Fahrbericht

Opel Corsa GSI: Der OPC-Nachfolger

| Autor: Jens Scheiner

Wir haben den Opel Corsa GSi mit seinem 150-PS-Motor, dem OPC-Fahrwerk und in Mandarin-Orange getestet.
Wir haben den Opel Corsa GSi mit seinem 150-PS-Motor, dem OPC-Fahrwerk und in Mandarin-Orange getestet. (Bild: Sven Prawitz/»Automobil Industrie«)

Nachdem Opel die Produktion des Corsa OPC eingestellt hat, ist der Corsa GSI nunmehr der sportlichste Kleinwagen aus Rüsselsheim. Wir haben den kleinen Flitzer mit seinem 150-PS-Motor, dem OPC-Fahrwerk und in Mandarin-Orange getestet.

Der Opel Corsa GSI sieht auf den ersten Blick aus wie ein überarbeiteter OPC. Mit seiner angedeuteten Lufthutze auf der Motorhaube, dem Heckspoiler, den roten Bremssätteln, breiten Schwellern sowie Carbon-Applikationen an Grill und Außenspiegeln ist die Ähnlichkeit sehr groß. Kein Wunder, denn die Spezialisten des Opel Performance Centers (OPC) sind im Wesentlichen dafür verantwortlich, dass der kleinen Renner nach einer fünfjährigen Pause wieder als Grand Sport Injection (GSI) auf den Straßen rollt. Bis auf das kleine Endrohr am Heck unterscheiden sich die beiden Varianten rein optisch also nicht. Das ändert sich beim Blick unter das Blechkleid. Denn hier haben die Ingenieure nicht mehr das 152 kW/207 PS starke Aggregat verbaut, sondern der GSI trägt nun das gleiche Aggregat wie seine zivilen Corsa-Brüder: Den 1,4-Liter-Turbo mit vier Zylindern und 110 kW/150 PS.

Corsa GSI: Automatisch im Eco-Modus

Der Motor klingt kernig, fühlt sich aber erst ab 3.000 Umdrehungen sportlich an. Denn dann sorgt der Turbolader noch einmal für einen dezenten Schub nach vorne. Ab 5.000 Touren empfehlen wir in den nächsten Gang zu schalten, wenn einem seine Benzinkosten nicht egal sind. Denn bei dieser sportlichen Fahrweise verbraucht der kleine Renner zwischen 8,0 und 9,5 Liter auf 100 Kilometern, bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von circa 140 km/h. Bei moderater Fahrweise auf Landstraßen ist ein realistischer Verbrauch von sieben Litern möglich. Offiziell soll der Verbrauch bei circa sechs Litern liegen und im Gegensatz zum OPC ist der Motor für die Abgasnorm Euro 6d-Temp zertifiziert. Um den Verbrauch etwas niedriger zu halten, ist nach dem Anlassen des Motors automatisch der Eco-Modus aktiviert.

Geschaltet wird ausschließlich manuell durch sechs Gänge. Die Schaltwege könnten etwas kürzer sein, dafür ist die Übersetzung knackig und die Gänge lassen sich mühelos einlegen. Mit einem leichten Zwischengas lässt sich die Power noch besser übertragen. Spätestens bei 6.500 Umdrehungen setzt der Begrenzer ein und man wird quasi zum Schalten genötigt. Allerdings ist bei dieser Drehzahl der Motor im Innenraum sehr laut. Gleiches gilt für den Fahrtwind, der bereits ab einer Geschwindigkeit von 140 km/h die Passagiere zwingt, beim Gespräch deutlich lauter zu Sprechen.

Opel Corsa GSI: Prügelhart und trotzdem schwammig

Für Freudenschreie hingegen sorgt das Chassis, das weitestgehend dem des Corsa-OPC entspricht. Die Ingenieure haben das Fahrwerk zehn Millimeter tiefergelegt und mit Koni-Dämpfern sowie steiferen Hinterachsträgern ausgestattet. Das straffe Fahrwerk hat allerdings auch seinen Preis: Denn Unebenheiten, Pflastersteine oder Fahrbahnschwellen in der Innenstadt quittiert es mit harten Schlägen an die Wirbelsäule. Für unser Empfinden ist das Fahrwerk ein Tick zu hart eingestellt. Leider verhält sich die Vorderachse in schnellen Kurven und bei schnellen Autobahnfahrten sehr unruhig. Das vermittelt ein unsicheres Fahrgefühl, als würde das kurven äußere Vorderrad in einem Loch versinken. Gut eingestellt sind hingegen die Traktionskontrolle und das ESP, das für dieses Fahrzeug neu abgestimmt wurde, sich nicht abschalten lässt und sich auch nur zu Wort meldet, wenn es brenzlig wird.

Gegen die harten Stöße des Fahrwerks helfen ein wenig die Recaro-Sportsitze für 2.060 Euro extra (inklusive Sitzheizung). Diese geben zwar guten Seitenhalt in schnellen Kurven, aber mindern die Rückenschmerzen nach einer langen Fahrt nur unwesentlich. Auf der Rückbank hingegen sollte am besten niemand sitzen: Denn hier gibt es nur konturlose Polster, keine Haltegriffe, wenig Schulter-, Kopf- und Beinfreiheit und auch kaum Ausblick, weil das Fenster unter der C-Säule extrem klein ist. Der Platz vorne ist hingegen ausreichend allerdings ist die Gesamtübersicht im kleinen Corsa GSI schlecht: Weder das Ende der Motorhaube ist zu sehen, noch lässt sich das Heck beim Rückwärtsfahren richtig einschätzen.

Die lange Aufpreisliste des Opel Corsa

Glücklicherweise ist unser Testwagen mit einer Einparkhilfe vorne und hinten (450 Euro) sowie einer Rückfahrkamera (295 Euro) ausgestattet, die ein sauberes Bild mit Parklinien auf dem Bildschirm erzeugt und den Einparkvorgang mit einem aufdringlichen Piepen begleitet. Weniger gut funktionieren der Abstandswarner, der passiver Spurassistent und der Verkehrsschildassistent, die Ihre Daten von der Frontkamera (700 Euro) beziehen. Letzterer hat uns hin und wieder das falsche Tempolimit angezeigt. Deshalb empfehlen wir dem System nicht immer blind zu vertrauen. Was hingegen gut funktioniert ist die Anbindung des Smartphones per „Apple CarPlay“ oder „Android Auto“ mittels Kabel auf das Siebenzoll-Touchscreen. Wer seine Route lieber über sein Smartphone plant, dem empfehlen wir zum preiswerteren Radio „R 4.0 IntelliLink“ zu greifen (350 Euro). Denn das „Navi 4.0 IntelliLink“ (850 Euro) in unserem Testwagen hat uns teilweise sehr umständlich navigiert.

Wer neben dem Fahrspaß Wert auf technische Features wie die kamerabasierten Assistenten, Einparkhilfen und Bi-Xenon-Scheinwerfer mit LED-Tagfahrlicht legt, landet schnell bei gut 22.000 Euro. Mit Recaro-Sitzen, Navi, 18-Zoll-Rädern und dem auffälligen Mandarin-Orange, wie in unserem Testwagen, werden insgesamt 27.805 Euro fällig.

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