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Branchenstimmung VDA: „Die Autoindustrie muss zusammenhalten“

| Autor: Christian Otto

Für die neue VDA-Chefin Hildegard Müller war der Neujahrsempfang des VDA in Berlin der erste Auftritt vor den Branchenmanagern. Gemeinsam mit VDA-Vize und Daimler-Chef Ola Källenius warb sie für klimafreundliche Technologien und Zusammenhalt in der Industrie.

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Für Hildegard Müller gehe es beim Klimaschutz nicht um das Ob, sondern um das Wie.
Für Hildegard Müller gehe es beim Klimaschutz nicht um das Ob, sondern um das Wie.
(Bild: Peter Himsel/VDA)

Berlin. Classic Remise. Viele Männer im mittleren Alter mit hochwertigen Anzügen: Es ist der alljährliche Neujahrsempfang des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Allerdings trafen die vornehmlich männlichen Manager von Herstellern und Zulieferern dieses Jahr seit langem mal wieder auf eine Gastgeberin. Die designierte VDA-Präsidentin Hildegard Müller, zweite Frau in diesem Amt nach Erika Emmerich, sprach aber nicht die ersten Worte.

Dafür leitete der inzwischen geübte Daimler-Chef und VDA-Vizepräsident Ola Källenius mit warmen Worten ins neue Verbandsjahr ein. Källenius war besonders durch die Eindrücke der CES und weniger der Entwicklung seines eigenen Unternehmens positiv gestimmt. Doch die Messe in Las Vegas hat den Schweden darin bestärkt, „dass das Auto der Technologieträger schlechthin ist“ und bleibt. Das sei eine gute Nachricht und die brauche es derzeit auch. Vor allem auch politische Herausforderungen wie der Brexit drücken die Stimmung für eine Branche, die auch in der Gesellschaft „für Offenheit werben“ soll. Dafür brauche es eine Oberfläche, die er weiterhin der IAA zukommen lässt.

Frankfurt verliert die IAA

Für 2021 eröffnete der VDA-Vize dann auch, dass im Wettstreit um den Austragungsort nur noch drei Bewerber übrig seien. Berlin, Hamburg oder München – eine dieser Städte werde am Ende das Rennen machen. Damit wird es keinen Neuanfang auf altem Boden – also in Frankfurt – geben. Källenius betonte zudem nochmals, dass die Zukunft des Autos CO2-neutral sein werde. Den größten Applaus erhielt er dabei aber für sein Plädoyer für langfristige und vor allem verbindliche Flottengrenzwerte. Denn die sich transformierende Automobilindustrie brauche „Planungssicherheit“. Die forderte er vor allem von der europäischen Politik.

Die künftige VDA-Chefin griff in ihrer Antrittsrede drei wesentliche Punkte auf, die ihre Arbeit bestimmen sollen. Zum einen brauche Deutschland eine starke Autoindustrie. Dafür schwor sie die Anwesenden zur Geschlossenheit auf. Man solle sich nicht in OEM und Zulieferer, Elektromobilität und Nicht-Elektromobilität auseinanderdividieren lassen. Der zweite wesentliche Punkt sei der Anspruch, innovativ zu bleiben.

Dafür müsse aber die Politik Freiräume durch günstigere Energiepreise und eine Steuerreform schaffen. Ein Punkt, den die Branchenvertreter ebenfalls mit Beifall aufnahmen. Zuletzt betonte Müller, dass der VDA Debatten prägen wolle und der Klimaschutz gesetzt sei. Es ginge nicht mehr um das Ob, sondern um das Wie.

Gelungener erster Auftritt der Chefin

Die ersten Reaktionen auf ihren Auftritt waren unisono positiv. Vielleicht gelingt es der erprobten Ex-Politikerin den zuletzt von außen aber auch von den Mitgliedern kritisierten Verband neu auszurichten. Ihrem Vorgänger Bernhard Mattes war das nicht gelungen.

Ehrengast Peter Altmaier, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, betonte in seiner Rede, dass „eine gemeinsame Kraftanstrengung von Wirtschaft, Gewerkschaften, Wissenschaft und Politik“ nötig sei, um Autoland Nummer eins zu bleiben. Er und der abschließende Redner Andreas Scheuer, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, betonten nochmals die notwendige Technologieoffenheit. Altmaier griff ebenfalls das Thema Klimapolitik auf und verwies darauf, dass sich diese und eine erfolgreiche Automobilindustrie nicht ausschließen: „Es geht nicht um Umwelt oder Wohlstand sondern um Umwelt und Wohlstand.“

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Über den Autor

 Christian Otto

Christian Otto

stellvertretender Chefredakteur, AUTOMOBIL INDUSTRIE