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Fahrbericht

Audi A1 Sportback: Teures Vergnügen

| Autor: Jens Scheiner

Audi hat sein kleinstes Modell überarbeitet: neue Plattform, neue Assistenten, neue Optik und neue Motoren. Das alles hat seinen Preis. Zurecht? Wir haben den neuen Audi A1 Sportback getestet.

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Wir haben den neuen Audi A1 Sportback in der S-Line mit 110 kW/150 PS getestet.
Wir haben den neuen Audi A1 Sportback in der S-Line mit 110 kW/150 PS getestet.
(Bild: Jens Scheiner/»Automobil Industrie«)

Nach acht Jahren hat Audi den A1 rundum erneuert. Der Kleinwagen teilt sich nicht nur die MQB-A0-Plattform mit den Konzernbrüdern Seat Ibiza und VW Polo. Er bekommt auch das Infotainmentsystem samt Assistenzsystemen aus der Oberklasse sowie Designelemente einer Motorsportikone: dem Audi Sport Quattro.

Dank der neuen Plattform wächst die zweite Generation des Audi A1 auf über vier Meter und wirkt optisch nun wesentlich erwachsener: Die Silhouette ist deutlich aggressiver gezeichnet als noch bei seinem Vorgänger. Der Babyspeck ist kantigen und scharfen Linien gewichen.

In der von uns getesteten S-Line-Ausstattung trägt der Kleinwagen zudem größere, zum Teil allerdings nur angedeutete Lufteinlässe sowie zusätzliche Schwellerleisten. Mit der verbreiterten Spur, den kürzeren Überhängen und der tieferen Schulterlinie liegt der Kleinwagen nun auch satter auf der Straße.

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Neben der Lichtgrafik der Heckscheinwerfer, die sich auch in den flachen LED-Scheinwerfern vorne wiederfinden, fällt am Heck besonders der größere Heckflügel auf, der den sportlichen Eindruck des Sportback unterstreichen soll. Gleiches gilt für die Frontpartie des A1: Der sechseckige Singleframe-Grill, der nun deutlich tiefer platziert ist sowie die drei Lufteinlass-Schlitze drüber, sollen an den „Audi Sport Quattro" von 1984 erinnern. Neben diesem Designelement hat der kleine A1 zwar nichts mit der Ralley-Ikone gemein, aber der von uns getestete 1,5-Liter-Vierzylinder mit 110 kW/150 PS vermittelt auf dem Asphalt dennoch Renngefühle.

Kraftvoller Antrieb und ausgewogenes Fahrwerk

Denn das Aggregat reagiert spontan und kraftvoll auf kleinste Bewegungen des Gaspedals. Die 250 Newtonmeter Drehmoment stehen bereits ab 1.500 Touren zur Verfügung. Das beschleunigt ihn in 7,7 Sekunden auf Tempo 100. Zwar wird man dabei nicht wirklich in die Sitze gepresst aber Fahrspaß kommt dennoch auf, denn der Soundgenerator begleitet den Sprint auf Wunsch mit einem kernigen Knurren der Auspuffanlage.

Hinzu kommt, dass die ausgesprochen komfortable Fahrwerksabstimmung im Dynamik-Betrieb zwar straffer wird, aber nicht unbequem. Spontane Richtungswechsel absolviert der Sportback ebenso souverän wie schnelle und langgezogene Kurvenfahrten.

Beim Preis überfährt unser Testwagen eine Grenze.

Dazu trägt auch die direkte Lenkung bei, die einen guten Kontakt zur Fahrbahn vermittelt. Und auch das flott und weich schaltende 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe macht seine Arbeit gut. Es schaltet die Gänge punktgenau durch, sodass auf dem Weg in den nächsten Gang keine Kraft verloren geht. Daneben soll der kleine Flitzer eine Spitzengeschwindigkeit von 222 km/h erreichen.

Auf unseren Testfahrten haben wir uns mit 201 km/h zufriedengegeben, da dem A1 im oberen Drehzahlbereich die Luft ausgeht. Dafür steigt dann der Verbrauch deutlich an: Auf der Autobahn waren es dann doch durchschnittliche 8,9 Liter auf 100 Kilometern.

Zylinderabschaltung und aktives Fahrwerk

Dass der Kleine auch sparsam und komfortabel kann, beweist er Abseits der Autobahn: Hier liegt der kombinierte Verbrauch von 6,3 Liter nur 1,2 Liter über dem angegeben Verbrauch von Audi. Mitverantwortlich für den geringeren Verbrauch ist unter anderem die automatische Zylinderabschaltung, die zwischen 1.400 und 3.200 Touren aktiv wird.

Für mehr Komfort auf Kopfsteinpflaster sorgt ein Knopfdruck im „Dynamikpaket“: Für 950 Euro extra sind schaltbare Dämpfer sowie das „Drive-Select-System“ enthalten, mit dem sich am Bildschirm die Einstellungen der Dämpfer, der Lenkung und der Gasannahme frei konfigurieren lassen. So stellt das System die unterschiedlich Parameter für ein komfortables Gleiten im Stadtverkehr ein. Fahrbahnunebenheiten wie Schlaglöcher oder Temposchwellen federt das Fahrwerk gekonnt weg. Dabei ist der Abrollkomfort ebenfalls einwandfrei.

Klein, aber nicht zu eng

Gleiches gilt für die Dämmung im Innenraum: Selbst bei Tempo 160 dringen kaum Fahrgeräusche in den Innenraum. Somit sind Gespräche mit den „Hinterbänklern“ ohne Schreierei machbar. Apropos zweite Reihe: Da Audi den A1 ausschließlich als Fünftürer anbietet ist der Einstieg in den Fond selbst mit einer Körperlänge von 1,80 Meter ohne größeres Verbiegen möglich. Zwar sind kleinwagentypisch die Bein-, Schulter- und Kopffreiheit etwas eingeschränkt, aber wer dem deutschen Durchschnittsmaß angehört, hat nichts zu befürchten.

Jedoch empfehlen wir nur mit zwei Passagieren auf der Rückbank zu reisen. Andernfalls könnten längere Ausflüge zur Qual werden, obwohl die Sitze sehr bequem sind und den nötigen Seitenhalt geben. Das gilt auch für das vordere Gestühl, wobei diese in der „S-Line-Austattung“ noch besser konturiert sind. Insgesamt ist die Verarbeitung im Innenraum markentypisch hochwertig.

Auch die Materialauswahl mit Alcantara-Kunstleder und Elementen in Aluoptik ist gelungen. Lediglich in den Bereichen der Türinnenverkleidung und über dem Tacho schimmert hartes, schwarzes Plastik in Kunstlederoptik durch.

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Technisch auf neuem Stand

Das ist allerdings verzeihbar, denn dafür ist der A1 auf dem aktuellen Stand in Sachen Assistenzsysteme: Im dichten Verkehr auf der Autobahn A3 vor einer der zahlreichen Baustellen hat der Stauassistent zuverlässig reagiert, genau wie die umfangreiche Sicherheitsallianz aus „Pre-Sense-“Assistenten, serienmäßigem Spurhalte- und Notbremsassistenten und Adaptivtempomaten. Auch die Verkehrzeichenerkennung hat im Baustellenbereich mit ein paar Ausnahmen die Geschwindigkeitslimits- sowie deren Aufhebung zuverlässig erkannt.

Ebenfalls top ist der kleine Audi im Bereich Infotainment, Multimedia und Connectivity. Egal, ob Darstellung via Google Earth, Echtzeit-Verkehrsmeldungen sowie Parkplatz- und Tankstelleninformationen; das alles ist online möglich.

Gutes Infotainment, happiger Preis

Daneben lässt sich das iPhone einfach über „CarPlay“ von Apple über den 8,8 Zoll großen Touchdisplay starten. Ebenso wie die Navigation, die sich auch über den Sprachassistenten aktivieren lässt. Dieser befolgt die Befehle mal mehr, mal weniger gut. Insgesamt ist die Bedienung des Infotainmentsystems recht simpel. Funktionen lassen sich einfach finden und ansteuern. Dennoch schätzen wir die klassischen Tasten, Kippschalter und Rädchen beispielsweise für die Klimaanlage, auch weil sich diese in ihrer Anzahl in Grenzen halten.

Eine Grenze überfährt der Audi A1 Sportback 35 TFSI S-Line allerdings beim Preis. Trotz aller Technikfeatures und Co. darf man nicht vergessen, dass wir immer noch über einen Kleinwagen sprechen. Während der Grundpreis beim 25 TFSI mit Handschalter bei knapp 20.000 Euro liegt, kommt unser Testwagen in der Grundausstattung auf 27.350 Euro. Mit einigen Häkchen der endlos langen Sonderausstattungsliste kratzt der turboblaulackierte A1 Sportback an der 40.000 Euro-Marke. Kein günstiges Vergnügen, aber eines das Spaß macht.

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Über den Autor

 Jens Scheiner

Jens Scheiner

Redaktioneller Mitarbeiter Online/Print, Redaktion AUTOMOBIL INDUSTRIE