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Powertrain Mercedes-Benz: Zuwachs für die Motorenfamilie

| Autor / Redakteur: Hartmut Hammer / Jens Scheiner

Mercedes-Benz hat vier neue Motoren vorgestellt, die 2017 in Serie gehen werden. Die Vier- und Sechszylinderaggregate erweitern die Reihenmotor-Familie, der V8 setzt einen obendrauf.

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Innovation inside: die neue Motorengeneration von Mercedes-Benz wartet mit zahlreichen elektrifizierten Funktionen und besserer Effizienz auf.
Innovation inside: die neue Motorengeneration von Mercedes-Benz wartet mit zahlreichen elektrifizierten Funktionen und besserer Effizienz auf.
(Bild: Daimler )

Mercedes-Benz erweitert seine Motorenpalette um vier weitere Aggregate. Der Serienstart der Vier- und Sechszylinderantriebe sowie des V8 soll im Jahr 2017 erfolgen. Dem Trend folgend, warten die neuen Aggregate mit zahlreichen Effizienztechniken wie etwa einem elektrischen Verdichter, einem Startergenerator, 48 Volt-Bordnetz, Otto-Partikelfilter oder auch einer Zylinderabschaltung auf. Im Frühjahr 2016 gab der Diesel-Vierzylinder OM 654 einen ersten Vorgeschmack auf die neue Motorengeneration von Mercedes-Benz: modularer Aufbau, Vier- und Sechszylinderaggregate durchgehend als Reihenmotoren, ein einheitlicher Zylinderabstand von 90 Millimeter, ein halber Liter Hubraum pro Zylinder und gleiche Schnittstellen zum Fahrzeug.

Im Jahr 2017 debütieren in der S-Klasse gleich vier weitere Aggregate: ein Vierzylinder-Ottomotor (M 264), ein Sechszylinder-Ottomotor (M 256), ein Sechszylinder-Dieselaggregat (OM 656) und ein neuer V8-Ottomotor (M 176). Mercedes-Benz investiert nach eigenen Angaben mehr als drei Milliarden Euro in die neue Motorengeneration. Über die Skalierung der einzelnen Techniken und Elektrifizierungsoptionen von 12 über 48 bis hin zu Hochvolt-Plug-in-Anwendungen will man je nach Fahrzeug den passenden Antrieb dimensionieren.

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Riemengetriebener Vierzylinder

Den Einstieg markiert der Vierzylinder-Ottomotor M 264 mit zwei Liter Hubraum, einer Literleistung von bis zu 100 Kilowatt und zahlreichen technischen Leckerbissen: als da wären ein Twinscroll-Turbolader, ein riemengetriebener 48-Volt-Starter-Generator (RSG) und eine elektrische Wasserpumpe (ebenfalls 48 Volt), variable Hubhöhen der Einlassventile, Piezo-Einspritzventile und ein Partikelfilter. Der RSG mit 12,5 Kilowatt Leistung boostet im Drehzahlbereich bis 2.500 Umdrehungen pro Minute, rekuperiert, sorgt für einen komfortablen Motorstart und ermöglicht kraftstoffeffiziente Lastpunktverschiebungen. Da der Vierzylindermotor auch für Front-Quer-Antriebe geplant ist, kommt eine platzsparende riemengetriebene Variante zum Einsatz.

Der große Bruder M 256 hingegen ist nur für den Längseinbau vorgesehen und verfügt deshalb über einen integrierten Startergenerator (ISG) zwischen Motor und Getriebe (P2-Position). Dieser hat eine Leistung von 15 Kilowatt und ist ebenfalls Bestandteil eines 48-Volt-Teilbordnetzes, an dem auch die Wasserpumpe und der Klimakompressor angeschlossen sein werden. Dadurch kann beim Sechszylinder-Ottomotor der Riemenantrieb an der Stirnseite für diese Aggregate entfallen. Der ebenfalls mit 48 Volt Spannung betriebene elektrische Verdichter sorgt zusammen mit dem E-Motor für nahtlosen Vortrieb ab Drehzahl Null und günstige Verbrauchswerte. Leistung und Drehmoment des neuen Reihensechszylinders sollen bei mehr als 300 Kilowatt und 500 Newtonmeter liegen, im Vergleich zum V6-Vorgänger soll der Kraftstoffverbrauch um etwa 15 Prozent sinken. Ein Otto-Partikelfilter soll auch bei diesem Motor die Partikelemissionen weit unter die gesetzlichen Grenzwerte drücken.

Stärkster Sechszylinder-Dieselmotor

Als Sechszylinder-Pendant auf Dieselseite wird der OM 656 ab nächstem Jahr an den Start gehen. Zu seinen herausragenden Merkmalen zählen die Einspritzung mit bis zu 2.500 bar Druck, das Stufenmulden-Brennverfahren, die zweistufige Abgasturboaufladung sowie eine variable Ventilsteuerung. Der Motor ist eine Kombination von Aluminium-Motorblock, Stahlkolben und einer reibungsreduzierenden Beschichtung der Zylinderlaufbahnen. Wie im Vierzylinder-Dieselmotor soll das Stufenmulden-Brennverfahren auch im OM 656 den Verbrennungsverlauf, die thermische Bauteilbelastung kritischer Kolbenbereiche, den Rußeintrag in das Motorenöl und die Partikelemissionen verbessern. Ein besseres Abgasverhalten verspricht man sich auch von der kombinierten gekühlten Hochdruck- und Niederdruck-Abgasrückführung und schaltbaren Ventilen auf der Auslass-Seite.

Mit einer Leistung von 230 Kilowatt und mehr als 650 Newtonmeter Drehmoment wird der neue Sechszylinder-Dieselmotor das bisher stärkste Pkw-Dieselaggregat im Unternehmen werden. Es wird in Leistung und Drehmoment allerdings vom neuen V8-Ottomotor noch übertroffen. Mehr als 350 Kilowatt Leistung und ein maximales Drehmoment von etwa 700 Newtonmeter soll das bei der Performance-Tochter AMG entwickelte Aggregat mit vier Liter Hubraum aufweisen. Dazu noch eine Zylinderabschaltung, die im Teillastbereich gleich vier Zylinder deaktiviert und damit die Betriebspunkte der verbleibenden vier aktiven Zylinder hin zu höheren Lasten verbessert. Um die vielfältigen Schwingungen von Vier-und Achtzylinderbetrieb besser in den Griff zu bekommen, ist ein Fliehkraftpendel in den Motor integriert. Weitere Kennzeichen des V8-Motors mit 90 Grad Bankwinkel sind die direkte Einspritzung mit einem Kraftstoffdruck zwischen 100 und 200 bar, reibungsminimierende Nanobeschichtungen auf den Zylinderlaufflächen sowie die Integration der beiden Turbolader in das heiße Innen-V. Auch bei diesem Motor ist ein Partikelfilter Standard.

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