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Wirtschaft VW-Einkaufschef Sommer: CO2-Bepreisung hebelt künftig den „best cost“-Ansatz aus

Autor: Svenja Gelowicz

Stefan Sommer, Einkaufsvorstand bei Volkswagen, betont im Interview mit „Handelsblatt“ die Notwendigkeit einer CO2-neutralen Produktion für die Lieferanten, um weitere Aufträge des weltgrößten Autobauers zu erhalten – und er erklärt, warum das vor allem eine Chance sei.

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Der ID 3 ist nicht nur ein neues Auto. Er ändert auch für Zulieferer die Spielregeln.
Der ID 3 ist nicht nur ein neues Auto. Er ändert auch für Zulieferer die Spielregeln.
(Bild: Volkswagen)

Bei Volkswagen weiß man: Ohne eine CO2-neutrale Wertschöpfungskette fällt die „cradle to grave“-Betrachtung von E-Autos miserabel aus. Bereits im Mai hat der weltgrößte Autohersteller daher verkündet, einen „S-Rating“ („S“ steht für Sustainability) genannten Nachhaltigkeitstest für Zulieferer einzuführen. Der Porsche-Produktionsvorstand Albrecht Reimold bestätigte im Sommer gegenüber „Automobil Industrie“: „Die CO2-neutrale Fabrik ist ein Ausschreibekriterium für Zulieferer.“

Im Interview mit dem „Handelsblatt“ unterstrich auch Volkswagens Einkaufsvorstand Stefan Sommer nochmal die Dringlichkeit der klimaneutralen Produktion. Jeder Lieferant müsse zertifiziert sein, um weitere Aufträge aus dem Hause Volkswagen zu erhalten. Mit Stichproben will Volkswagen die Zulieferer kontrollieren, ein großer Teil sei bereits zertifiziert.

Wenn ein Zulieferer sein Geschäftsmodell nicht umstellt, dann ist das Auftragsvolumen für Volkswagen eines Tages weg.

Bei der Transformation von konventioneller Antriebstechnik hin zur Elektromobilität könnten die Wolfsburger auch „den ein oder anderen Zulieferer unterstützen“, wobei man mit den „Ressourcen haushalten müsse“. Ohne Umstellung, das steht laut Sommer fest, „ist das Auftragsvolumen für Volkswagen eines Tages weg“.

Sommer: Lokale Zulieferer können durch CO2-Bepreisung wieder wettbewerbsfähig werden

Das erhöhe zwar freilich den Druck auf die Zulieferer. Doch der VW-Einkaufschef betont im Interview: Das sei vor allem eine Chance. Denn durch die CO2-Bepreisung ändere sich das altbewährte System des Kostendrucks. Sommer gegenüber dem „Handelsblatt“: „Bislang ging alles nur nach „best cost“. Das führt zu Vorteilen der Produktion in Niedriglohnländern, meist in Übersee. Wird CO2 bepreist, dann wird aber der Transport teurer.“ Und mancherorts würde es tatsächlich schwierig, überhaupt Grünstrom zu beziehen.

Für die Zulieferer hierzulande birgt das Potenzial. Kurze Wege und eine lückenlose Dokumentation, sagt Sommer weiter, könnte zu einem großen Vorteil für deutsche Lieferanten vor Ort werden. Die CO2-Bepreisung mache manche wieder wettbewerbsfähig. Sommer: „Im Idealfall ist das CO2-Ticket teurer als die Mehrkosten der Inlandsproduktion.“

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 Svenja Gelowicz

Svenja Gelowicz

Redakteurin Wirtschaft und Mobilität