Digitalisierung

Warum eine Automobilberatung Prototypen baut

| Autor: Svenja Gelowicz

Hendrik Stange (li.) ist Data Scientist und einer der klugen Köpfe, die das Berylls-Team dabei unterstützen, aus großen Datenmengen nutzbringende Anwendungen zu entwickeln.
Hendrik Stange (li.) ist Data Scientist und einer der klugen Köpfe, die das Berylls-Team dabei unterstützen, aus großen Datenmengen nutzbringende Anwendungen zu entwickeln. (Bild: Svenja Gelowicz/Automobil Industrie)

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Die Automobilberatung Berylls Strategy Advisors hat seit einem Jahr eine Digital-Dependance in Berlin. Ihr Name lautet Berylls Digital Ventures und sie erweitert das klassische Consulting hin zur Umsetzung.

Wenn es nicht mehr um klassische Strategieberatung, sondern um Datenberge, Software, Stacks und Algorithmen geht, ist es an der Zeit für die Strategen der Automobilberatung Berylls Strategy Advisors, zum Hörer zu greifen: Dann nämlich geben sie das Projekt an die Kollegen der eigens gegründeten Einheit Berylls Digital Ventures weiter. Die sitzt im Herzen Berlins in einem hippen Co-Working-Space – und widmet sich mit zwölf „Umsetzern“ ausschließlich komplexen und datenintensiven Digitalprodukten. Die Kernkompetenz: maßgeschneiderte Digitalkonzepte.

Weg von Powerpoint und hin zu Produkten

„Wir wollen dahin, wo es weh tut“, sagt Jan Burgard, 44. Er ist CEO der Digital-Spezialeinheit, die im Mai den ersten Geburtstag gefeiert hat. Die Idee hinter der Sparte: das traditionelle Geschäft sukzessive um die „neue digitale Welt“ erweitern. Denn für diese neue Welt reicht die klassische Strategieberatung nicht aus. Stattdessen planen, konzeptionieren und implementieren Berylls Digital Ventures gemeinsam mit Partnern digitale Produkte für das traditionelle Automobil-Business, aber eben auch für neue Geschäftsmodelle der Mobilität – und erweitern so das klassische Consulting hin zur Umsetzung.

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Dahinter steckt der End-to-End-Ansatz: „Weg von Powerpoint hin zu Produkten, die man auf der Straße sieht“, beschreibt Burgard. Also bauen sie Proto­typen – zum Beispiel Routenalgorithmen – oder setzen Geschäftsmodelle um. Dafür probt Berylls Digital Ventures auch neue Bezahlmodelle – nicht zuletzt, weil traditionelle Budgetierungsprozesse meist nicht auf solche Digitalprojekte ausgerichtet sind. Deshalb gehen sie auch in Vorleistung für Prototypen.

Berylls Digital Ventures: Wandler zwischen den Welten

Wer Jan Burgard und sein Team anheuert, muss sich unbequeme Meetings gefallen lassen, sollte streitfähig sein. Gefälligkeitsgutachten gibt es nicht. Viele Kunden, gerade außerhalb der OEMs und Zulieferer, würden sehr schnell neue Produkte entwickeln.

Und dabei wird „digital“ laut Burgard immer noch nicht ganzheitlich gedacht; es gelte, Prozesse wie Support und Retail zu integrieren – und Probleme treten gerade dann oft auf, wenn Software in eine IT-Infrastruktur oder in ein Fahrzeug implementiert wird.

Denn gerade junge Digital-Start-ups leben oftmals in einer eigenen Welt. Ihre Ideen werden schnell gehypt und noch schneller wieder vergessen. „Oft ist dann Feierabend, wenn sie auf die ‚alte‘ Welt treffen, wo dann ein ganz anderes, traditionelleres Mindset herrscht“, erzählt Burgard – und sieht sich und sein Team genau an dieser Schnittstelle wieder als Übersetzer. Denn beide Welten zu verstehen, sei ihre wesentliche Kernkompetenz; und letztendlich müssten diese beiden Seiten zusammen funktionieren. Bei Bedarf können die Digitalexperten auf Unterstützung der Berater von Berylls Strategy Advisors zurückgreifen.

Nicht ohne Partner

Die Grundlage dieser Projekte sind fast immer große Mengen Daten. Und um da­raus Wertschöpfung zu generieren, braucht es Spezialisten. Dafür hat Berylls ein großes Netzwerk an Partnern; und ein wichtiger ist das Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS. Hendrik Stange ist Data Scientist und einer der klugen Köpfe, die das Berylls-Team dabei unterstützen, aus großen Datenmengen nutzbringende Anwendungen zu entwickeln.

Die Kooperation mit der Berylls-Digitalsparte kommt für ihn zum perfekten Zeitpunkt: „Wir bewegen uns weg von einer verfahrensorientierten Perspektive hin zu einer sehr geschäfts- und wertschöpfungsorientierten Sichtweise“, erklärt Stange. „Da hat für die klassischen ,Machine Learner‘ bislang der Verbindungspunkt gefehlt.“ Denn meistens haben die Daten der Kunden nicht gut zur eigentlichen Fragestellung gepasst. Heute steht stattdessen die Idee im Vordergrund; das Problem wird also nicht mehr nur so weit gelöst, wie die Daten es erlauben. Burgard resümiert: „Man darf das neue Problem nicht in vorhandene Lösungen hineindenken.“

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Insgesamt arbeitet Berylls Digital Ventures aktuell mit 30 Partnern zusammen und will dieses Netzwerk stetig erweitern. Dafür suchen sie sehr zugeschnitten nach weiteren Profilen. Denn nur mit diesen können die Digital-Berater mit Start-up-Mentalität die „maßgeschneiderten“ Produkte entwickeln, mit denen sie sich vom Konkurrenzgeschäft der zahlreichen Wettbewerber abheben wollen.

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