Beschäftigtenzahl Volkswagen versus Toyota: Weniger Leute – mehr Autos?

Ein Gastbeitrag von Heiko Lossie 2 min Lesedauer

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Toyota baut mehr Autos als Volkswagen – mit weniger Beschäftigten: Die Aussage hält sich als Begründung, wieso der deutsche Konzern in der Krise steckt; und sie stimmt so nicht.

Heiko Lossie ist Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Gesamt- und Konzernbetriebsrat der Volkswagen AG.(Bild:  Kevin Nobs)
Heiko Lossie ist Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Gesamt- und Konzernbetriebsrat der Volkswagen AG.
(Bild: Kevin Nobs)

Folgende Milchmädchenrechnung hält sich hartnäckig: Der Toyota-Konzern baut mit viel weniger Beschäftigten mehr Autos als der VW-Konzern. Und das müsse der ultimative Beweis dafür sein, dass die Japaner aus ihrer Belegschaft mehr herausholen. Oft schwingt auch der Unterton mit: Bei Volkswagen sind alle entweder fauler oder schlechter – oder gleich beides zusammen. Doch alle, die diese Autos-pro-Kopf-Rechnung bemühen, zeigen damit eigentlich nur, dass sie keine Ahnung haben. Hier kommt das faire Gesamtbild.

Zuerst die bloßen Zahlen: Der Toyota-Konzern zählte jüngst tatsächlich nur 391.000 Beschäftigte und setzte eine Jahresproduktion von 11,3 Millionen Fahrzeugen ab, inklusive Lexus, Daihatsu und Hino. Der VW-Konzern kam – die Nutzfahrzeuge mitgezählt – beim Absatz zuletzt auf 9,02 Millionen und die weltweite Belegschaft umfasste laut dem jüngsten zeitlich zu Toyota vergleichbaren Wert 657.000 Beschäftigte.

Nimmt man Toyota als rechnerische Ausgangsbasis, liegt der Absatz des VW-Konzerns damit 20 Prozent unter dem der Japaner, die eigene Belegschaft ist aber 68 Prozent größer. Ein auf den ersten Blick also irre abweichendes Größenverhältnis.

Belegschaft ist nicht gleich Belegschaft

Jetzt kommt das Aber: Die Größe der Belegschaft ist nicht vergleichbar. Dafür muss man ein wenig ausholen. Der Ausweis der 657.000 Köpfe des VW-Konzerns und der 391.000 Köpfe bei Toyota unterliegt internationalen Bilanzvorschriften. Demnach sind einem Unternehmen – ein bisschen vereinfacht erklärt – alle Beschäftigten aus denjenigen Firmen zuzurechnen, die mehrheitlich zum Konzern gehören. Eine Tochterfirma, die man nicht mehrheitlich besitzt, zählt mit ihren Beschäftigten also auch nicht zur Gesamtbelegschaftsgröße – auch nicht anteilig. 

So weist auch der VW-Konzern in seinen Bilanzen stets darauf hin, dass seine Belegschaft ohne die Beschäftigten der chinesischen Gemeinschaftsunternehmen nur rund 600.000 Beschäftigte umfasst – statt der eingangs genannten 657.000, die inklusive China sind. Zudem muss man beim Vergleich aufpassen, was jeweils hausintern läuft und was von außen zugekauft wird. 

Es geht also um Wertschöpfungstiefen: Wie hoch ist der Anteil der Eigen- gegenüber der Fremdfertigung? Denn fertige Autos bilden zwar am Ende bei beiden den Absatz, der Weg dorthin ist aber mitunter sehr verschieden. Ein Beispiel: VW hat eine hauseigene Teilefertigung namens Komponente, die zu 100 Prozent zum Konzern gehört, also auch Teil der Gesamtbelegschaftsgröße ist. Toyota dagegen hat seit Jahrzehnten ein anderes System.

Die Erklärung: „Keiretsu“

Das ist in Japan als „Keiretsu“ bekannt, was so viel wie wirtschaftliche Verbundgruppen heißt. In diesem Firmengeflecht sind die Töchter auf dem Papier rein rechtlich selbstständig, aber in Wirklichkeit total abhängig von Toyota. Ein fairer Vergleich der Rivalen müsste also Wertschöpfungstiefen bereinigen und entzerren, welche Beschäftigten zum Kerngeschäft dazuzuzählen sind, obwohl sie wegen Keiretsu in der Toyota-Bilanz außen vor bleiben.

Die Frage, wie viele Köpfe aus dem Keiretsu-Geflecht Toyota für faire Vergleiche zugeschlagen werden müssten, ist mega-komplex. Nur ein Anhaltspunkt: Allein die drei Keiretsu-Firmen Denso, Advics und Aisin haben zusammen 283.000 Beschäftigte. Und plötzlich ist der Vergleich gar nicht mehr so eindeutig.

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