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Audi eröffnet Q5-Werk in Mexiko

| Autor/ Redakteur: Claus-Peter Köth / Thomas Günnel

Am 30. September eröffnete Audi im mexikanischen San José Chiapa im Bundesstaat Puebla sein neues Werk. Ab sofort wird dort die neue Generation des Q5 für den Weltmarkt produziert.

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Neues Werk, neues Auto, neue Mitarbeiter, neue Zulieferer: Ab sofort rollt im mexikanischen San José Chiapa der neue Audi Q5 vom Band.
Neues Werk, neues Auto, neue Mitarbeiter, neue Zulieferer: Ab sofort rollt im mexikanischen San José Chiapa der neue Audi Q5 vom Band.
(Bild: Audi/Mao Carrera)

Neues Werk, neues Auto, neue Mitarbeiter, neue Zulieferer: Ab sofort rollt im mexikanischen San José Chiapa der neue Q5 vom Band – auf 2.400 Metern über dem Meeresspiegel. „Heute ist die Geburtsstunde der Premium-Autoproduktion in Mexiko! Mit Audi setzt die erste Premiummarke voll und ganz auf dieses Land, auf seine Zulieferer, auf seine Menschen“, mit diesen Worten begrüßte Audi-CEO Rupert Stadler in perfektem Spanisch die Gäste der Eröffnungsfeier. „Das Werk in Mexiko ist ein Meilenstein unserer Unternehmensgeschichte und ein wichtiger Internationalisierungsschritt. Es zählt zu den modernsten auf dem amerikanischen Kontinent. Wir etablieren mit dem Standort ein wichtiges Drehkreuz für den Export unserer Automobile in die ganze Welt“, so Stadler weiter.

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Lieferantenpark in Werksnähe

Für Audi sei die Fabrik mehr als eine finanzielle Investition von über eine Milliarde Euro. Man investiere auch für die Menschen der Region. Aktuell beschäftigt Audi México rund 3.300 Mitarbeiter – 240.000 Menschen hatten sich beworben. Insgesamt sollen 4.200 Arbeitsplätze entstehen. Hinzu kommen zahlreiche weitere qualifizierte Arbeitsplätze bei Zulieferern und Dienstleistern. Audi spricht unterm Strich von 20.000 Arbeitsplätzen im wirtschaftlichen Umfeld des Werkes. Gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen Dr. Hubert Waltl (Produktion und Logistik sowie Verwaltungsratsvorsitzender von Audi México), Thomas Sigi (Personal und Organisation) und Dr. Bernd Martens (Beschaffung), Alfons Dintner, Vorsitzender der Geschäftsführung Audi México, sowie dem mexikanischen Bundeswirtschaftsminister Ildefonso Guajardo Villarreal, dem Gouverneur des Bundesstaats Puebla, Rafael Moreno Valle, und Josué Martínez Santos, dem Bürgermeister von San José Chiapa, gab Stadler das Signal für den offiziellen Produktionsstart des neuen Audi Q5.

Zusätzlich entstand in unmittelbarer Nähe der Fabrik ein JIS-Lieferantenpark. Pünktlich zum Produktionsstart des Audi Q5 haben sich dort fünf Zulieferer und zwei Logistikdienstleister angesiedelt. Zum Produktionsstart bezieht Audi mehr als 70 Prozent der Teile aus dem NAFTA-Raum und plant, diesen Lokalisierungsanteil langfristig auszubauen. Insgesamt steuern mehr als 100 Lieferanten Teile für den Audi Q5 von einem mexikanischen Standort bei.

Paradebeispiel für Smart Factory

Bei der Fabrikplanung setzte Audi modernste Technologien ein. Das Werk entstand zunächst detailgetreu im virtuellen Raum, in dem Fabrikplaner aus unterschiedlichen Standorten gleichzeitig an der Werkstruktur arbeiten konnten. So errichtete Audi auf einer Fläche von 400 Hektar – 200 Hektar aktuell, 200 Hektar Erweiterung – in der Rekordzeit von nur dreieinhalb Jahren eine vollständige Automobilfabrik mit Presswerk, Karosseriebau, Lackiererei und Montage. Moderne Anlagen in der Fertigung und eine effiziente Logistik sollen ein jährliches Produktionsvolumen von zunächst 150.000 Audi Q5 garantieren. „Unser Werk in Mexiko ist ein Paradebeispiel für die Audi Smart Factory. Es ist der erste Standort, den wir komplett virtuell geplant und in Betrieb genommen haben“, erklärte Audi-Produktionsvorstand Waltl. „Wir haben die gesamte Prozesskette optimiert und das Werk 30 Prozent schneller in Betrieb genommen als üblich.“ Das sei Rekord in der Automobilbranche. Zudem wird das Werk dank verschiedener Wasseraufbereitungen und dem Einsatz neuer Technologien in der Lackiererei abwasserfrei sein. Neue Anlagen reduzieren Wasser-, Gas- und Stromverbrauch erheblich und ermöglichen die ressourceneffiziente Produktion.

„Wir fertigen den neuen Audi Q5 hier in bewährter Premium-Qualität – nach den weltweit gültigen Standards des Audi-Produktionssystems. Dabei richten wir unsere Prozesse stets nach Kundentakt aus. In genau diesem Takt stellen wir die benötigten Informationen und Teile bereit. Jeder Schritt baut auf dem anderen auf. Damit nur einwandfreie Teile von einer Station zur nächsten gelangen, fertigen wir mit höchster Präzision. Unsere neuen mexikanischen Mitarbeiter haben wir vor Ort und an unseren Standorten in Deutschland mit diesen Standards bestens vertraut gemacht“, ergänzte Waltl.

Gerade sei man dabei, weitere digitale Technologien und Elemente der Smart Factory bei Audi México in der Realität zu verwirklichen. „Nehmen Sie Pilotprojekte wie das vorausschauende Instandhaltungstool. Diese intelligente Technologie sagt die Lebensdauer von Werkzeugen, Anlagen und Maschinen durch automatische Analysen vorher und unterstützt unsere Techniker bei Wartungsarbeiten“, so Waltl. Weitere smarte Projekte, an denen Audi aktuell arbeitet, sind unter anderem: das papierlose Steuern der Materialversorgung in der Montage, intelligente Regale in der Logistik sowie intelligente Brillen in der Fertigung. Durch die smarten Brillen können die Mitarbeiter zum Beispiel den Status von Maschinen erfassen. Diesen melden sie automatisch der Schaltzentrale des Werks. Daraufhin projiziert die Brille den Mitarbeitern entsprechende Arbeitsanweisungen – beispielsweise zur Wartung – direkt vors Auge.

Moderne Technik für hohe Qualität

Im zentralen Produktionsleitstand, kurz P-Leitstand, arbeiten insgesamt 105 Mitarbeiter aus verschiedenen Fachbereichen und kontrollieren die Entstehung des neuen Audi Q5 aus der Vogelperspektive. In Kombination mit dem Qualitätslabor und dem Trainingscenter will Audi so seinen weltweit gültigen Qualitätsstandard sicherstellen. Auf einer Fläche von 400 Quadratmetern überwachen die Mitarbeiter des P-Leitstands in drei Schichten die Produktion des Q5. Erstmals sind fünf Leitstände zusammengefasst, die an anderen Audi-Standorten oftmals noch räumlich getrennt voneinander sind. „Der zentrale P-Leitstand ist der modernste in unserem Produktionsverbund und steht sinnbildlich für die Audi Smart Factory“, kommentiert Waltl. „Die Zusammenlegung einzelner Schnittstellen ermöglicht, dass die verschiedenen Kontrollzentren effektiv und direkt miteinander kommunizieren. Dadurch erkennen wir frühzeitig kleinste Abweichungen und können rechtzeitig reagieren.“ Auch Kollegen in Ingolstadt können sich per Fernzugriff auf den Leitstand von San José Chiapa aufschalten, um fachliche Unterstützung zu leisten.

Natürlich hat Audi México auch ein eigenes Qualitätslabor. „Alle Bauteile durchlaufen verschiedenste Laborprüfungen. Dadurch erfüllen wir weltweit den Audi-Premiumanspruch“, betont Alfons Dintner, Vorsitzender der Geschäftsführung von Audi México. Im Lichtstudio etwa prüfen Experten der Qualitätssicherung die Bauteile im Innenraum des neuen Q5 unter verschiedenen Lichteinflüssen beim sogenannten Color-Matching. Ziel ist es, den perfekten Farbeindruck über unterschiedliche Materialien hinweg sicherzustellen. Außerdem verfügt das Werk über drei Meisterböcke. Hier wird die Feinstabstimmung der einzelnen Bauteilkomponenten mittels modernster taktiler und optischer Messtechniken vorgenommen.

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Trainingscenter direkt am Werk

Die entscheidenden Qualifikationen für ihre Tätigkeit in P-Leitstand und Qualitätslabor erhalten die Mitarbeiter im Audi-Trainingscenter. Das 20.000 Quadratmeter große Gebäude für Aus- und Weiterbildung liegt direkt am Werk in San José Chiapa. Sämtliche Mitarbeiter von Audi México durchlaufen hier spezifische Trainings, die exakt auf ihren späteren Einsatz im Werk zugeschnitten sind. Im Trainingscenter stehen dabei dieselben Technologien zur Verfügung, die auch im Werk genutzt werden. „In Zusammenarbeit mit der Universidad Tecnológica de Puebla haben wir hier eine Einrichtung geschaffen, in der wir unsere mexikanischen Mitarbeiter auf globalem Audi-Niveau qualifizieren. So bereiten wir Audi México optimal auf die Herausforderungen der Zukunft vor“, erläuterte Audi-Personalvorstand Thomas Sigi. Über 5.400 Schulungen haben bis heute stattgefunden. Im Durchschnitt nehmen etwa 1.800 Mitarbeiter an Sprachkursen teil.

Darüber hinaus hat Audi mehr als 750 mexikanische Impatriates im Vorfeld an den deutschen Standorten geschult und mit erfahrenen Paten begleitet. Für junge Talente gibt es bei Audi México vielfältige Einstiegsmöglichkeiten, etwa die duale Ausbildung mit rund 80 Ausbildungsplätzen pro Jahr, das Praktikantenprogramm, das Stipendienprogramm EMA (Estudiantes Mexicanos en Alemania) oder das neue „Programa de Especialistas“, ein Qualifizierungsprogramm für Berufseinsteiger und Bewerber mit erster Berufserfahrung. Außer in Mexiko wird der neue Audi Q5 nur noch in China und Indien jeweils für den lokalen Markt produziert – in Indien mit den fertiglackierten Karosserien aus San José Chiapa. In Deutschland und weiteren europäischen Ländern kommt das SUV Anfang 2017 zu den Händlern. Der Grundpreis zu Verkaufsstart beträgt 45.100 Euro für den 2.0 TDI 120 kW Quattro S-Tronic.

Die Highlights der Werkseröffnung

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