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Coronakrise Studie: Umsatzverluste vor allem in Europa und Nordamerika

| Redakteur: Sven Prawitz

Analysten sehen wegen der Coronavirus-Pandemie einen Einbruch des Pkw-Marktes. Eine Studie fordert staatliche Hilfen – außerdem müssten Unternehmen ihre Strukturen anpassen und ihr Portfolio ausdünnen.

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Aufgrund der Coronavirus-Pandemie bleiben vor allem in Europa und Nordamerika dieses Jahr Produktionskapazitäten ungenutzt.
Aufgrund der Coronavirus-Pandemie bleiben vor allem in Europa und Nordamerika dieses Jahr Produktionskapazitäten ungenutzt.
(Bild: Hyundai)

Die Automobilindustrie steckt durch die Coronavirus-Pandemie in einer Produktions- und Absatzkrise. Während sich die Branchenvertreter selbst mit Zahlen noch zurückhalten geben Unternehmensberater und Analysten ihre Einschätzungen ab: Alix Partners sieht momentan zwei Szenarien – im schlimmeren Fall droht ein globaler Absatzrückgang von bis zu 27 Prozent. IHS Markit rechnete vor gut einer Woche (26. März) noch mit einem Minus von zwölf Prozent.

Laut Bain & Company geht der weltweite Pkw-Markt des Jahres 2020 um 29 Prozent zurück, wenn keine staatlichen Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Überdurchschnittlich stark betroffen seien Europa und Nordamerika, während China den Höhepunkt der Krise zunächst hinter sich habe. Der Automobilmarkt werde könnte laut Bain nach zwei Quartalen wieder zurückkehren, „wäre jedoch von einer anhaltend hohen Unsicherheit geprägt“. In diesem Szenario könne die Autoindustrie 2020 – ohne staatliche Gegenmaßnahmen – im Schnitt um bis zu 90 Prozent an Profitabilität einbüßen. Nicht berücksichtigt seien zu erwartende höhere Rabatte nach der Lockdown-Phase.

Kaufanreize schaffen und Komplexität reduzieren

Auch die Unternehmen der Automobilbranche müssten jetzt die nötigen Entscheidungen treffen, um möglichst gestärkt aus dieser Krise zu kommen. OEMs müssten laut Bain Kaufanreize schaffen und ihr Händlernetz stabilisieren – dabei auch den Onlinevertrieb ausbauen. Weiter sollten Unternehmen der Autoindustrie die Komplexität in ihren Produktportfolios deutlich reduzieren. Auch gezielte Übernahmen könnten laut den Analysten zu einer stärkeren Position im Markt führen.

Die Regierungen sollten insbesondere die Zulieferer und Händler umfassend unterstützen.

„Die Automobilbranche steckt in ihrer wahrscheinlich schwersten Krise überhaupt“, sagt Klaus Stricker, Bain-Partner und Co-Leiter der globalen Praxisgruppe Automotive und Mobilität. „Die Regierungen sollten diese Schlüsselindustrie in Deutschland und Europa umfassend unterstützen, um die Liquidität der Unternehmen zu sichern – insbesondere im Zuliefer- und Händlerbereich.“ Darüber hinaus braucht es staatliches Eingreifen, um den Markt kurzfristig zu stimulieren und mittelfristig erforderliche Strukturinvestitionen wie den Ausbau der Ladeinfrastruktur zu fördern.

Absatzprognose nach Region

Diesen Absatzverlauf erwartet Bain für Pkws und leichte Nutzfahrzeuge in 2020.
Diesen Absatzverlauf erwartet Bain für Pkws und leichte Nutzfahrzeuge in 2020.
(Bild: Bain & Company)

Der Pkw-Absatz in China nimmt seit März langsam wieder zu und werde im Gesamtjahr 2020 auf etwa 19 Millionen Stück kommen. Angesichts der vor der Krise prognostizierten 26 Millionen wäre dies, laut Bain, ein Rückgang um rund ein Viertel. In Europa rechnet das Beratungsunternehmen mit elf Millionen verkauften Pkws für 2020 – ein Minus von 30 Prozent. Für Nordamerika wird ein Aufwärtstrend erst für den Frühsommer erwartet: Bain rechnet mit einem Absatz von 13 Millionen Fahrzeugen, was bei ursprünglich für 2020 prognostizierten rund 20 Millionen einem Rückgang von fast einem Drittel entspräche.

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