„iCar“ Analysten bewerten Apple-Car: Hightech zwischen Tesla und Honda

Von Svenja Gelowicz

Welche Technik in dem Auto des iPhone-Herstellers stecken könnte, haben sich Analysten von IHS Markit angesehen. Nicht in allen Bereichen dürfte der Konzern den etablierten Autobauern überlegen sein.

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Über ein Auto des iPhone-Herstellers keimen immer wieder neue Gerüchte auf.
Über ein Auto des iPhone-Herstellers keimen immer wieder neue Gerüchte auf.
(Bild: Apple)

Vor kurzem kursierten Bilder, genauer gesagt Renderings durchs Netz. Sie sollen zeigen, wie das Apple-Car aussehen könnte. Basis seien eingereichte Patente. Sie stammen vom britischen Leasing-Unternehmen Vanarama und bekamen in den sozialen Netzwerken einiges an Spott ab.

Zudem heizte ein Bericht der Nachrichtenagentur „Bloomberg“ vergangene Woche die Spekulationen um das Auto des iPhone-Herstellers erneut an, die seit einigen Jahren kursieren. Apple würde im Jahr 2025 ein Fahrzeug auf den Markt bringen, das „full self-driving“-fähig sei. „Bloomberg“ berichtet aus vertraulichen Kreisen, dass ein Apple Auto-Chip die bislang fortschrittlichste Komponente sei, die Apple intern entwickelt habe.

Analysten sehen Magna oder LG als Partner

Analysten des Informationsdienstes IHS Markit haben sich dem Apple Car ebenfalls angenommen und dabei eingereichte Patente analysiert. Sie richten ihren Blick in dem Report auf Komponenten und Technik und wie wahrscheinlich es ist, dass der Tech-Gigant sie für sein Auto-Projekt nutzt. Dass das Fahrzeug auf den Markt kommt, sei „zum jetzigen Zeitpunkt zu über 50 Prozent“ wahrscheinlich. Denn, so schreiben die Analysten, mit den Sektoren die Apple bislang bedient, würde der Konzern kein bedeutendes Wachstum mehr erzielen können. Im laufenden Jahr hat Apple über 300 Milliarden Dollar Umsatz eingefahren.

Einen Marktstart im Jahr 2024, wie häufig in Berichten zu lesen ist, halten die Autoren für sportlich. Das deute indessen daraufhin, dass Apple eine vorhandene Plattform nutzt – beispielsweise von einem Autobauer oder einem Fertigungspartner. Die Analysten schreiben einer Kooperation mit Partnern wie dem kanadisch-österreichischen Auftragsfertiger Magna sowie dem Elektronikkonzern LG mehr Chancen zu als einer mit einem Autobauer. Damit dürften die Stückzahlen nicht höher als 150.000 Einheiten jährlich sein. Ihrer Ansicht nach dürfte das Fahrzeug familienorientiert sein und zwischen einem Tesla Model X und einem Honda SUV e-Concept liegen.

Für verschiedene Technikfelder könnte Apple als Marktführer oder Verfolger antreten. Die Analysten rechnen allerdings nicht damit, dass Apple Fahrzeuge auf den Markt bringt, die auf dem Automatisierungslevel 4 stehen; also hochautomatisiert fahren können. Sie halten es für wahrscheinlicher, dass die Funktionen auf Stufe 2, 2 plus oder 3 beginnen. Daher sehen sie Apple im Widerspruch zu den Berichten von Bloomberg eher in einer Verfolgerposition beim autonomen Fahren.

Wo Apple in Führung gehen würde

Eine Führungsrolle würde Apple mit hoher Wahrscheinlichkeit bei der Vernetzung einnehmen. Das Ökosystem aus hauseigenen Apps und der Cloud-Plattform spielten mit großer Wahrscheinlichkeit eine wichtige Rolle. „Es liegt nahe, dass Apple seinen App Store einbindet. Es ist aber auch sehr wahrscheinlich, dass Apple versuchen wird, einen entwicklungsfreundlichen Rahmen für die Zertifizierung von Automobil-fähigen Anwendungen für das Fahrzeug zu schaffen“, heißt es in dem Report weiter.

Auch bei der Kommunikation mit der Infrastruktur würde Apple vermutlich vorne mitspielen. Bei den Patenten in dem Bereich sei Apple „aggressiv“.

Die Analysten haben sich weiter auch die Bereiche Halbleiter, Software und User Interface sowie User Experience angesehen. In allen drei Feldern würde Apple ebenfalls eine führende Rolle bei der Technik einnehmen.

Tiefere Kontrolle bei Software angestrebt

Bei der Software dürfte Apple wie üblich auf hauseigene Funktionen setzen. Die enge Integration von Hardware, Software und Diensten sei der Schlüssel zu Apples Designphilosophie. Es sei davon auszugehen, dass die Software-Strategie von Apple im Automobilbereich eine tiefere Kontrolle über den Stack als bei den meisten anderen Automobilherstellern umfassen wird. Das schließe das Betriebssystem, Middleware und Analyse- sowie Konnektivitätsfunktionen ein.

Das Armaturenbrett, Mittelkonsole oder Lenkrad seien mit hoher Wahrscheinlichkeit ähnlich wie bei Tesla sehr minimalistisch mit wenig Tasten. Ein Kombiinstrument sei unwahrscheinlich. Apple habe eine „hohe Patentaktivität“ im Bereich Head-up-Displays und Augmented Reality. Daher sei sehr wahrscheinlich, dass ein Apple Car Platz für ein Head-up-Display mit Augmented Reality mache. Die Analysten nennen Samsung, das chinesische Unternehmen BOE sowie den US-amerikanischen Technologiekonzern 3M als mögliche Partner bei Displays.

Wo Apple eher dem Markt folgen muss

Bei Batterien, Materialien und Karosserie sei Apple den etablierten Autobauern unterlegen. IHS Markit sieht beim Batteriedesign große Unterschiede je nachdem, ob Apple das Fahrzeug gänzlich selbst entwickelt und durch einen Auftragsfertiger wie Foxconn oder LG Magna e-Powertrain herstellen lässt – oder eine Plattform anderer Autobauer nutzt. Als Zelllieferant sieht IHS Markit den südkoreanischen Energie- und Chemiekonzern SK Innovation als passenden Kandidaten.

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