E-Auto-Fertigung Produktionsstart des BMW iX in Dingolfing

Autor: Claus-Peter Köth

Für den Anlauf des neuen iX strukturierte BMW sein Werk in Dingolfing um und investierte erheblich. Nun montieren die Beschäftigten Verbrenner, Plug-in-Hybride und BEVs im Mix auf einer Linie.

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Start der Serienfertigung des vollelektrischen BMW iX in Dingolfing. Im Bild vorne rechts Milan Nedeljkovic, Produktionsvorstand der BMW AG, vorne links: Christoph Schröder, Leiter des Werks Dingolfing.
Start der Serienfertigung des vollelektrischen BMW iX in Dingolfing. Im Bild vorne rechts Milan Nedeljkovic, Produktionsvorstand der BMW AG, vorne links: Christoph Schröder, Leiter des Werks Dingolfing.
(Bild: BMW)

Seit heute (2. Juli) läuft die Serienfertigung des vollelektrischen BMW iX in Dingolfing. Damit rollen im niederbayerischen Werk nun Fahrzeuge mit allen Antriebsvarianten vom gleichen Band: also Verbrenner, Plug-in-Hybride und vollelektrische Modelle. Milan Nedeljkovic, BMW-Produktionsvorstand: „Mit dem Anlauf des BMW iX haben wir einen weiteren Meilenstein im Ausbau der Elektrifizierung erreicht. Unser Produktionsnetzwerk beweist damit die erfolgreiche Transformation in Richtung Elektromobilität und Digitalisierung.“

Der iX wird im größten europäischen Produktionswerk von BMW auf einer Montagelinie flexibel im Mix mit Fahrzeugen der 5er-, 7er- und 8er-Reihe gebaut. Um diese Flexibilität und Antriebsvielfalt darstellen zu können, wurde die Dingolfinger Fahrzeugmontage erweitert und umstrukturiert. Insgesamt investierte BMW für den iX im Dingolfinger Fahrzeugwerk mehr als 400 Millionen Euro. 

„Viele der Umbau- und Strukturmaßnahmen kommen bereits den Nachfolgegenerationen des 7er und 5er zugute, wo wir ebenfalls vollelektrische Varianten angekündigt haben“, ergänzte Christoph Schröder, Werkleiter in Dingolfing. Er sei besonders stolz auf seine Mitarbeiter, dass es gelungen ist, den iX pünktlich auf die Straße zu bringen – trotz Corona-Pandemie.

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Doppeltes elektrisches Produktionsvolumen

Nach etwa acht Prozent elektrifizierter Fahrzeug im Jahr 2020 rechnet Nedeljkovic in diesem Jahr bereits mit einer Verdoppelung des Anteils auf etwa 18.000 Einheiten. Bis zur Mitte des Jahrzehnts soll die Hälfte der in Dingolfing produzierten Fahrzeuge elektrifiziert sein, dem iX komme dabei eine wichtige Rolle zu. „Bereits nächstes Jahr wird der iX eines der volumenstärksten Modelle am Standort sein“, sagte Nedeljkovic. Im Herbst folge im Werk München der i4. Ende nächsten Jahres sollen alle deutschen BMW-Werke mindestens ein vollelektrisches Fahrzeug produzieren.

Fahrzeug- und E-Antriebsfertigung vor Ort

Die Fertigung des iX in Dingolfing profitiert lauf Werkleiter Christoph Schröder vom Know-how und der Kompetenz der am Standort angesiedelten Technologien. Durch deren enges Zusammenspiel erreiche das Werk eine hohe Eigenleistungstiefe, kurze Wege und ein produktionstechnisches Gesamtoptimum.

Auch der hochintegrierte E-Antrieb der fünften Generation und das Batteriemodul sowie die komplette E-Achse entstehen am Standort. Dadurch sei die Fertigungstiefe beim iX vergleichbar mit der von Verbrenner-Fahrzeugen.

Ab dem Jahr 2022 könnten in Dingolfing E-Antriebe für mehr als eine halbe Million elektrifizierte Fahrzeuge entstehen. Einer eigenen Batteriezellproduktion hingegen erteilte Nedeljkovic abermals eine Absage: Das sei aktuell aufgrund der unterschiedlichen Anforderungen je nach Fahrzeugmodell sowie der raschen Fortschritte in der Batterietechnologie nicht sinnvoll.

Neue Produktionsprozesse für den iX

Mit dem iX kommen einige Innovationen ins Produkt und die Produktionsprozesse – etwa bei Bordnetzarchitektur, Software, digitalen Services, Vernetzung und automatisierten Fahrfunktionen. Das Fahrzeug habe laut Nedeljkovic eine wichtige Wegbereiter-Funktion, es sei „eine Speerspitze in punkto Digitalisierung und Elektrifizierung“.

Das gelte insbesondere für die Produktion. Hier zögen Zukunftstechnologien ins Produktionssystem ein – etwa bei digitalen Methoden der Mitarbeiterqualifizierung, der Automatisierung von Logistikprozessen, der virtuellen Inbetriebnahme und der Absicherung von Fahrerassistenzsystemen.

Nachhaltig produzieren

Um nachhaltig zu produzieren legt BMW Wert auf eine bessere CO2-Bilanz. „Wir sind schon heute Benchmark unserer Industrie bei Nachhaltigkeit, investieren aber in ressourcenschonende Technologien und setzen uns anspruchsvolle Ziele für die nachhaltigste Produktion“, betonte Nedeljkovic.

Das heißt bisher: Der Ressourcenverbrauch je produziertem Fahrzeug sank im Zeitraum von 2006 bis 2020 um mehr als die Hälfte, die CO2-Emissionen sogar um 78 Prozent . Bis zum Jahr 2030 sollen sie pro gefertigtem Fahrzeug um weitere 80 Prozent sinken. „Dazu haben wir eine Reihe von Maßnahmen um- und neu aufgesetzt“, betont Schröder. Zum Beispiel werde der iX ausschließlich mit regionalem und direkt bezogenem Grünstrom gefertigt, der aus Wasserkraftwerken an Isar und Lech stammt.

Neue Kompetenzen, mehr Jobs

Der BMW iX brachte aber auch neuen Qualifizierungsbedarf mit sich; und beschleunigte so laut Schröder den Kompetenzumbau im Produktionsnetzwerk. Allein in Dingolfing übernahmen seit 2012 mehr als 4.000 Beschäftigte einen neuen, zukunftsträchtigen Arbeitsplatz.

Als Beispiel nannte der Werkleiter den Auf- und Ausbau des Kompetenzzentrums E-Antriebsproduktion am Standort: Hier arbeiten seit dem abgelaufenen Jahr mehr als doppelt so viele Mitarbeiter: über 1.200 statt vorher 600. Bis Ende dieses Jahres sollen es über 1.900 werden. Auf lange Sicht rechnet BMW in seinen Werken trotz E-Transformation mit einer gleichbleibenden Beschäftigung. Kurzfristig benötige der Hersteller laut Nedeljkovic sogar mehr Personal.

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 Claus-Peter Köth

Claus-Peter Köth

Chefredakteur Automobil Industrie & Next Mobility