Volkswagen Nutzfahrzeuge VW ID Buzz: Bis zu 15.000 Einheiten noch in diesem Jahr

Volkswagen Nutzfahrzeuge will bei der Elektromobilität den Turbo zünden. Die BEV-Quote soll von etwa einem Prozent bis 2030 auf 55 Prozent steigen. Ermöglichen soll das der ID Buzz – aber nicht allein.

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Perspektivisch will Volkswagen vom ID Buzz 120.000 bis 130.000 Einheiten im Jahr bauen.
Perspektivisch will Volkswagen vom ID Buzz 120.000 bis 130.000 Einheiten im Jahr bauen.
(Bild: Volkswagen)

Nach Verlusten im Geschäftsjahr 2020 hatte Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) auch für 2021 rote Zahlen erwartet. Doch ein zweites Jahr des „Durchtauchens“, wie es die Hannoveraner vor zwölf Monaten prophezeit hatten, blieb ihnen erspart. Unter dem Strich stand für VWN im vergangenen Jahr ein Gewinn von 73 Millionen Euro, nachdem 2020 noch ein Verlust von 454 Millionen Euro angefallen war.

Entsprechend zufrieden präsentierte sich Markenchef Carsten Intra am Montag bei der virtuellen Jahrespressekonferenz des Unternehmens. „Dank hoher Kostendisziplin und einer starken Teamleistung konnten wir bereits im zurückliegenden Jahr einen aus meiner Sicht beeindruckenden Turnaround von gut einer halben Milliarde Euro erzielen“, erklärte der CEO.

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Die Finanzlage besserte sich für die Hannoveraner, obwohl sie weniger Fahrzeuge ausgeliefert hatten als noch 2020. Ähnlich wie auch andere Marken profitierte Volkswagen Nutzfahrzeuge dabei unter anderem von höheren Verkaufspreisen. Intra betonte, dass in einem „Markt mit hoher Nachfrage keine besonderen Verkaufsanreize notwendig waren“. Auch ein „sehr starkes Gebrauchtwagengeschäft“ hat den Niedersachsen geholfen, erklärte Finanzvorstand Michael Obrowski. Gegenüber einem bereits starken Gebrauchtwagen-Jahr 2020 habe man den Absatz 2021 noch einmal um sechs Prozent steigern können.

Dennoch hätte der Hersteller 2021 nach eigener Aussage vor allem gerne mehr Neufahrzeuge verkauft. Vor allem fehlende Halbleiter machten das allerdings zunichte. Letztlich lieferte VWN im vergangenen Jahr knapp 360.000 Einheiten aus (2020: 371.000). Laut Intra gab es bei den Hannoveranern 100.000 Bestellungen mehr. Besonders gelitten hat unter der Situation bislang der Caddy. Mit 85.200 Fahrzeugen brachte VWN von ihm etwa ein Viertel weniger neu auf die Straßen als noch 2020. Die T-Baureihe (166.400 Einheiten, +14,8 %) und der Crafter (62.300, +1 %) legten dagegen zu.

Auch aktuell läuft es in der Produktion der Niedersachsen nicht rund. Dazu trägt zusätzlich zum anhaltenden Chipmangel nun auch noch der Krieg in der Ukraine bei. Die eigenen Werke seien unmittelbar vom Ausfall zentraler Zulieferer betroffen, teilte VWN mit. Das führe zu erneuten, vorher nicht absehbaren Ausfällen in der Produktion.

PHEV-Bestellstopp auch bei VWN

Klar ist, dass Volkswagen Nutzfahrzeuge aktuell in der Produktion unter anderem bei Plug-in-Hybriden nicht die Nachfrage bedienen kann. Wie auch andere Konzern-Marken nimmt VWN deshalb aktuell keine Bestellungen mehr für die PHEV-Version des VW T7 an. Die Lieferzeit liege aktuell bei etwa 12 Monaten, erklärte Vertriebsvorstand Lars Krause. Das sei zu lange. Nun gehe es darum, die Produktion besser an die Nachfrage anzupassen. Einen Zusammenhang zur unklaren Fördersituation von Plug-in-Hybriden in Deutschland über 2022 hinaus gebe es bei der Maßnahme aber nicht, so Krause.

Im laufenden Jahr steht bei Volkswagen Nutzfahrzeuge neben dem Umgang mit den Produktionsschwierigkeiten viel im Zeichen des kürzlich vorgestellten VW ID Buzz. In Hannover laufen die Vorbereitungen auf die Serienproduktion auf Hochtouren, im Herbst will der Hersteller die ersten Fahrzeuge hierzulande ausliefern. Die Bestellbücher öffnet VWN bereits im Mai. Eigentlich wollte der Hersteller das Modell im Agenturvertrieb vermarkten, bislang gibt es aber keine Einigung mit dem Handel. Deshalb wird es zum Start des ID Buzz damit nichts. „Wir wollen den Agenturvertrieb und gehen das weiter aktiv an“, sagte Krause.

Im laufenden Jahr reichen laut CEO Carsten Intra die Produktionskapazitäten für 12.500 bis 15.000 Einheiten des ID Buzz. Im kommenden Jahr sollen es dann 50.000 bis 60.000 sein. Das perspektivische Ziel liegt dann bei 120.000 bis 130.000 Einheiten im Jahr.

Im Sommer steht bei den Niedersachsen noch eine weitere Neuvorstellung an: Dann will VWN die nächste Amarok-Generation präsentieren, die die Marke in Zusammenarbeit mit Ford bauen wird.

55 Prozent BEV-Quote bis 2030

Wichtiger dürfte für die Niedersachsen dennoch der ID Buzz sein. Schon 2030 sollen 55 Prozent Fahrzeuge, die Volkswagen Nutzfahrzeuge in Europa verkauft, batteriebetrieben sein. Aktuell liegt die Marke bei einem BEV-Anteil von gerade mal etwa einem Prozent. Der ID Buzz soll nun für einen Schub sorgen.

Um die Elektro-Ziele zu erreichen, müsse man aber auch die sonstige Produktpalette anpacken, räumte Intra ein. Perspektivisch soll es neben dem ID Buzz und dem E-Crafter weitere vollelektrische Baureihen geben. „Das ist ein Muss“, fügte Vertriebsvorstand Lars Krause an. Dennoch werde die Marke auch weiter vorerst auf Verbrenner setzen. Auch Plug-in-Hybride sollen in weiteren Fahrzeugen neben dem VW T7 Einzug finden. Gasantrieben räumte Krause dagegen keine große Zukunft ein.

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Neben der Elektrifizierung will das Unternehmen auch beim autonomen Fahren weitere Schritte nach vorne machen. Kernelement ist dabei die Zusammenarbeit mit Argo AI. Bereits jetzt testen die Partner in München Level-4-autonome ID-Buzz-Fahrzeuge. Bald soll das auch in Hamburg geschehen. Vorläufiges Ziel ist der Einsatz autonomer Shuttlebusse bei der VW-Tochter Moia in Hamburg im Jahr 2025.

„Special Purpose Vehicle“ für autonomes Fahren geplant

Später soll es auch ein autonomes „Special Purpose Vehicle“ geben. Laut Intra soll jenes Fahrzeug eher nicht auf dem ID Buzz aufbauen, sondern ein völlig neues Modell werden. Zum Beispiel erörtere man gerade, ob ein solches Vehikel noch ein Lenkrad brauche oder nicht und welches Raumkonzept das beste sei. Noch sei das Fahrzeugkonzept nicht fertig, so Intra. „Wir werden einen großen Sprung brauchen und nicht einfach den ID Buzz weiterentwickeln“, kündigte der Markenchef an.

Alles in allem will Volkswagen Nutzfahrzeuge im Auto-Geschäft 2026 ein Ergebnis von mehr als einer Milliarde Euro erwirtschaften. Die Umsatzrendite soll bereits 2026 bei rund fünf Prozent liegen. Die Kapitalrendite soll zwischen 2026 und 2030 von 10 auf 20 Prozent steigen.

Bei Mobilitäts- und Transportdiensten, mit denen VWN im Jahr 2030 bereits in mehr als 50 Städten weltweit aktiv sein will, peilen die Hannoveraner sogar eine Umsatzrendite von über zehn Prozent an. Dabei wolle man zum einen den direkten Kundenkontakt haben, denkbar seien aber auch Partnerschaften mit Fahrdiensten wie Uber oder Lyft. „Die Ziele, die wir mit GRIP 2030 erreichen möchten, sind ambitioniert – aber sie sind auch realistisch“, sagte Carsten Intra am Montag.

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