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Entwicklung Neues Technologiezentrum: Wie sich Mahle sortiert

Autor / Redakteur: Hartmut Hammer / Svenja Gelowicz

Der Zulieferer Mahle setzt auf Elektronik und Mechatronik und hat dafür ein neues Entwicklungszentrum gegründet. Die Stuttgarter forcieren das Geschäft mit Produkten für Fahrzeuge mit Hybrid-, Wasserstoff- oder batterieelektrischen Antrieben.

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Am Standort Kornwestheim entwickelte und produzierte der Automobilzulieferer Mahle bisher Thermomanagementprodukte. Diese Aktivitäten wurden teilweise an andere Standorte verlagert. In den mehr als 1.200 Quadratmeter frei werdenden Büro- und Laborflächen hat das Unternehmen jetzt die Entwicklung von elektrischen Kompressoren, Pumpen, Aktuatoren sowie von elektrischen Antrieben gebündelt. Bisher waren diese Produktbereiche an verschiedenen Mahle-Standorten verstreut. Parallel dazu Anfang 2020 die Produktbereiche zum neuen Geschäftsbereich „Elektronik und Mechatronik“ zusammengefasst.

Das Technologiezentrum Mechatronik soll ein wesentlicher Baustein der dualen Mahle-Strategie werden, die neben der weiteren Optimierung des Verbrennungsmotors neue Produkte für Hybrid-, Brennstoffzellen- und batterieelektrische Antriebe vorsieht. Kornwestheim wird innerhalb des Geschäftsbereichs dabei die Rolle des Leitstandortes einnehmen und seinen Schwerpunkt auf die Systemauslegung und -integration der einzelnen Produkte legen.

Weitere Entwicklungsstandorte im slowenischen Sempeter (300 Ingenieure, Schwerpunkt Elektromotoren), dem spanischen Valencia (300 Ingenieure, Schwerpunkt Elektronik) und Changshu in China arbeiten zu und sorgen für einen globalen Footprint des Geschäftsbereichs.

Mahle setzt auf Elektronik und Mechatronik

Mahle investierte in das Technologiezentrum nach eigenen Angaben einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag. Schon in den letzten Jahren verzeichnete man im Bereich Elektronik und Mechatronik stattliche Zuwächse, teils durch organisches Wachstum, teils durch Akquisitionen. So stieg der Umsatz im Jahr 2019 um fast neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr und erreichte knapp 500 Millionen Euro. In diesem Jahrzehnt erwartet man jährlich zweistellige Wachstumsraten und will ab dem Jahr 2022 im Geschäftsbereich schwarze Zahlen schreiben.

Ergänzend soll das Entwicklungsteam in Kornwestheim ausgebaut werden: Büro- und Laborflächen dazu stehen bereit. „Elektronik und Mechatronik sind wachsende Zukunftsmärkte. Der neue Geschäftsbereich Elektronik und Mechatronik soll alle unsere Aktivitäten bei elektrischen Antrieben, Aktuatoren, Nebenaggregaten, sowie Steuerungs- und Leistungselektronik bündeln. Wir wollen ein wesentlicher Player bei der Elektrifizierung der Fahrzeuge werden“, sagt Wilhelm Emperhoff, Mitglied der Mahle-Geschäftsführung und Leiter des Geschäftsbereichs Elektronik und Mechatronik.

Antriebe: Mahle glaubt an verschiedene Konzepte

Aktuell schätzt Emperhoff, dass etwa 80 Prozent der Kornwestheimer Entwicklungskapazitäten in Produkte für alternative Antriebe fließen, etwa 20 Prozent für die Optimierung von Verbrennungsmotoren. Ein Beispiel sind neue Wasserpumpen mit elektrischem Antrieb, deren Systemauslegung in Kornwestheim erfolgte, mit Unterstützung der Kollegen aus Valencia (Elektronik) und Sempeter (Antrieb). Diese Wasserpumpen werden zunächst für Verbrennungsmotoren eingesetzt, später aber auch für das Thermomanagement von Elektroantrieben.

Diese Vorgehensweise passt laut Emperhoff gut in die duale Strategie und spiegelt auch die international differenzierten Märkte wider. „Die verschiedenen Antriebskonzepte werden je nach gesellschaftspolitischem System, Infrastruktur und Entwicklungsgrad in den lokalen Märkten unterschiedlich erfolgreich sein. Mit unserem Geschäftsbereich Elektronik und Mechatronik wollen wir für jeden Markt maßgeschneiderte Lösungen anbieten.“

Ein anderes Beispiel ist das vor Ort entwickelte elektrische Expansionsventil. Es steuert Kältekreisläufe, etwa in Klimaanlagen oder für Traktionsbatterien. Die Komponente wird ab 2022 in Serie gehen und kann sowohl in Fahrzeugen mit konventionellem Verbrennungsmotor als auch in batterieelektrischen oder in Hybrid-Anwendungen eingesetzt werden.

Mahle:

Neben den aktuellen Neuentwicklungen verfügt der neue Geschäftsbereich auch schon über etliche Serienprodukte: zum Beispiel Aktuatoren für Turbolader, elektrisch angetriebene Kühlmittelpumpen, Klimakompressoren sowie Kühlerlüftermotoren. Hinzu kommen zahlreiche elektrische Traktionsmotoren und Antriebe, etwa für Kommunalfahrzeuge, Golfcars, Roller und Pedelecs, aber auch Onboard-Ladegeräte. Highlight sei die Belieferung eines schwäbischen OEMs mit einem 150 Kilowatt starken Traktionsmotor seit 2019. Vom Mercedes-Benz EQC ist bekannt, dass er zwei 150-kW-E-Motoren von ZF hat. Aber auch der Van EQV verfügt über einen E-Antrieb mit 150 kW.

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