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Porträt Wissensportal für Entwickler

Autor: Sven Prawitz

Seit 25 Jahren vermittelt Carhs Wissen rund um Fahrzeugsicherheit an Ingenieure. Dank den steigenden Anforderungen beim Verbraucherschutz bleiben die Entwickler treue Kunden.

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Rainer Hoffmann (1. v. rechts) und sein Team von Carhs.Training.
Rainer Hoffmann (1. v. rechts) und sein Team von Carhs.Training.
(Bild: Natalie Golowko/Carhs)

Als Rainer Hoffmann fast auf den Tag genau 25 Jahre nach der Gründung seines Unternehmens Freunde, Partner und wichtige Weggefährten nach Alzenau (Landkreis Aschaffenburg) lud, wollte er nach vorne blicken und weniger zurück. Doch seine Mitarbeiter ignorierten seinen Wunsch und zeigten dennoch einen bebilderten Rückblick auf die Anfänge von Carhs.

Nach beruflichen Stationen bei Porsche, ESI und PARS gründete Rainer Hoffmann im Dezember 1994 sein Unternehmen – damals als Entwicklungsdienstleister unter dem Namen Easi Engineering. Im Fokus standen Dienstleistungen im Bereich Simulation und System Engineering. Doch fünf Jahre später änderte Hoffmann seine Strategie und begann mit der Wissensvermittlung für Ingenieure. „Wir sind damit gestartet, weil wir keine Ingenieure mehr für unsere Themen finden konnten“, blickt der Geschäftsführer zurück.

Nicht nur eigene Mitarbeiter schulen

Anderen Unternehmen ging es zu dieser Zeit ähnlich. Deshalb entwickelte Hoffmann ein Geschäftsmodell, „um unser Trainingsangebot für andere Unternehmen und auch Konkurrenten zu öffnen“. Statt dem Weltuntergang war das die Geburtsstunde der „carhs.training GmbH“.

Inhaltlich ist Hoffmann seiner Passion – der Sicherheitstechnik von Automobilen – treu geblieben. Schwerpunkte des Seminarprogramms sind Anforderungen der vielen Crashtests, die die Gesetzgeber vorschreiben und die von Verbraucherschützern wie Euro NCAP (European New Car Assessment Programme) deutlich übertroffen werden. Ergänzt wird das Programm mit Schulungen unter anderem zu CAE-Methoden (Computer Aided Engineering), Werkstoffen und Betriebsfestigkeit.

Konferenzen zum persönlichen Austausch

Daneben veranstaltet Carhs jedes Jahr mehrere Konferenzen, auf denen meist über neue Anforderungen der Gesetzgeber und der Verbraucherschützer informiert und diskutiert wird. Bei der Programmgestaltung hilft das große Netzwerk, das Rainer Hoffmann pflegt und stetig ausbaut. Noch heute hat er bspw. Kontakt zu einem seiner Professoren seines Masterstudiums in den USA (Biomechanical Engineering).

So gelingt es dem kleinen, aber schlagkräftigen Team von Carhs (15 Mitarbeiter), die Branchengrößen der Fahrzeugsicherheit für seine Veranstaltungen zu gewinnen: Regelmäßig mit Vorträgen auf den Carhs-Konferenzen präsent sind Vertreter des amerikanischen Insurance Institute for Highway Safety, von Catarc (Chinese Automotive Technology and Research Center) und diverse Vertreter des Euro NCAP (bspw. Bundesanstalt für Straßenwesen, ADAC).

Safety Week als Jahreskonferenz

Die größte Konferenz ist die Safety Week, die in Kooperation mit »Automobil Industrie« jährlich im Mai in Würzburg stattfindet. Auch der Automotive Safety Summit in Schanghai stößt auf großes Interesse: „Wir werden dieses Jahr eine ähnliche Größe erreichen wie in Würzburg“, schätzt Hoffmann. Er geht von mehr als 500 Teilnehmer an der Konferenz im Stadtteil Pudong unweit des Schanghaier Flughafens aus.

Mit den großen Veranstaltungen deckt das Unternehmen die Breite der Themen in der Fahrzeugsicherheit ab. Daneben bietet es über ein halbes Dutzend an Events, die entweder auf ein spezielles Thema fokussiert sind oder ein Update zu den jüngsten Entwicklungen geben. Zudem hat Carhs bereits zweimal gemeinsam mit Daimler den „Safe Roads Summit“ in Indien organisiert. Eine dritte Auflage ist bereits für 2021 geplant.

Onlineportal „SafetyWissen“

Die dritte Säule der Wissensvermittlung ist bei Carhs das Portal „SafetyWissen.com“. Mit ihm will der Dienstleister das Wissen in der Automobilentwicklung für Ingenieure einfach und verständlich zur Verfügung stellen. „Es gibt unzählig viele Gesetzestexte im Bereich Fahrzeugsicherheit – und diese zu lesen ist zeitaufwendig und macht einem Ingenieur wenig Freude“, nennt Hoffmann ein Beispiel.

Es gebe zwar mächtige Suchmaschinen. Doch diese liefern laut Hoffmann die Ergebnisse nicht in der Qualität, wie sie ein Ingenieur benötigt. Außerdem sei „SafetyWissen.com“ mehr als eine Webseite: „Dahinter steckt eine Datenbank, die Wissen aus unterschiedlichen Bereichen zur Verfügung stellt“, erklärt Hoffmann den Anspruch an das Portal. Es sei eine Basis für ein Wissensmanagement-System. Ein solches System könne Wissen aus verschiedenen Quellen kombinieren und den Nutzern über eine Schnittstelle zugänglich machen.

Eigene Daten integrieren

„Es sind allgemein zugängliche Informationen wie etwa gesetzliche Vorschriften, enthält aber auch Wissen, das sich die Unternehmen durch Forschung und Versuche erworben haben, und das nicht frei zugänglich ist“, beschreibt Hoffmann einen Vorteil für die Nutzer. Neben den Testprotokollen und Videos der Verbraucherschützer kann man dort zum Beispiel auch eigene Simulationsdaten und Laborberichte ablegen.

Auf der Jubiläumsfeier gab Rainer Hoffmann noch einen kleinen Ausblick auf seine persönliche Zukunft: Nach über 35 Jahren im Bereich der Fahrzeugsicherheit möchte er mehr Verantwortung an seine beiden Söhne Alexander und Constantin übergeben. Gemeinsam mit Ralf Reuter, Manager Operations, sollen sie die Zukunft von Carhs bilden. Alle drei ergänzen sich durch ihre unterschiedlichen Stärken zu einem erfolgreichen Team – da ist sich Hoffmann Senior sicher.

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 Sven Prawitz

Sven Prawitz

Technikjournalist