Entwicklung

Sedran über autonomes Fahren: „Sonderausstattung im Premium-Segment“

| Redakteur: Svenja Gelowicz

Thomas Sedran ist, Vorsitzender des Markenvorstandes Volkswagen Nutzfahrzeuge.
Thomas Sedran ist, Vorsitzender des Markenvorstandes Volkswagen Nutzfahrzeuge. (Bild: Volkswagen)

Die Töne rund um das automatisierte Fahren werden seit geraumer Zeit skeptischer, mancher OEM wendet sich von der Technik ab. Auch der Chef von VWs Nutzfahrzeugsparte, Thomas Sedran, fokussierte nun in einem Interview mit dem „Handelsblatt“ auf einen „neuen Realismus“, der vor allem in kommerziellen Anwendungen zum Vorschein kommen soll.

Am deutlichsten war wohl der französische Hersteller PSA, als er im März auf dem Genfer Salon die Abkehr vom automatisierten Fahren der Level 4 und 5 für Privatkunden verkündete. Zu teuer, befand der PSA-Entwicklungschef Gilles le Borgne. Eine Ausnahme sollen Robotaxis und Shuttles sein, also kommerzielle Anwendungen. Ähnliche Töne kommen nun von Thomas Sedran, Vorstandschef von Volkswagen Nutzfahrzeuge, in einem Interview mit dem „Handelsblatt“. „Alle sind sehr viel skeptischer und vor allem realistischer geworden. Das hat auch einen positiven Effekt, denn nun wird intensiv an realitätsnahen Konzepten gearbeitet“, so Sedran.

100.000 Euro für ein automatisiertes System bei Volkswagen

Die Entwicklung kommerzieller Anwendungen stünde auch für VW klar im Vordergrund, zu teuer sei es für private Kunden, schreibt die Zeitung. Man rechne erst nach 2030 mit „größeren Verkaufszahlen“, wenn die Technik günstiger sei. Sedran: „Im kommerziellen Betrieb sieht das alles anders aus, da können die Kosten über die Fahrten am Tag umgelegt werden. Autonome Systeme ermöglichen den Transport von Menschen oder Gütern auch ohne Fahrer.“ So ließen sich mehrere zehntausend Euro sparen pro Jahr. Denn die Fahrer sind der Knackpunkt in Sachen Kosten, nur ohne sie würden sich die hohen Entwicklungskosten für automatisiertes Fahren wirtschaftlich rechnen.

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05.03.19 - Einer der größten europäischen Hersteller wendet sich zu großen Teilen vom autonomen Fahren ab: Der PSA-Konzern will auf der Automatisierungsstufe 3 bleiben – Ausnahmen bilden Robotaxis und Shuttles. lesen

100.000 Euro koste ein solches System heute, und auch der Betrieb der Fahrzeuge sei teuer. Dem „Handelsblatt“ sagt Sedran: „Später wird es den Kunden deutlich weniger kosten. Dennoch würden wir das System auch im Jahr 2025 bestenfalls als Sonderausstattung im Premium-Segment verkaufen. Die vielen Milliarden, die wir für die Entwicklung investieren, kommen so aber nicht so schnell wieder herein.“ Er habe intern dafür die Werbetrommel gerührt, automatisierte Systeme an vorderster Stelle für Mobilitätsdienste und so eben für kommerzielle Zwecke zu entwickeln. Der 54 Jahre alte Manager schätzt gegenüber der Zeitung weiterhin, dass sich „auf Sicht“ damit große Umsätze erzielen ließen, sich die jedoch in den kommenden fünf Jahren nicht positiv auf das operative Ergebnis auswirken würden.

Volkswagen kämpft derzeit laut Berichten mit Entwicklungsproblemen, unter anderem bei der neuen Golf-Generation. Dem Volkswagenkonzern fehlen schlicht Software-Spezialisten, allein bei der Marke VW Pkw sollten mindestens 2.000 neue Arbeitsplätze rund um Software und Elektronikarchitektur entstehen „Wir haben bei der Entwicklung von Software- und Integrationskompetenz bei VWN noch großen Investitionsbedarf“, sagt auch Sedran über die eigene Sparte. Mit der Konzernverantwortung für autonomes Fahren soll sein Bereich die Grundlagen schaffen, die von anderen Sparten im Konzern übernommen werden könnten – VWN sei ein Räumfahrzeug für andere Marken.

Volkswagens Mobilitätsdienst Moia: Teurer Testballon?

Erst vor kurzer Zeit ist in Hamburg der feste Betrieb von Volkswagen Mobilitätstochter Moia gestartet. Fahrer bringen die Passagiere mithilfe von schlauen Algorithmen nach dem Ride-Hailing-Prinzip an ihr Ziel. Das dürfte den Konzern einiges kosten. Im Interview mit dem „Handelsblatt“ sagt Sedran über Moia: „Wir müssen auf jeden Fall Umsatz generieren, auch heute schon. Ich kann nicht jedes Jahr im Konzernvorstand vorsprechen und wieder viel Geld verlangen.“ Doch durch den Betrieb lerne man viel über diese Services, laut Sedran könnte niemand einen perfekten Mobilitätsdienst anbieten, der sich einer „solchen Detailarbeit nicht unterzieht“.

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