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Historie 50 Jahre Boxer – Jubiläum bei Subaru

| Autor / Redakteur: Wolfgang Pester / Thomas Günnel

Den Levorg des Modelljahrs 2017 offeriert Subaru in Deutschland ab August. Freilich mit Allradantrieb und Boxermotor. Womit die Boxermotor-Bauweise ihren 50. Geburtstag feiert. Ein kleiner Rückblick auf den Weg des Allradspezialisten Subaru.

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Die Boxermotor-Bauweise feiert ihren 50. Geburtstag. Allradspezialist Subaru war einer der ersten Hersteller, der die Motoren verbaute. Ein kleiner Rückblick.
Die Boxermotor-Bauweise feiert ihren 50. Geburtstag. Allradspezialist Subaru war einer der ersten Hersteller, der die Motoren verbaute. Ein kleiner Rückblick.
(Bild: Subaru )

Die Redensart „klein, aber fein“ kann für Subaru gelten. Die Marke ist verglichen mit den meisten Automobilherstellern sehr klein, aber seit Jahren hochprofitabel. Subaru, die Automobilsparte der 1953 gegründeten Fuji Heavy Industries (FHI), präsentierte bereits 1954 den ersten Pkw-Prototyp P1. Heute ist Subaru nach eigenen Angaben der weltgrößte Hersteller von allradgetriebenen Pkw. Von den bis dato global abgesetzten über 20 Millionen Pkw des Herstellers fahren weit mehr als 15 Millionen mit Allradantrieb. Seit 1966 produziert die FHI-Sparte Boxermotoren für ihre Pkw, die es bis heute auf eine Stückzahl von rund 16 Millionen Aggregate bringt. Insgesamt auch „klein, aber fein“, wenn noch die Titel der Rallye-Weltmeisterschaften berücksichtigt werden, denn Subaru holte sechs Mal den Weltmeistertitel. Doch vor Allen begann mit dem frontgetriebenen Kompaktwagen Subaru 1000 die Karriere des Boxermotors beim japanischen Hersteller, der bis dahin in Lizenz gefertigte Zweizylinder-Zweitakter und Vierzylinder-Ottomotoren mit Heckantrieb nutzte.

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Boxer- vs. Reihenmotor

Mit der Subaru Limousine 1000 startete bei FHI 1966 der Bau eigener Motoren. Die Ingenieure präsentierten zuvor dem Vorstand drei unterschiedliche wassergekühlte Vierzylinder-Benziner mit 0,8 Liter Hubraum: einen Reihen-, einen V- und einen Boxermotor. Die Wahl bei FHI fiel im direkten Vergleich auf die Boxerbauweise. Die perfekte Balance des Boxers und seine laufruhige Leistungsentfaltung gaben am Ende den Ausschlag, so Subaru. Und das, trotz höherer Produktionskosten für diese Motorenbauart, wobei der dann produzierte 1,0-l-Boxermotor aus teurem, aber leichtem Aluminium war. Damals kostete Aluminium das 14-Fache als das herkömmliche Gussmetall für den Motor.

Von den Vorteilen des Boxermotors gegenüber denen eines Reihen- oder V-Motors sind die Ingenieure von Subaru noch heute überzeugt – vom gleichmäßigeren Lauf durch den guten Ausgleich der Massenkräfte und die daraus resultierende vergleichsweise höhere Laufruhe. Ebenso positiv, die kleineren mechanischen Beanspruchungen durch Spannungen oder Schwingungen sowie die insgesamt geringere Rotation der Massen, weil die Kurbelwelle deutlich kürzer ist. Das Entfallen einer mitunter notwendigen Ausgleichswelle bei Reihen- und V-Motoren ist auch auf der Habenseite. Insgesamt führt die Boxerbauweise zu einem flachen Motor mit einem tieferen und damit besseren Schwerpunkt des Fahrzeugs, wodurch dessen Wankverhalten (Seitenneigung bei Kurvenfahrten) geringer ist. Diese Vorteile sind den japanischen Automobilherstellern wichtiger als die Nachteile der Boxerbauart, wie die höhere Bauteilanzahl und die höheren Produktionskosten. Dass die Ingenieure in Japan weiterhin mit dieser Bauweise planen, bestätigte Volker Dannath, Geschäftsführer der Subaru-Deutschland GmbH, dieser Tage in Friedberg: „Fuji Heavy Industries setzt auch in Zukunft voll auf den Boxermotor. Das gilt auch in Verbindung mit Hybridantrieben.“

Verbreiteter Boxer-Motor

Vor 50 Jahren fiel die Wahl des Boxermotors nicht aus dem Rahmen. Denn im VW Käfer und in Sportwagen von Porsche schlug sich der Boxer zu der Zeit im „Ring“. Die Zuffenhausener setzen noch heute auf Boxer, wobei dieser sich mit dem Rollout des letzten Käfers im Jahr 2003 aus den Wolfsburger Pkw verabschiedete – als Weltmeister, denn mit seinen Modellen brachte es der VW Käfer auf mehr als 21,5 Millionen „Boxer-Einsätze“. Doch damals gab es die Motorenbauweise, abgesehen von solchen in Motorrädern, noch in Autos bei anderen Herstellern: So bei Citroën im 2CV („Ente“) und im GS, ebenso bei DAF sowie bei BMW in den Knutschkugeln 600 und 700, gleichfalls auch bei Alfa Romeo und Lancia.

Der Marktstart der ersten Kompaktlimousine von Subaru sorgte 1966 für Aufsehen in der Branche. Das Besondere am 1000 FWD war nicht allein der Frontantrieb durch den wassergekühlten Vierzylinder-Boxer aus Aluminium und die Einzelradaufhängung des Kleinwagens, sondern auch der vergleichsweise moderate Preis. Der erste Boxermotor von Subaru schöpfte als Vierzylinder-Benziner aus einem Liter Hubraum 40 kW/55 PS und steht am Anfang von bis heute 28 entwickelten Motoren dieser Bauweise. Als Vierzylinder gab es sie mit Hubräumen bis 2,5 Liter und Leistungen bis 195 kW/265 PS, die drei Sechszylinder mit Hubräumen von 3,0 Litern bis 3,6 Liter boten maximal 191 kW/260 PS, werden aber seit etwa vier Jahren nicht mehr produziert – kleine Stückzahlen und hohen Abgasstandards führten zu ihrem Aus. Vierzylinder-Boxer sind heute der Standard bei Subaru und die bieten als Saug- und Turbomotoren mit Hubräumen von 1,6 Liter bis 2,5 Liter ein Leistungsspektrum von 84 kW/115 PS bis 221/300 PS – darunter der 2,0-l-Turbo-Diesel-Direkteinspritzer mit 110 kW/150 PS, der seit 2008 angeboten wird. Der jüngste Boxer, in der Reihe die Nummer 28, ist der 1,6-Liter-Benziner mit Turbo-Direkteinspritzer, der 125 kW/170 PS leistet und ausschließlich den neuen Levorg antreibt – als einziger Motor für den Mittelklassekombi. Der erste Turbo-Benzin-Direkteinspritzer von Subaru erweitert als 2,0-l-Aggregat mit 177 kW/240 PS seit 2013 die Motorpalette des SUV Forester.

Start als Allradmarke 1979

Sechs Jahre nach dem Start der Limousine 1000 trumpfte Subaru 1972 mit dem Allradantrieb im Großserieneinsatz auf. Im Leone Station Wagon 1400 AWD war der Boxer Nr. 3 mit 1,4 Liter Hubraum und 53 kW/72 PS dass Herz für den Vierradantrieb des Kombis, der laut Subaru im bergigen und schneereichen Japan einen Nachfrageboom auslöste und sich schnell auch auf vielen Exportmärkten durchsetzte. Von Vorteil für den Allradantrieb von Subaru ist, dass alle Hauptkomponenten, vom niedrig bauenden Boxermotor, über das Getriebe und den Achsantrieb bis zum hinteren Differenzial, in einer Linie angeordnet sind. Subaru verweist auf den so zu erzielenden gleichmäßigen Antriebsfluss, der frei ist von störenden Einwirkungen, und eine ausgeglichene Gewichtsverteilung sowie ein neutrales Fahrverhalten sichert. Nach Großbritannien im Jahr 1972 kam der Leone Station Wagon 1400 AWD erst 1975 in Europa auf den Markt, nun auch als 1,6-l-Variante mit 60 kW/82 PS.

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Den eigentlichen Start als reine Allradmarke in Europa markiert für Subaru das Jahr 1979. Zunächst mit dem damals wichtigsten 4x4-Markt der Schweiz und dem 1600 4WD (Leone) als Volumenmodell. Der Deutschlandstart folgte erst 1980 mit dem Subaru 1800 4WD mit vier Karosserieversionen – die 1979 eingeführte zweite Leone-Generation – und einem 1,8-l-Vierzylinder-Boxer, der anfangs 59 kW/80 PS Leistung bot. In der Zeit danach folgten 23 Boxermotoren-Entwicklungen. Subaru ist international arriviert und hat eine zufriedene Kundschaft, wie Befragungen immer wieder belegen. Doch klein ist die Marke des großen Konzerns Fuji Heavy Industries weiterhin. So ist denn auch für 2016 das Ziel sicher gesetzt, denn global will Subaru mehr als eine Millionen Autos ausliefern. Das ist nach den 2015 weltweit abgesetzten 940.000 Fahrzeuge nicht ambitioniert. Im letzten Jahr wurde das Gros mit gut 600.000 Neuzulassungen in den USA registriert, rund 40.000 Fahrzeuge in Europa – davon rund 6.500 Autos in Deutschland. Insgesamt hat Subaru seit dem Marktstart in Deutschland bis Ende Juni dieses Jahres exakt 371.212 Fahrzeuge verkauft – fast ausschließlich mit Boxermotoren.

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