Volkswagen will sich von Ex-Topmanagern der Ära Winterkorn wenigstens einen Bruchteil der „Dieselgate“-Kosten zurückholen. Aber wer zahlt wie viel – und was übernehmen Versicherer? Der Kern eines Deals liegt nun vor.
Auf Martin Winterkorn könnten dem Vernehmen nach etwa 10 Millionen Euro Schadenersatz zukommen.
(Bild: Volkswagen)
Volkswagen ist sich mit Anwälten und Versicherern mehrerer Ex-Topmanager um den früheren Konzernchef Martin Winterkorn grundsätzlich einig über Schadenersatz wegen des Diesel-Skandals. Ein entsprechender Beschluss stehe jetzt im Kern, hieß es am Sonntag aus Wolfsburg. Die genauen Summen und Modalitäten seien aber Gegenstand letzter ergänzender Gespräche, die man noch nicht komplett beendet habe. Klar ist dagegen, dass Hans Dieter Pötsch den VW-Aufsichtsrat auf Vorschlag seiner Mitkontrolleure weitere fünf Jahre leiten soll.
In einer Sitzung am Samstag hatten die Aufseher über den bisherigen Stand der Entschädigungspläne beraten. Dabei seien die „wesentlichen Konditionen der Vergleiche“ zwischen den ehemaligen Führungskräften und VW beschlossen worden, sagte ein Sprecher auf Anfrage. „Die Vereinbarungen sollen in den kommenden Tagen abgeschlossen werden.“
Europas größter Autohersteller verlangt von Winterkorn, Ex-Audi-Chef Rupert Stadler sowie den früheren Konzernmanagern Ulrich Hackenberg, Wolfgang Hatz und Stefan Knirsch eine finanzielle Beteiligung an den „Dieselgate“-Folgekosten. Die Affäre um millionenfach gefälschte Stickoxid-Abgaswerte war im September 2015 in den USA aufgeflogen.
Etwa 10 Millionen Euro Schadenersatz von Winterkorn
Dem Vernehmen nach könnte es im Fall Winterkorn auf eine Summe von etwa 10 Millionen Euro hinauslaufen, wobei jedoch ein weit größerer Teil von Haftpflichtversicherungen gedeckt werden dürfte. Insgesamt war von bis zu 300 Millionen Euro die Rede. Es hieß, die einzelnen Beträge könnten sich kurzfristig noch ändern – in dieser Woche könnte nun ein endgültiges Ergebnis mit konkreten Zahlen folgen.
Eine spezialisierte Kanzlei hatte im Auftrag des VW-Aufsichtsrats intern zu den Verantwortlichkeiten ermittelt. Die Juristen sicherten im Rahmen ihrer Nachforschungen rund 65 Petabyte an Daten und Millionen Dokumente – umgerechnet 65 000 Tera- oder 65 Millionen Gigabyte. Auf Basis der Resultate beschloss der Konzern vor einigen Wochen, dass die betreffenden Ex-Manager in Regress genommen werden sollen.
Bei Winterkorn und Stadler begründete Volkswagen das mit Verletzungen der aktienrechtlichen Sorgfaltspflicht. Nach dem Bekanntwerden der Manipulationen hatten sich weltweit auch Zivil- und Strafgerichte sowie Verbraucherschützer mit dem Ursprung der Affäre befasst. Diese stürzte die Autoindustrie in eine Vertrauenskrise und verschlang in der VW-Gruppe bisher weit über 30 Milliarden Euro an Rechtskosten.
Auch eine wichtige Personalie beschlossen die Aufseher am Wochenende: Chefkontrolleur Hans Dieter Pötsch soll das oberste Gremium von Volkswagen bis 2026 weiter führen. Der Nominierungsausschuss empfahl der Hauptversammlung, den Vertrag des 70-Jährigen zu verlängern. Für das nächste Treffen der Aktionäre wird ein Termin im Juli angepeilt.
Pötsch war im Herbst 2015 als Nachfolger des Konzernpatriarchen Ferdinand Piëch zum Leiter des Aufsichtsrats berufen worden – wenige Wochen nach dem Beginn der Dieselkrise. Übergangsweise hatte zuvor der frühere IG-Metall-Chef Berthold Huber das Gremium geführt. 2016 wurde Pötsch dann formal für den fünfjährigen Amtsturnus bestätigt.
Der ehemalige VW-Finanzvorstand gilt als Kapitalmarktexperte und gut vernetzter, ruhiger Stratege. Pötsch ist auch einer der Architekten der vollständigen Übernahme von Porsche im Jahr 2012. Zuletzt hatten ihm die Querelen zwischen Vorstandschef Herbert Diess und dem jüngst zur VW-Nutzfahrzeug-Holding Traton gewechselten Ex-Betriebsratschef Bernd Osterloh einiges an diplomatischem Geschick abverlangt.
Zeitweise war Pötsch aber auch selbst umstritten. So gab es Vorwürfe, er habe Öffentlichkeit und Finanzmärkte zu spät über das finanzielle Risiko des Abgasskandals ins Bild gesetzt. Zu einem Strafprozess wegen mutmaßlicher Marktmanipulation gegen Pötsch und Diess kam es jedoch nicht – Volkswagen zahlte 9 Millionen Euro an die niedersächsische Landeskasse, und das Verfahren wurde eingestellt.
Stand: 08.12.2025
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