Elektromobilität

Voltabox: E-Mobilität aus einer Hand

| Autor / Redakteur: Voltabox / Svenja Gelowicz

Ausschnitt einer Fertigungslinie für Batteriesysteme bei Voltabox.
Ausschnitt einer Fertigungslinie für Batteriesysteme bei Voltabox. (Bild: Voltabox)

Die aktuellen Entwicklungen in der Branche schaffen Platz für neue Akteure. Diese Steilvorlage hat auch Voltabox mit seinen Batteriesystemen für industrielle Anwendungen genutzt. CEO Jürgen Pampel entwickelt das Unternehmen jetzt zu einem Anbieter für E-Mobilität.

Es war im Jahr 2014, als Voltabox erstmals die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit hatte: Damals ging eine Anfrage von Kiepe Electric bei dem jungen Delbrücker Unternehmen ein. Der Systemintegrator hatte den Auftrag, im US-amerikanischen Seattle einen Großteil der im dortigen ÖPNV eingesetzten Trolleybusse fit für die Zukunft zu machen. Die Verantwortlichen des lokalen Nahverkehrsanbieters King County Metro wollten ihren Fahrgästen nicht länger zumuten, dass diese an Steigungen mit bestimmten Neigungswinkel aus dem Bus aussteigen und sogar bisweilen mit anschieben mussten. Denn in einigen Situation reichte die aus dem Oberleitungsnetz bereitgestellte Energie nicht aus, sodass ein Diesel-Notstromaggregat und eben manchmal auch die menschliche Muskelkraft hinzugeschaltet werden musste.

Diese Trolleybusse nutzen Batteriesysteme von Voltabox.
Diese Trolleybusse nutzen Batteriesysteme von Voltabox. (Bild: Voltabox)

Als dann eine Studie signifikante Kostenvorteile über die Einsatzdauer der Busse und ihrer Antriebe bescheinigte, war der Entschluss für die Modernisierung gefallen. Voltabox überzeugte Kiepe Electric mit seinem neuen Ansatz von Lithium-Ionen-Batteriesystemen. Das Unternehmen konzentrierte sich von Anfang an auf industrielle Massenanwendungen und schien damit wie gemacht für den Auftrag. „Als die Unterschrift getrocknet war, haben wir sofort mit dem Prototypenbau angefangen. Man hat uns und unserer Technologie ein enormes Potenzial bescheinigt – und wir konnten uns in diesem Projekt beweisen“, erinnert sich Jürgen Pampel, damals wie heute an der Spitze von Voltabox: Nach dem Aufbau des Geschäftsbereichs unter dem Dach von Paragon übernahm er auch die Geschäftsführung und ist heute Vorstandsvorsitzender der börsennotierten Aktiengesellschaft.

Einsatz auch in der Intralogistik

Besonders lebendig ist vor seinem inneren Auge auch noch der Moment, in dem das modular aufgebaute und auf die speziellen Anforderungen von Trolleybussen zugeschnittene Batteriesystem zum ersten Mal in der Praxis zum Einsatz kam. „Als der Trolleybus die erste deutlichere Steigung nahm, gab es keinen Stop, keine Rußwolke aus dem Auspuff, und es musste auch niemand aussteigen, um mit anzuschieben. Die Leute waren begeistert und haben applaudiert. In dem Moment ist man natürlich besonders stolz“, unterstreicht Pampel.

Voltabox hat in den USA und Europa daraufhin für zahlreiche weitere Trolleybus-Flotten Batteriesysteme geliefert. Die Technologie erlaubt es den Betreibern, dichten Verkehr oder Baustellen flexibel zu umfahren oder bestehende Routen über die vorhandenen Oberleitungen hinaus zu verlängern, insbesondere in den Randgebieten von Städten.

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Neben dem Trolleybus-Markt mischte Voltabox auch früh in der Intralogistik mit – hier trieb das Unternehmen mit der Qualität seiner Produkte den Trend zum Austausch von Blei-Säure-Batterien durch Lithium-Ionen-Batteriesysteme an. Für Betreiber von Gabelstaplern oder AGVs zählen hier mehrere Gründe: Lithium-Ionen-Batterien ermöglichen durch ihre hohe Energiedichte eine deutlich bessere Planung und einen flexibleren Umgang mit Lastspitzen. Die höheren C-Raten vereinfachen das unabhängig vom Zustand der Batterie mögliche Laden, beispielsweise in der Mittagspause. Durch das Wegfallen von Ausgasungen werden keine Laderäume mehr benötigt. Die Lebensdauer ist ebenfalls ungleich länger, sodass sich die etwas höheren Anschaffungskosten zügig amortisieren.

Treiber ist eine rigide Zero-Emission-Politik

Diese Effekte von Li-Ion-Batterien haben inzwischen auch Unternehmen aus ganz anderen Branchen erkannt. Komatsu, Hersteller von Bergbaumaschinen, lässt sich von Voltabox nach und nach die gesamte Fahrzeugflotte für den Untertage-Einsatz elektrifizieren. Hinter dem hohen Druck, mit dem der Industriekonzern das Thema angeht, stehen die Minenbetreiber mit einem handfesten Interesse. „Rund 70 Prozent der Kosten einer Mine entstehen durch die Einrichtung und den Betrieb von Schächten für die Bewetterung der Stollen – die Abgase der Dieselfahrzeuge sowie die Ausgasungen von Blei-Säure-Batterien müssen schließlich irgendwie nach draußen“, betont Jürgen Pampel. Dabei sind die Anforderungen an Batterien im Bergbau besonders hoch: Hoher Energiebedarf bei gleichzeitig begrenztem Bauraum, spezielle Anforderungen an den Explosionsschutz in Kohleminen oder die Kühlung der stark beanspruchten Systeme in den mehr als 50 Tonnen schweren Fahrzeugen, die enorme Hubleistungen erfüllen müssen.

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Dabei ist der Faktor Effizienz nicht der einzige Treiber für E-Mobilität. Zur Eindämmung der Auswirkungen des Klimawandels steuert die Politik schon seit Längerem mit regulatorischen Eingriffen gegen. So verfolgen die Bundesstaaten an der Westküste der USA eine besonders rigide Zero-Emission-Politik. Ein spezielles Anwendungsfeld stellen Seehäfen dar, in denen die Energieversorgung über ein Oberleitungsnetz aufgrund der eingesetzten Kräne nicht möglich ist. Die Lithium-Ionen-Technologie gilt als Heilsbringer, um die Logistik vor Ort auf nachhaltige Füße zu stellen. Auch hier mischt Voltabox über seine US-amerikanische Tochtergesellschaft mit: Im Rahmen eines Pilotprojekts soll für eine 2.100 Tonnen schwere Lokomotive des Port of Los Angeles ein Batteriesystem mit 1,6 MWh Leistung entwickelt werden.

Ausrichtung auf Komplettsysteme

„Wir fühlen uns in Anwendungen wohl, die Herausforderungen darstellen. Es geht aber nicht nur darum, immer komplexere Batteriesysteme für immer größere Fahrzeuge zu entwickeln“, erklärt Jürgen Pampel. Voltabox hat sich vielmehr zum Ziel gesetzt, zu einem Komplettanbieter zu werden. Künftig soll die gesamte Wertschöpfungskette der Elektromobilität abgedeckt werden. Jürgen Pampel trimmt sein Unternehmen mit Hochdruck darauf, dass Kunden demnächst alles aus einer Hand erhalten: vom Batteriesystem über den elektronischen Antriebsstrang bis hin zur Leistungselektronik.

In Aachen hat Voltabox jüngst ein F&E-Zentrum gegründet. Hier arbeitet man an Innovationen, welche die Akzeptanz von elektromobilen Anwendungen befeuern sollen. Dazu gehört beispielsweise ein Onboard-Ladegerät, das gleich in mehreren Endanwendungen zum Einsatz kommen und somit nicht zuletzt durch seine große Flexibilität überzeugen soll. Die Hochvolt-Batteriesysteme von Voltabox machen zudem DC/DC-Wandler erforderlich, um auch unterschiedliche Bordnetz-Spannungslagen von Fahrzeugen im Niedervolt-Bereich zu versorgen.

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Zukunft gehört Komplettanbietern

„Wir möchten es unseren Kunden so einfach wie möglich machen. Dabei geht es nicht nur um das Produktportfolio. In der Intralogistikbranche ist beispielsweise unser Service ein USP. Der nächste Schritt sind Modelle zur Miete von Batterien, um Lastspitzen abfedern zu können“, blickt Pampel voraus.

Er und sein Team haben sich also einiges vorgenommen, um der Elektrifizierung weiter Beine zu machen. Voltabox beschränkt sich dabei nicht nur auf einen Ausschnitt von Elektromobilität. Der CEO ist davon überzeugt, dass die Zukunft denjenigen gehört, die ihren Kunden ein komplettes Angebot machen bzw. die Nachfrage nach unterschiedlichen Produkten abdecken können. Pampel nennt dies den „One-Stop-Shop der Elektromobilität.“

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