Fahrbericht

VW Polo: Der Normalo

| Autor: Sven Prawitz

Der VW Polo VI ist seit Herbst 2017 auf dem Markt.
Der VW Polo VI ist seit Herbst 2017 auf dem Markt. (Bild: Sven Prawitz/»Automobil Industrie«)

Der VW Polo war viele Jahre Garant für gute Umsatzzahlen – jetzt fällt er bei Volkswagen kaum noch auf. Zu sehr setzt die Marke auf SUVs in allen Segmenten. Was zeichnet die sechste Generation des Kleinwagens aus – außer einer erstaunlichen Aufpreisliste?

Die »Automobil Industrie«-Redaktion konnte im Jahr 2018 einige außergewöhnliche Fahrzeuge testen: darunter Modelle wie Chevrolet Camaro, Hyundai i30N, Honda Civic Type R, Seat Leon ST Cupra und Porsche Cayenne Turbo. Dagegen wirkt der VW Polo banal und normal.

Selbst in der Modellpalette bei Volkswagen fallen Polo und Golf kaum mehr auf – beide Fahrzeuge sind seit Jahrzehnten immerhin die Wachstumsgaranten des Konzerns. Doch längst liegt der Fokus auf der Riege der großen „T“– Touareg, Tiguan, T-Roc und T-Cross.

Das zeigt sich mittlerweile auch in den Absatzzahlen: In Deutschland liegt der Polo mit knapp 59.000 Neuzulassungen lediglich auf Platz vier der VW-Modelle. Hinter dem Golf (180.207 Stück von Januar bis Oktober 2018 laut KBA), Tiguan (66.072), Passat (60.160). Immerhin führt der Polo noch das Segment der Kleinwagen an – vor dem Mini und dem Opel Corsa.

VW-Modelle: Polo VI größer als Golf III

Der Polo ist nun bereits in der sechsten Generation. Eine Konstante des Kleinwagens ist sein stetes Wachstum von Generation zu Generation. Mit einer Länge von 4,05 Metern ist er 33 Millimeter länger als der Golf III. Die Breite liegt mittlerweile bei 1,75 Meter und die Höhe bei 1,46 Meter. Die Insassen haben somit mehr Platz und der Kofferraum fasst 351 Liter, ein Plus von 71 Liter gegenüber dem Vorgänger (1.125 Liter bei umgeklappter Rücksitzlehne).

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Deutlich aufgefrischt wurde der Innenraum. Erstmals erhält der Polo digitale Instrumente (optional). Das Infotainment-System läuft auf einem bis zu acht Zoll großen Bildschirm. Unser Testwagen hatte mit „Highline“ die höchste Ausstattungslinie. Diese ist gut 5.000 Euro teurer als die Basisvariante „Trendline“ und hat dafür unter anderem 15-Zoll-Leichtmetallräder, Sitzheizung vorne, Klimaanlage, einen Make-up-Spiegel und eine Warnleuchte für den Waschwasserstand inklusive. Außerdem kommt bei der besser ausgestatteten Variante die TSI-Version (70 kW) des 1,0-Liter-Motors mit 15 extra PS zum Einsatz.

Lange Aufpreisliste für den Polo Nummer 6

Die Aufpreisliste setzt sich aus 24 weiteren Punkten zusammen. Darunter ein Sportfahrwerk mit Fahrprofilauswahl (440 Euro), eine automatische Distanzregelung mit Umfeldbeobachtung (255 Euro), ein Modul für das Digitalradio (245 Euro), LED-Scheinwerfer vorne (985 Euro) und hinten (200 Euro) sowie eine Rückfahrkamera (280 Euro). Unser Testwagen kommt mit Sonderausstattung auf einen stattlichen Gesamtpreis von 26.480 Euro. Was kostet die einfachste Variante? Nun: Das günstigste Basismodell ist für 13.500 Euro zu haben.

Der TSI Motor verbraucht laut VW 4,6 Liter je 100 Kilometer (nach WLTP). Der kombinierte Verbrauch nach NEFZ wurde mit 4,4 Liter auf 100 Kilometer angegeben. Die 95 PS sind völlig ausreichend für das Stammmetier des Polo: Die Innenstadt und Kurzstrecken im Allgemeinen. Dort fährt sich der Kleinwagen flott und agil.

VW Polo 6: So klein, so gut

So normal der Polo ist, so gut ist er auch. Optisch ist es noch immer das gelungenste Modell von Volkswagen. Die von VW eingeführte Designsprache wird beim Polo fortgesetzt, passt bei diesem Modell jedoch besser als bei jedem anderen Fahrzeug der Marke aus Wolfsburg. Kleinwagen scheinen noch immer in der DNA von VW zu stecken.

Dem Image des OEMs würden etwas mehr Bescheidenheit und die Rückbesinnung auf die Stärken der kleineren Modelle sicherlich gut tun. Uns gefällt der kleine VW. Nur die Preise für die Sonderausstattung sind deutlich höher als beispielsweise beim Ford Fiesta.

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