rückwärts) und soll sogar Hindernisse umfahren. Damit während einer Aktion das Smartphone nicht schlapp macht, lässt es sich induktiv laden.

Zeitweise automatisiert durch vorausschauende Assistenten

Neben einem optischen Facelift haben die Ingenieure dem Flaggschiff auch ein umfangreiches Technik-Update verpasst. „Unsere neue S-Klasse markiert einen weiteren großen Schritt hin zum autonomen Fahren“, so Entwicklungschef Ola Källenius. „Beispielsweise verfügt das Fahrzeug über weiterentwickelte Kamera- und Radarsysteme mit einer Reichweite von bis zu 250 Metern. Das ermöglicht temporär automatisiertes Fahren sogar auf Landstraßen.” Mit dem mit Intelligent Drive next Level gehen die Stuttgarter einen weiteren Schritt Richtung automatisiertes Fahren.

So greift der Abstandsassistent Distronic auf hinterlegte Karten- und Navigationsdaten von Here zurück. Das System erkennt Kreisverkehre, Kurven und Kreuzungen und passt die Geschwindigkeit automatisch an. Beim Einfahren in den Kreisverkehr bremst das System automatisch ab, und das Fahrzeug „segelt“ ins Rondell. Beim Verlassen unterstützt der Lenkassistent den Fahrer beim Lenken, und der Wagen wird anschließend wieder auf die voreingestellte Geschwindigkeit beschleunigt. Außerdem hält er bis zu einer Geschwindigkeit von 210 km/h eigenständig den korrekten Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug. Das System orientiert sich mit Hilfe einer weiterentwickelten Stereo-Multi-Purpose-Kamera hinter der Windschutzscheibe und neuen Radarsensoren rund ums Fahrzeug an den Fahrbahnmarkierungen, mittels Car-to-X-Kommunikation am vorausfahrenden Fahrzeug und auch an seiner Umgebung. Deshalb ist der Lenkassistent nicht unbedingt auf sichtbare Fahrbahnmarkierungen angewiesen. Er funktioniert auch bei uneindeutigen Linien, wie beispielsweise in einer Baustelle. Zusätzlich passen die Assistenzsysteme die Geschwindigkeiten an die jeweilig geltenden Tempolimits an. Mit dem Geschwindigkeitslimit-Assistenten in Verbindung mit Comand Online regelt das System über die Kamera erkannte Geschwindigkeitsbeschränkungen oder über die Navigation bekannte Limits, etwa 50 km/h innerorts oder 100 km/h auf Landstraßen selbstständig ein.

Multifunktionslenkrad mit Touch-Pads

Über den Bildschirm und das Head-up-Display sieht der Fahrer sofort, welche Systeme aktiv sind. Alle Assistenten lassen sich über das Multifunktionslenkrad bedienen. So auch eine weitere überarbeitete Anwendung in der S-Klasse: der Spurwechselassistent. Auf mehrspurigen Straßen reicht neuerdings ein Antippen des Blinkhebels, um das Luxusfahrzeug die Fahrbahn wechseln zu lassen. Die Sensorik überprüft den relevanten Sicherheitsbereich und gibt den Spurwechsel erst frei, sobald sich innerhalb der nächsten zehn Sekunden eine Möglichkeit ergibt. Das System funktioniert in einem Geschwindigkeitsbereich von 80 bis 180 km/h und berücksichtigt beim Vorgang auch die Geschwindigkeit anderer Fahrzeuge.

Für zusätzlichen Komfort sorgt auf Wunsch das verbesserte „Magic Body Control“-Fahrwerk mit dem Road Surface Scan. Das System erkennt auch bei schlechten Sichtbedingungen Bodenunebenheiten bis zu einer Geschwindigkeit von 180 km/h und unterstützt so die erstmals in der S-Klasse verfügbare Kurvenneigefunktion Curve: Dabei neigt sich die Karosserie um bis zu 2,65 Grad zum Kurveninneren und reduziert so die auf die Passagiere wirkenden Querkräfte.

Große Antriebsauswahl

Ordentlich Kraft haben auch die neuen Motoren des Stuttgarter Flaggschiffs. Der leistungsstärkste ist der Vier-Liter-Biturbo-V8 mit Zylinderabschaltung im S65 AMG mit 463 kW/630 PS. Ihm folgen der S63 AMG 4-Matic+ mit 450 kW/612 PS und Neungangautomatik sowie der S560 4-Matic mit 345 kW/469 PS und 70 Nm Drehmoment. Die bisherigen V6-Dieselmotoren haben die Stuttgarter für die neue S-Klasse bereits durch Reihensechszylinder-Aggregate ersetzt. Zum Marktstart im Juli ist der neue Dreiliter-Diesel mit 210 kW/286 PS im S 350d 4-Matic und im S 400 d 4-Matic mit 250 kW/340 erhältlich. Der Verbrauch der beiden Aggregate soll laut Daimler bei 5,5 bzw. 5,6 Liter liegen.

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Seit dem Herbst 2017 kamen zudem brandneue Reihensechszylinder-Benziner mit 48-Volt-Bordnetz sowie einem elektrischen Zusatzverdichter und integriertem Starter-Generator (ISG) hinzu. Der ISG ist ein zentraler Bestandteil des 48-Volt-Netzes und trägt mit seinen 15 kW und 220 Nm zum Antrieb bei. Außerdem lädt der ISG mittels Rekuperation die Batterie mit Energie. Außerdem ist noch ein Plug-in-Hybrid, dessen Batterie auf 13,3 Kilowattstunden vergrößert wurde, erhältlich. Damit soll sich die Reichweite von 33 auf bis zu 50 Kilometern erhöhen; ein vollelektrisches Fahrzeug ist bislang nicht vorgesehen.

Das ist sehr verwunderlich, denn Daimler hat sein Spitzenmodell ausgerechnet in Shanghai vorgestellt. Dabei setzen doch gerade die Chinesen auf den umweltbewussten Elektroantrieb: Mit mehr als einer halben Millionen verkaufter Modelle ist China heute mit Abstand der weltgrößte Markt für Elektrofahrzeuge. Dennoch ist davon auszugehen, dass die Nachfrage der neuen S-Klasse auch ohne Elektroantrieb ungebrochen hoch sein wird – sowohl im Reich der Mitte als auch im Rest der Welt. Und das trotz einer Preisspanne, die bei rund 82.000 Euro beginnt und deutlich über 200.000 Euro hinausgeht.

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 Jens Scheiner

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Redaktioneller Mitarbeiter Online/Print, Redaktion AUTOMOBIL INDUSTRIE