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Digitalisierung

Start-up Scoutbee: Transparenz für die Lieferkette

| Autor/ Redakteur: Christian Otto / Maximiliane Reichhardt

Für die Suche nach den richtigen Lieferanten braucht es eine ausgezeichnete Datenbasis. Einen neuen Schlüssel, um diese passgenau aufzubereiten und damit den Wettbewerb transparenter abzubilden, bietet die Würzburger Firma Scoutbee mit einer eigenen Plattform samt KI-Engine.

Gregor Stühler hatte die Idee zur Plattform Scoutbee.
Gregor Stühler hatte die Idee zur Plattform Scoutbee.
( Bild: Scoutbee )

Vier Millionen US-Dollar Wagniskapital: Diese Summe konnte das Würzburger Unternehmen Scoutbee Ende vergangenen Jahres im Rahmen einer Finanzierungsrunde einsammeln. Doch was bewegte die Initiatoren der sogenannten Seed-Finanzierung HV Holtzbrinck Ventures und 42CAP dazu, dem jungen Unternehmen eine solche Summe zur Verfügung zu stellen? Entscheidend war die Geschäftsidee der Franken: Scoutbee zielt mit seinem Angebot auf Einkaufsmanager in den Industrien Maschinenbau und Automotive. Dafür offeriert es eine digitale Lieferantenplattform, die die Vernetzung von Zulieferern transparent macht und so die Suche nach passenden Dienstleistern erleichtern soll. Soweit ist das noch nichts Neues, denn Oberflächen wie Techpilot funktionieren ähnlich.

Scoutbee: Digital abwickeln

Die Scoutbee-Plattform bietet Unternehmen allerdings eine globale Suchmaschine, durch die diese passende Lieferanten identifizieren und ihr Ausschreibungsverfahren digital abwickeln können. Die entscheidende Essenz ist eine eigens entwickelte künstliche Intelligenz namens Artimis. Sie soll laut den Verantwortlichen alle Phasen des Vorgangs unterstützen. Dafür sammelt und aggregiert sie Datensätze, erstellt auf dieser Basis Lieferantenprofile und klassifiziert diese anhand ausgewählter Parameter für den Nutzer. Scoutbee möchte den strategischen Einkauf auf eine höhere Digitalisierungsstufe heben und nimmt sich dabei der zentralen Herausforderungen dieses Marktes an: intransparente Lieferketten, hoher Aufwand für die Recherche und Identifizierung passender Dienstleister sowie fragmentierte Kommunikation zwischen Zulieferern und Unternehmen. Hierzu hat das Unternehmen nach eigenen Angaben inzwischen vier Milliarden Datensätze aggregiert und über neun Millionen Profile für die Suche geschaffen.

Gründer Gregor Stühler: Abläufe drastisch verkürzen

Ausgangspunkt der Geschäftsidee waren eigene Erfahrungen: Als Ingenieur erkannte der Scoutbee-Gründer Gregor Stühler schon vor sechs Jahren ein Defizit bei den Online-Beschaffungsportalen. Er machte aus der Not eine Tugend und schrieb eigene Programme, um dieses Problem zu umgehen. Darauf baute er ein eigenes Portal auf. Die Firma gründete Stühler dann 2015 und traf in dieser Phase auf den Co-Gründer Christian Heinrich. Die beiden Macher betonen, dass der Großteil ihrer Arbeit darin besteht, Daten zu aggregieren und zu säubern. Transparenz steht dabei im Mittelpunkt.

In der konkreten Anwendung kann das Unternehmen beispielsweise für die Kunden die Lieferketten ihrer Wettbewerber abbilden. Mit Blick auf die zur Verfügung stehenden 2,1 Milliarden Datenpunkte erfasst Scoutbee damit weltweite Lieferströme und leitet ab, welche Lieferanten prädestinierte Partner für ein Bauteil oder eine Komponente sind. Anders als andere Portale ist das Techunternehmen nicht direkt in den Kauf involviert. Vielmehr hilft es bei der strategischen Lieferantenauswahl und begleitet den Kunden bei konkreten Ausschreibungen. Das dauert im klassischen Business bis zu sechs Monate. Die Firma verspricht, diesen Ablauf drastisch zu verkürzen.

Mit künstlicher Intelligenz prüft Scoutbee Lieferanten

Die eingesetzte KI-Engine soll den Kunden beim Entscheiden, Sichern und Kollaborieren helfen. Scoutbee übernimmt eine prüfende Funktion und checkt die Stabilität der Lieferketten. Erst wenn das Unternehmen von einer hohen Passgenauigkeit überzeugt ist, bringt es die Kandidaten auf die Kollaborationsplattform, wo die suchenden Einkäufer mit diesen kommunizieren können. Das Angebot traf auch schon auf größere Resonanz: So arbeitet beispielsweise der Einkauf von Audi mit Scoutbee zusammen.

Der OEM ist an einer steten Verbesserung seiner Einkaufsperformance interessiert und sieht in dem Tool eine sehr gute Ergänzung, wie Kathrin Schwinghammer, Projektleiterin digitales Lieferantenscouting bei Audi bestätigt: „In nur wenigen Wochen machte Scoutbee mehrere Lieferanten ausfindig, die unseren Ansprüchen entsprachen. Der Prozess verlief schnell, effizient und zuverlässig. Neben Kosteneinsparungen sorgte Scoutbee's KI vor allem auch für eine transparentere Einsicht in unsere Supply Chain.“ Auch eine Etage tiefer in der Wertschöpfungskette steigt die Bereitschaft, KI als Basis für die eigene Verbesserung der Lieferantensuche einzusetzen. So haben mittelständische Zulieferer ein Auge auf die Plattform geworfen und binden sie bereits in ihren Vergabeprozess ein.

Scoutbee will auch in andere Märkte

Derzeit ist Scoutbee vor allem am deutschen Markt sehr stark. Doch das eingesammelte Wagniskapital fließt nicht nur in die technologische Weiterentwicklung des Produkts, sondern auch in den Standort in den USA. Dort sind die Plattformbetreiber in Washington vertreten. Auch nach China streckt man seine Fühler aus. Schließlich bietet der Markt dort viele neue Player unter den Lieferanten, die aufgrund des hohen Drucks auf internationale OEMs, vor Ort zu lokalisieren, geprüft werden müssen.

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