Elektromobilität

Serienreife Wasserstoff-Tankstelle eröffnet

| Autor: Sven Prawitz

In Wuppertal wurde kürzlich die erste Wasserstofftankstelle mit Serientechnik eröffnet, bis zu 100 weitere Tankstellen sollen folgen.
In Wuppertal wurde kürzlich die erste Wasserstofftankstelle mit Serientechnik eröffnet, bis zu 100 weitere Tankstellen sollen folgen. (Bild: Shell/Eric Shambroom)

In Wuppertal wurde kürzlich die erste Wasserstofftankstelle mit Serientechnik eröffnet. Das Betreiberkonsortium H2-Mobility plant zunächst bis zu 100 Tankstellen zu errichten, um so die Brennstoffzellentechnik attraktiver zu machen.

Die Wasserstofftankstelle findet man bei Shell, direkt an der Autobahn A1 Abfahrt Wuppertal-Oberbarmen gelegen. Somit wird nicht nur die Versorgung in der Metropolregion Rhein-Ruhr verbessert, man möchte mit dieser Station auch Fernreisende bedienen. In diesem Fall muss der Fahrer jedoch sehr vorausschauend fahren, liegen die nächsten H2-Tankstellen in Hamburg und Geiselwind doch weit über 300 Kilometer entfernt. Die nächste Wasserstofftankstelle soll im Herbst in Münster in Betrieb gehen. Damit wäre zumindest die Reise in die Hansestadt entspannt zu bewältigen.

Erstmals Standardtechnik im Einsatz

Das besondere an dieser H2-Zapfstation ist die eingesetzte Technik: Nach Auskunft von Shell dienen die bis 2016 gebauten Wasserstofftankstellen – unter Federführung der Clean Energy Partnership (CEP) – vor allem der Forschung und Entwicklung von technisch geeigneten Lösungen. Dabei geht es zum Beispiel darum, Wasserstoff zu lagern oder die Betankungstechnik zu standardisieren. Die Erkenntnisse aus den bisherigen Tankstellen sind nun in die neu verbaute Technik eingeflossen. Die Wuppertaler Wasserstofftankstelle ist somit die erste mit serienreifer Technik.

Wem die älteren Tankstellen bekannt sind wird feststellen können, dass die oberirdisch gelagerten Wasserstoffspeicher und das daneben stehende Verdichterhaus deutlich weniger Platz einnehmen als bisher. Die technischen Lösungen, die für die Shell Tankstelle in Wuppertal gefunden wurden, kommen nunmehr auch für die weiteren Wasserstoff-Tankstellen in Deutschland zum Einsatz. Das Gemeinschaftsunternehmen H2-Mobility, das Airliquide, Daimler, Linde, OMV, Shell und Total tragen, will zunächst weitere 100 Tankstationen mit dieser Technik errichten. Im Fokus stehen hierbei die Regionen Rhein-Ruhr, Frankfurt, Stuttgart, München, Hamburg und Berlin. Der Ausbau soll bis 2019 abgeschlossen sein und ist unabhängig von Zulassungszahlen der Brennstoffzellenautos. In der zweiten Projektphase möchte man bis 2023 bis zu 400 solcher Tankstellen installiert haben. Dies aber nur bei entsprechendem Erfolg der Wasserstofftechnologie.

Henne oder Ei?

Mit diesem Schritt wollen die beteiligten Unternehmen das Henne-Ei-Problem lösen und eine adäquate Infrastruktur errichten, um so den Verkauf der Fahrzeuge anzukurbeln. Ein weiterer wichtiger Punkt für die Akzeptanz ist jedoch auch ein stabiler und zuverlässiger Betrieb der Tankstellen. Die Live-Karte des CEP zeigt immer wieder Tankstellen mit Störungen. Manchmal sind die Zapfsäulen dann mehrere Tage außer Betrieb. Dabei handelt es sich zwar noch um Stationen mit „alter" Technik, doch auch bei der Standardtankstelle gibt es sicherlich ebenso noch Verbesserungspotenzial. Bei einem Besuch der neuen Wuppertaler Wasserstofftankstelle, fünf Wochen nach deren Eröffnung, zeigte das Display leider eine Fehlermeldung: Die Station war außer Betrieb. Das Kilogramm Wasserstoff soll 9,50 Euro kosten. Die aktuell in den Fahrzeugen verbauten Tanks nehmen rund fünf bis sechs Kilogramm auf. Eine Tankfüllung kostet somit ungefähr 50 Euro und reicht je nach Fahrzeug für 350 bis 450 Kilometer – zum Beispiel beim Hyundai ix35 Fuel Cell.

Umweltbilanz

Ein oft vorgebrachter Einwand ist die bescheidene Umweltbilanz, wenn Wasserstoff zum Beispiel durch Dampfreformierung aus Erdgas hergestellt wird. Laut CEP sollen aktuell mindestens 50 Prozent des vertriebenen Wasserstoffs aus regenerativer Erzeugung stammen. Dabei handelt es sich um Wasserelektrolyse mit Energie aus regenerativen Quellen und die Gewinnung von Wasserstoff aus Biomasse. Horst Becker, Parlamentarischer Staatssekretär im Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW betont: „Unser Ziel ist es, bis zum Jahr 2030 emissionsfrei mobil zu sein.“ Hierfür muss der dann verwendete Wasserstoff zu 100 Prozent klimaneutral gewonnen sein.

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