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Fahrbericht

Toyota Corolla Hybrid: Zurück zum alten Namen

| Autor/ Redakteur: Peter Eck/SP-X / Jens Scheiner

Hybride, sind das nicht die öko-korrekten Spaßbremsen? Ja, solche gibt es durchaus. Aber eben auch einen Toyota Corolla 2.0 Hybrid.

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Toyota kann Hybrid, das ist ja keine neue Erkenntnis, aber sie können ihn jetzt auch ziemlich dynamisch machen.
Toyota kann Hybrid, das ist ja keine neue Erkenntnis, aber sie können ihn jetzt auch ziemlich dynamisch machen.
( Bild: Toyota )

Das mit der Namensgebung ist in der Automobilindustrie ja so eine Sache und eine nähere Betrachtung derselben würde nicht nur den Raum für diesen Test, sondern gleich ein ganzes Buch füllen. Warum also zum Beispiel Toyota im Jahr 2007 ein Modell namens Auris auf den Markt brachte und mit diesem den Corolla ablöste, bleibt wohl ewiges Geheimnis der damals Verantwortlichen – die sich wahrscheinlich längst einer guten Firmen-Pension erfreuen. Immerhin war der Corolla schon damals eine Ikone, je nach Rechenweise das oder eines der meistverkauften Autos der Welt. Stellen wir uns nur mal kurz vor, Volkswagen würde auf die Idee kommen, den Golf der nächsten Generation – sagen wir – Cricket zu nennen. Okay, blöde.

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Auris heißt nun wieder Corolla

Außerdem ist der Corolla ja wieder da, ganz so toll scheint die Idee mit dem Auris also doch nicht gewesen zu sein und Marketing-Abteilungen sind ja per se etwas arg modisch. Seit einigen Monaten gibt es den Kompakten also wieder unter dem alten Namen zu kaufen, auch bei uns in Deutschland. Zwar bieten die Japaner bei den Motorisierungen einen Benziner an (1,2-Liter-Vierzylinder, 85 kW/114 PS), aber das ist ein ganz normaler Vertreter dieser Gattung. Wer an Toyota denkt, dem kommt fast automatisch auch der Begriff „Hybrid“ in den Sinn. Und tatsächlich sind gleich zwei Varianten der Benziner-/Elektrokombination im Angebot. Eine etwas schwächere Version mit einem 1,8-Liter-Benziner und einer Systemleistung von 90 kW/122 PS und – aufgepasst – eine etwas stärkerer mit einem kräftigen 2,0-Liter-Otto, der es mit der elektrischen Unterstützung auf insgesamt 132 kW/180 PS bringt. Raten Sie mal, welche Variante wir gewählt haben.

Richtig, ein wenig Spaß darf Autofahren ja wohl noch machen. In diesem Fall sogar mit einem ganz kleinen grünen Gewissen. Denn Hybrid, das wissen wir ja seit Renate Künast („Leute, kauft Hybrid-Autos von Toyota“), wird ja quasi von den obersten Tugendwächtern richtiger Lebensweise gerade noch so akzeptiert.

Sparsam und einen Tick sportlich

Und Spaß, das ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis unserer 14 Tage mit diesem Corolla, macht das stärkere Hybrid-System tatsächlich. Zumindest mehr, als bislang jeder andere Hybrid der Marke. Vor allem beim Anfahren und Beschleunigen ist der elektrische Zusatzschub deutlicher zu spüren. Was den kuriosen Effekt hatte, dass wir nach einem Umstieg auf den Privatwagen (Benziner, 210 PS) in solchen Situationen immer das Gefühl hatten, in einer lahmen Ente zu sitzen.

Toyota kann Hybrid, das ist ja keine neue Erkenntnis, aber sie können ihn jetzt auch ziemlich dynamisch machen. Natürlich gibt es bei starkem Beschleunigen immer noch ein Aufheulen des Motors, aber der Effekt fällt heute deutlich geringer aus. Und natürlich ist es mit der Herrlichkeit auf der Autobahn schnell vorbei, weil nicht nur bei 180 km/h Schluss ist, sondern auch die letzten km/h bis dahin eher zäh und laut ablaufen. Aber anders als früher ist der Corolla als 2.0 Hybrid nicht nur was für die Stadt oder gemächlichen Verkehr, sondern er macht auch auf der Landstraße Spaß, was nicht zuletzt am komfortablen, aber auch nicht zu weichen Fahrwerk liegt. Hier hat Toyota, bislang keine Selbstverständlichkeit bei dieser Marke, eine richtig gute Abstimmung gefunden. Rein elektrisches Fahren geht mit dem Hybriden allerdings kaum. Theoretisch schafft der Corolla zwei Kilometer, aber dafür muss die kleine Batterie voll sein und der Fuß sehr sensibel übers Gaspedal streicheln. Und über 30 km/h ist sowieso Schluss. Im Mix kamen wir im Test übrigens mit 5,4 Litern Benzin aus, was über den 3,7 Litern der Norm liegt, aber insgesamt in Ordnung geht, zumal wir ja auch die möglichen Fahrleistungen ausprobieren wollten.

Wenig Platz in der Kompaktklasse

Weg vom Antrieb und hin zu den Alltagseigenschaften: Der Corolla gehört nicht zu den geräumigsten Vertretern der Kompaktklasse. Vorne ist es noch okay, wenn auch die Sitze einmal mehr zu schmal ausfallen. Im Fond geht es eher gemütlich zu und der Kofferraum büßt für den doppelten Antrieb mit einem bescheidenen Volumen von 313 Litern. Die Verarbeitung ist top und auch die überwiegend weichen Materialien überzeugen.

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Infotainmentsystem mit einigen Schwächen

Damit kann man also durchaus leben. Mehr ins Gewicht fällt das angeblich neu entwickelte, aber wenig überzeugende Infotainmentsystem mit umständlicher Bedienung und für die heutige Zeit durchschnittlich großem Acht-Zoll-Touchscreen. Richtig ärgerlich ist das ignorante Navi, das sich scheinbar einen Spaß daraus machte, uns nicht an Staus vorbei sondern möglichst in sie rein zu führen. Das muss unbedingt besser werden. Bis dahin empfehlen wir das Smartphone.

Der Corolla ist als 2.0 Hybrid ordentlich ausgestattet. Das liegt auch daran, dass diese Version erst ab der zweiten Ausstattungsstufe (Comfort) erhältlich ist. Das macht dann mindestens 27.290 Euro, inklusive Klimaautomatik, Rückfahrkamera, Sitzheizung, LED-Licht, adaptivem Tempomat, Spurhalteassistent, Notbremsung und einigem mehr. Ein stolzer Preis trotzdem, zumal sich Dinge wie Navi oder Parksensoren noch dazu addieren.

Toyota Corolla Hybrid: agil, sparsam und schlechtes Navi

Trotzdem ist der Gesamteindruck überwiegend positiv. Auf der Plusseite stehen das sehr gelungene Fahrwerk, das routiniert arbeitende Hybridsystem, geringer Alltagsverbrauch, der sportlichere Grundcharakter und die hohe Verarbeitungsqualität. Dagegen steht die relativ eng geschnittene Kabine, ein kleiner Kofferraum und das ärgerliche Infotainment-/Navi-System.

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