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Produktion Volkswagen startet Serienfertigung des neuen Caddy

Autor: Thomas Günnel

Vom eher biederen Kleintransporter zum schicken Hochdachkombi: Der neue Caddy ist gelungen. Gefertigt wird er im polnischen Antoninek – nach umfangreichem Umbau im Werk.

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Seit Ende Oktober fertigt Volkswagen im polnischen Antoninek die fünfte Generation des Caddy.
Seit Ende Oktober fertigt Volkswagen im polnischen Antoninek die fünfte Generation des Caddy.
(Bild: Rafal Pijanski/Volkswagen)

Volkswagen fertigt im polnischen Antoninek bei Poznan seit heute den neuen Caddy in Serie. Der Produktion waren umfangreiche Baumaßnahmen vorangegangen: Das Werksgelände, das vorher von einer Straße in zwei Teile getrennt war, wurde zusammengelegt. Es entstand eine Logistikhalle mit 46.000 Quadratmetern Fläche, der Karosseriebau wuchs auf über 14.000 Quadratmeter; und um 450 neue Produktionsroboter.

Der Umbau erfolgte bei laufender Produktion. Der Automatisierungsgrad im Karosseriebau steigt damit von 43 auf über 80 Prozent. Im Werk kommen jetzt zum Beispiel auch Smartwatches zum Einsatz, mit denen sich Anlagen und Maschinen in Echtzeit überwachen lassen. Entstanden ist das Ganze als studentisches Projekt einer Hochschule, mit der Volkswagen in Polen zusammenarbeitet. Die Mitarbeiter erhalten so genaue Informationen, welches Problem aufgetreten ist; und vor allem: wo genau. „Wir haben so die Kosten für Überwachungsequipment um rund 90 Prozent reduziert und Produktionsunterbrechungen um rund 15 Prozent gesenkt. Das heißt: Wir können pro Tag rund drei Caddy-Karosserien mehr fertigen“, beschreibt Hans Joachim Godau, Vorstand Finanz und IT bei Volkswagen Poznan.

Mit Logistik CO2 sparen

Die unmittelbare Nähe der neuen Logistikhalle zur Produktion ermöglicht es nach Unternehmensangaben, künftig bis zu 260 Lkw-Fahrten täglich zwischen Poznan und dem Standort in Swarzedz zu sparen, Stichwort: CO2. Das Werk in Poznan fertigt außerdem seit dem Jahr 2018 ausschließlich mit grünem Strom. Und ganz greifbar: Gemeinsam mit dem Werk in Wrzesnia hat der Automobilhersteller in Polen in den vergangenen zwei Jahren rund 50.000 Bäume gepflanzt.

Abseits der neuen Hardware im Werk einigten sich Volkswagen und die örtliche Arbeitnehmervertretung auf ein Paket zur Sicherung von Arbeitsplätzen, in der aktuellen Zeit ein wichtiges Signal. Zu der Vereinbarung gehören Beschäftigungsgarantien für rund 8.500 Mitarbeiter bis zum Jahr 2024 und Mittel für die Umschulung und Entwicklung von Mitarbeitern. „Für den Karosseriebau des neuen Caddy sind deutlich weniger manuelle Tätigkeiten notwendig, dafür stieg der Personalbedarf zum Steuern der Anlagen und Maschinen nahezu um das Dreifache. „Wir haben deshalb über 250 Mitarbeiter auf diese neuen Aufgaben vorbereitet. Seit dem Anlauf der fünften Generation des Caddy haben wir über 3.000 Mitarbeiter geschult“, sagt Jolanta Musielak, Vorstandsmitglied für Personal und Organisation bei Volkswagen in Poznan. Dabei nutzte das Unternehmen auch virtuelle Realitäten, um zum Beispiel Fertigungsschritte zu trainieren.

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„Wir arbeiten hier am Standort schwerpunktmäßig mit polnischen Lieferanten zusammen“, sagt Godau. „97 Lieferanten aus Polen sind am Caddy beteiligt, sieben davon sind in unserem Lieferantenpark in Swarzedz angesiedelt.“ Bis zum Jahresende, in der Anlaufphase, will VW im Werk bis zu 600 Caddy täglich fertigen. Im kommenden Jahr will Volkswagen die Kapazität von 650 Caddys täglich auslasten.

Im Karosseriebau des Caddy lässt sich ein beliebiger Modellmix fahren. Eine taktunabhängige Bereitstellung der Teile ermöglicht es in der Fertigung, Personal zu rotieren – und so auf Fluktuationen zu reagieren. Ein Vorteil in der aktuellen Zeit.

Der neue Caddy

Die fünfte Generation des Caddy basiert auf dem Modularen Querbaukasten (MQB), den Volkswagen auch im Golf 8 einsetzt. Mit dem MQB kommen neue Technologien in die Caddy-Baureihe: zum Beispiel der „Travel Assist“, der selbstständig die Fahrspur wechseln kann, und ein neuer Abbiegeassistent. Außerdem erhält der Caddy vernetzte Infotainment- und digitalisierte Bediensysteme. Volkswagen fertigt den Caddy ausschließlich in Polen. Die Produktionsverlagerung hat auch den Abbau von rund 5.000 Arbeitsplätzen bis zum Jahr 2029 im Stammwerk Hannover zur Folge.

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Über den Autor

 Thomas Günnel

Thomas Günnel

Redakteur/Fachjournalist, Redaktion AUTOMOBIL INDUSTRIE