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Kältemittel R1234yf: Der Daimler-Trick

| Redakteur: Steffen Dominsky

Der Daimler-Konzern scheint einen möglichen Zulassungsstop seiner A- und B-Klasse abgewendet zu haben. Doch Frankreich erkennt die deutsche Rolle rückwärts bei der Typgenehmigung nicht an.

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In Deutschland hat Daimler einen Zulassungsstopp seiner Fahrzeuge der A- und B-Klasse offenbar abgewendet. Frankreich weigert sich bislang, diese neue Regelung anzuerkennen.
In Deutschland hat Daimler einen Zulassungsstopp seiner Fahrzeuge der A- und B-Klasse offenbar abgewendet. Frankreich weigert sich bislang, diese neue Regelung anzuerkennen.
(Foto: Daimler)

Daimler verfährt in der Auseinandersetzung um das neue Kältemittel weiterhin nach dem Pippi-Langstrumpf-Prinzip: sich die Welt so zu machen, wie sie den Stuttgartern gefällt. Zuletzt geschehen mit dem nachträglichen Fortschreiben der alten Typgenehmigung für die neuen A-, B- und CLA-Modelle durch das KBA. Dieser Schritt, der aus dem Desaster um das Kältemittel R1234yf herausführen sollte, sorgt in Sachverständigen-Kreisen für Kopfschütteln.

Zulassungstechnisches Neuland

Das Fortschreiben bestehender Typgenehmigungen ist gängige Praxis. Schließlich ist eine „gebrauchte“ Zulassung günstiger als eine komplett neue. Gerade kleinere Fahrzeughersteller nehmen diesen Zulassungsspielraum gerne in Anspruch. „Dass allerdings für ein neu homologiertes Fahrzeug eine „alte“ Typgenehmigung im Nachhinein reaktiviert werden kann und wurde, ist mir in vielen Jahrzehnten Berufserfahrung noch nicht unterkommen“, erklärt ein erfahrener Prüf-Ingenieur und Kfz-Sachverständiger gegenüber dem Automobil-Industrie-Schwestermagazin »kfz-betrieb«. Hier betrat das KBA auch nach Ansicht anderer, mit der Materie vertrauter Experten, zulassungstechnisches Neuland.

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Hintergrund ist die Weigerung von Daimler, seine seit dem 1.1.2011 neu homologierten Modelle wie die A- und B-Klasse mit einem vorschriftsmäßigen Klimaanlagen-Kältemittel auszurüsten. Stattdessen enthalten diese R134a, das für sie seit dem 1.1.2013 eigentlich verboten ist. Die Konsequenz: Die Fahrzeuge verstoßen gegen geltendes EU-Recht – ein Entzug der Typgenehmigung schwebte seit Monaten als Damoklesschwert über dem Hersteller.

Neue „alte“ Modelle

Seit vorletztem Freitag (28. Juni) hat diese Zitterpartie für Daimler dank der Unterstützung des TÜV Süd und Zustimmung des KBA vorerst ein Ende. Der technische Dienst hat den Stuttgartern mithilfe eines Gutachten bescheinigt, dass bei den Modellen der aktuellen A-, B- und CLA-Klasse gemäß Vorschriften (Richtlinie 70/156/EWG bzw. 2007/46/EG) „wesentliche Bau- und Konstruktionsmerkmale von Fahrgestell und Bodengruppe“ dem der Vorgängermodelle entsprechen. Dank diesem Trick hat das KBA rückwirkend – und seit 12. Juni in Kraft – diese neuen Modelle nachträglich zu „alten“ machen können, indem es die einst erteilte neue Typgenehmigung zurückgezogen und stattdessen die der Vorgängermodelle fortgeschrieben hat.

Neue A-Klasse gleich alte A-Klasse?

Nun muss man nicht zwingend ein Ingenieursstudium absolviert haben, um bei der Beantwortung der Frage, welche „wesentlichen Konstruktionsmerkmale“ die aktuelle A-Klasse mit der Vorgängerversion gemein hat, zu der Antwort zu gelangen: „Gar keine.“ Doch nur wenn Merkmale der Bodengruppe „keine offensichtlichen und grundlegenden Unterschiede aufweisen“, erklärt das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) auf »kfz-betrieb«-Nachfrage, könne man darauf aufbauende Modelle zum selben Typ zählen und eine bestehende Typgenehmigung fortschreiben.

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