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Elektromobilität

Start-up Dynamic E Flow: Hohle Drähte, kühle Motoren

| Autor: Svenja Gelowicz

In Deutschland gibt es kaum welche: Start-ups, die E-Maschinen entwickeln. Dynamic E Flow aus Kaufbeuren ist eines von ihnen. Das Unternehmen nutzt hohle Kupferdrähte, um E-Maschinen in ihrem Innersten kühl zu halten.

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In ein paar Jahren will Dynamic E Flow ein Zulieferer für Komponenten werden: zum Beispiel Rohrleiter, Anschlusstechnik oder sogar einer ganzen E-Maschine.
In ein paar Jahren will Dynamic E Flow ein Zulieferer für Komponenten werden: zum Beispiel Rohrleiter, Anschlusstechnik oder sogar einer ganzen E-Maschine.
(Bild: Daniel Schweinert)

Wenn Michael Naderer geschäftlich unterwegs ist, hat er meist einen Aluminiumkoffer dabei. Darin befindet sich ein kleiner Demonstrator: zwei Drähte unter Strom, einer verglüht, ein anderer ist kalt. Das ist kein Zufall. Naderer hat 2014 das Start-up Dynamic E Flow mitgegründet und ist CEO des Unternehmens. „Wir nutzen einen einfach wickelbaren, hohlen Kupferdraht, durch den Kühlmittel fließt“, sagt Naderer. Die Technik heißt „Capcooltech“. Was so simpel klingt, entspringt einer zweijährigen Grundlagenentwicklung. Die Idee dafür kam ihm und seinem Mitgründer Nikolaus Schweinert bei einer Autofahrt. Der Motor des E-Autos lief heiß, ein Sensor schlug Alarm, die Maschine regelte ab.

Konventionelle Kühlverfahren setzen auf einen Luftstrom von außen oder eine Wassermantelkühlung an der äußeren Oberfläche des E-Motors. „Das Problem dabei ist, dass man dabei zu weit weg von der Wicklung ist, also vom eigentlichen Hotspot“, sagt Naderer. Deshalb entwickelte er mit seinem Team hohle Wicklungen, damit das Kühlmittel direkt in den Hitzeherd gelangt.

Die Leistung steigern

Die optimierte E-Maschine besteht aus Motor, Umrichter, Pumpe und Wärmetauscher. „Wir können dadurch dauerhaft das doppelte Drehmoment aus dem Motor herausholen“, sagt der Chef des jungen Unternehmens, denn die Dauerleistungsdichte gleiche sich an die Spitzenleistungsdichte an.

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Und auch Geld spare man: Sein Beispiel ist ein 150 Kilogramm schwerer Motor für ein Nutzfahrzeug. Dieser würde mit der Kühltechnik etwa 40 Kilogramm weniger wiegen und so weniger teure Rohstoffe wie Eisen und Kupfer benötigen, die Kosten pro Kilowatt sänken. Die Technik dafür, vor allem die selbst entwickelten Leiter und Anschlüsse, testete das Start-up erst auf kleinen Motoren und schließlich auf einer umgewickelten 100-kW-Maschine. Die Prüfstände dafür hatte Dynamic E Flow selbst gebaut, für die Leitertechnik ein eigenes Messlabor hochgezogen. „Als das Ende 2016 klappte, hatten wir unseren Proof of Concept“, erzählt Naderer, die validierte Technik konnten sie nun an potenzielle Kunden herantragen. Die kommen aus der Industrie und der Automobilbranche.

Dynamic E Flow arbeitet mit verschiedenen deutschen Autoherstellern zusammen. „Wir schauen uns gemeinsam mit den Vorentwicklungsabteilungen die aktuellen E-Maschinenkonzepte an und bringen die Vorteile unserer Technik hinein“, sagt Naderer. Dafür rüsten sie auch Motoren um. Gibt es Chancen für die Serie? Ja, sagt Naderer, zuallererst für leichte bis schwere Nutzfahrzeuge. Denn bei denen könnte man am meisten Geld sparen, weil sie große Dauerleistungsdichten haben. Und außerdem erhöhe man durch die Temperaturkontrolle die Lebensdauer der Wicklung. Als zweites könnte die Technik bei Hybridantrieben Fuß fassen, und langfristig hoffen die Gründer auf den Einzug ihrer E-Maschinen in die Serienfahrzeuge der OEMs.

Zulieferer für E-Maschinen

Denn in ein paar Jahren will das junge Unternehmen ein Zulieferer für Komponenten wie Rohrleiter und Anschlusstechnik oder eben sogar einer ganzen E-Maschine sein. Die Serienfertigung übernehmen dann Partner, sagt Naderer, es gebe eine „qualifizierte Nachfrage von OEMs“. Auch habe man Spezialwissen, zum Beispiel zum „Verheiraten“ von Leistungselektronik mit E-Motoren, das man lizenzieren könne. Gerade prüft das Start-up noch das Gesamtgeschäftsmodell. Sorgen in Sachen Ramp-up machen sich die Schwaben kaum. „Unser Produkt ist einzigartig“, sagt Naderer selbstbewusst, in Deutschland gebe es kaum E-Maschinen-Start-ups.

Revolte im Team

Für ihre Vorhaben muss sich das Start-up vergrößern. Der Standort in Kaufbeuren platze bereits aus allen Nähten, ein Büro in München soll mehr Nähe zu den Kunden und Abhilfe für das Platzproblem schaffen. Und nicht zuletzt wimmelt es dort auch von potenziellen neuen Mitarbeitern: Die sucht das Start-up nämlich dringend. „Unser Engineering-Team ist super“, sagt Naderer, Schwierigkeiten gab es zu Beginn. Da waren sie gerade zu sechst, als zwei Mitarbeiter den Aufruhr wagten. Sich von den beiden – also von damals einem Drittel des Teams – zu trennen, sei die härteste Entscheidung gewesen, die es zu treffen galt.

Schnelles Wachstum kann ein junges Unternehmen überrollen. Damit das nicht passiert, hat Dynamic E Flow bereits Prozesse optimiert und zwei Hierarchieebenen eingeführt. Eher konservativ ist Naderer auch, wenn’s ums Geld geht: In seinem Unternehmen stecken zwar private Investoren, allerdings hat er kein Risikokapital aufgenommen.

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