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Kearney Nur noch 30 Prozent Verbrenner ab 2035 – Zulieferer bereits schwer betroffen

| Autor: Jens Scheiner

Christian Malorny vom Beratungsunternehmen Kearney sieht die Automobilindustrie vor gigantischen Herausforderungen. „BMW, Mercedes-Benz, Volkswagen und Co. müssen in Sachen E-Mobilität und Digitalität stärker zusammenarbeiten“, fordert er.

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Ab 2035 soll der Anteil der Verbrenner nur noch 30 Prozent betragen. 100.000 Arbeitsplätze in der Automobilindustrie stehen in Deutschland vor einem Umbau.
Ab 2035 soll der Anteil der Verbrenner nur noch 30 Prozent betragen. 100.000 Arbeitsplätze in der Automobilindustrie stehen in Deutschland vor einem Umbau.
(Bild: ZF)

Bei einer Vortragsveranstaltung im Auto Classics Club Berlin forderte Christian Malorny, Partner der Unternehmensberatung Kearney, einen industriepolitischen Schulterschluss, um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Automobilhersteller zu erhalten. „BMW, Mercedes-Benz, Volkswagen und Co. müssen in Sachen E-Mobilität und Digitalität stärker zusammenarbeiten. Geschieht das nicht, ist der Wohlstand am Standort Deutschland in Gefahr“, sagte der Berater.

Daten sind das Gold von morgen

„Ab dem Jahr 2035 werden kaum noch Verbrenner auf die Straßen kommen“: Mit dieser Prognose fasste Malorny den umfangreichen Wandel zusammen, der die deutsche Automobilindustrie und ihre schon jetzt in Not geratenen Zulieferer vor gigantische Herausforderungen stelle. Die Mobilität von morgen werde bestimmt von Elektromotoren, autonomen Fahren und der Digitalisierung des Verkehrs. Dieser Transformationsprozess erfordere nicht nur ein grundlegendes Umdenken innerhalb der historisch gewachsenen Strukturen von Automobil- und Zuliefererindustrie, sondern zudem einen mobilitätsfördernden Konsens in Politik und Wirtschaft.

„Die Abkehr vom Verbrennungsmotor bedeutet, dass wir die zahlreichen mittelständischen Unternehmen, die die Einzelteile des klassischen Verbrenners herstellen, zuschließen können. Um das zu verhindern, müssen wir uns einer vollkommen neuen Industrie widmen, die momentan entlang des Lebenszyklus der Fahrzeuge entsteht“, betonte Malorny. Daten, Datenanalytik, die dazugehörigen Algorithmen sowie Cloud-Technologien und IT-Übertragungsnetz seien dabei das „Gold von morgen“.

Spagat zwischen einem physischen und digitalen Premiumerleben schaffen

Der Traum der Tech-Industrie vom Auto als gesichtslose, autonom fahrende Plattform bedrohe indessen tausende Arbeitsplätze und damit den aktuellen Wohlstand in Deutschland. „Die Abkehr vom Verbrennungsmotor bedeutet, dass sich die zahlreichen mittelständischen Unternehmen in Deutschland, die bis zu 4.000 Einzelteile für den Verbrenner und das Getriebe herstellen, neue Geschäftsfelder suchen müssen. Eine Chance entsteht entlang des Lebenszyklus der Fahrzeuge, wo völlig neue Geschäftsmodelle mit datenbasierten Dienstleistungen für das Auto bzw. seine Insassen entstehen.“

Christian Malorny ist Partner der internationalen Unternehmensberatung Kearney und leitet den weltweiten Beratungsbereich Automotive.
Christian Malorny ist Partner der internationalen Unternehmensberatung Kearney und leitet den weltweiten Beratungsbereich Automotive.
(Bild: Thomas Effinger)

Es gelte, sich gegen Konkurrenten wie Tesla zu behaupten und ein digitales Premium-Produktverständnis „Made in Germany“ zu entwickeln. Die Marken würden nicht verschwinden, schlichtweg weil die Eitelkeiten der Menschen weiterhin existieren. Die Automobilindustrie müsse es aber schaffen, auch in einer vernetzten Welt ein begehrenswertes Produkt zu entwickeln, das den Spagat schafft zwischen einem physischen und digitalen Premiumerleben“, erklärte Malorny. Denn es sei allein das deutsche Know-how im Premiumsegment, das hohe Gewinnmargen erziele und einen entscheidenden Vorteil im weltweiten Showdown der Autoindustrie sichere.

Das habe auch Tesla erkannt. Der Vorsprung der deutschen Automobilindustrie im klassischen Fahrzeugbau und Qualitätsdenken habe die Amerikaner motiviert, sich in Brandenburg niederzulassen. Nun sei es an den deutschen Herstellern, von Teslas Digitalkompetenz zu lernen, ihre Stärke im Premiumsegment mit vernetzten Plattformen zu kombinieren und so ihre führende Rolle zu sichern. Dabei könnte es sinnvoll sein, alle Interessen in einem nationalen Mobilitätsrat zu bündeln.

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Über den Autor

 Jens Scheiner

Jens Scheiner

Redaktioneller Mitarbeiter Online/Print, Redaktion AUTOMOBIL INDUSTRIE