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Bilanzpresskonferenz Bosch: Verhaltener Ausblick des selbsternannten Klimaschützers

| Autor: Christian Otto

Bosch präsentierte heute seine Zahlen. Derzeit erfolgreich, aber mit Skepsis, schauen die Stuttgarter auf das laufende Jahr. Diese resultiert aus der Schwäche des internationalen Automobilsektors. Trotzdem verschreibt sich Bosch parallel eine CO2-Neutralisierung für seine Standorte bis 2020.

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Auf der Bilanzpressekonferenz kündigte die Bosch-Geschäftsführung selbstbewusst an, ab dem Jahr 2020 das erste klimaneutrale Industrieunternehmen zu sein.
Auf der Bilanzpressekonferenz kündigte die Bosch-Geschäftsführung selbstbewusst an, ab dem Jahr 2020 das erste klimaneutrale Industrieunternehmen zu sein.
(Bild: Bosch )

Wer in den vergangenen Jahren die Bilanzpressekonferenzen von Bosch verfolgt hat, durfte sich immer auf zwei Dinge verlassen: Zum einen fiel der Rückblick auf das Geschäftsjahr immer sehr gut aus und zum anderen blickte der Technologiekonzern auch immer sehr optimistisch in die Zukunft. Diese Beständigkeit konnte Bosch in diesem Jahr nicht liefern.

Dabei lesen sich die aktuellen Zahlen ganz gut. „Das Geschäftsjahr 2018 war für die Bosch-Gruppe ein erfolgreiches Jahr“, erklärt Stefan Asenkerschbaumer, Finanzchef und stellvertretender Vorsitzender der Bosch-Geschäftsführung. Umsatz und Ergebnis lagen erneut auf dem hohen Niveau von 2017. Der Umsatz erreichte 78,5 Milliarden Euro. Wechselkursbereinigt stieg der Umsatz ohne Konsolidierungseffekte um fünf Prozent, nominal um 2,2 Prozent. Das operative Ergebnis vor Finanzergebnis und Steuern (operatives EBIT) erreichte 5,5 Milliarden Euro nach 5,3 Milliarden Euro im Vorjahr.

Bosch und der kriselnde Automobilsektor

Alle Unternehmensbereiche von Bosch haben laut Asenkerschbaumer 2018 zum guten Geschäftsverlauf beigetragen: So stieg beispielsweise der Umsatz im Unternehmensbereich Mobility Solutions um 3,5 Prozent auf 47,6 Milliarden Euro, wechselkursbereinigt ein Plus von 5,8 Prozent. Damit sei der Automobilzulieferer in dem Bereich erneut stärker gewachsen als die weltweite Automobilproduktion. Hier hatte der Konzern 2018 ein leichtes Wachstum erwartet. Sie sank jedoch um rund ein Prozent auf 97,3 Millionen Fahrzeuge. Dafür sorgte vor allem war die erstmals seit Jahrzehnten rückläufige Automobilproduktion in China.

Für 2018 investierte Bosch in Forschung- und Entwicklung rund sechs Milliarden Euro. Drei Viertel der F&E-Kosten entfallen auf den Unternehmensbereich Mobility Solutions. Wichtige Themen waren hier Vorleistungen für Elektrifizierung, für das automatisierte Fahren, Anzeige- und Infotainmentsysteme sowie Sensorik.

So sehr man das Geschäftsjahr 2018 noch als „gut“ bewertet, beim Blick auf 2019 ist das Bosch-Top-Management deutlich verhaltener. Besonders betroffen von der abflauenden Konjunktur sei der größte Markt von Bosch, der Automobilsektor. „Wir erwarten bei der Automobilproduktion ein Minus von drei Prozent auf 94,7 Millionen Fahrzeuge. Damit werden die Produktionszahlen erstmals seit der Finanzkrise in zwei aufeinanderfolgenden Jahren rückläufig sein und voraussichtlich unter das Niveau von 2016 fallen“, erklärt der Finanzchef Asenkerschbaumer. Dieser Trend betreffe alle Regionen.

Bosch-Projekt „Vision Near Zero Immission“

Trotz dieser kurzfristig eher ungünstigen Perspektiven will die Bosch-Gruppe beim Klimaschutz und der Luftqualität eine Vorreiterrolle einnehmen und auch investieren. Ganz konkret kündigt Volkmar Denner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, eine Bosch-bezogene CO2-Senkung an: „Wir sind das erste große Industrieunternehmen, das das ehrgeizige Ziel der CO2-Neutralstellung in nur gut einem Jahr realisiert. Ab 2020 wird Bosch keinen CO2-Fußabdruck mehr hinterlassen“, kündigte Denner an. „Alle 400 Bosch-Standorte rund um den Globus werden von 2020 an klimaneutral sein.“

Neben der CO2-Neutralisierung im Konzern verfolgt Bosch nun auch das Projekt „Vision Near Zero Immission“. Dieses soll drei Säulen umfassen: die Entwicklung schadstoffarmer Antriebstechniken, die Durchführung von Projekte zur Verkehrsverstetigung mit Kommunen, ein betriebliches Mobilitätsmanagement an den eigenen Standorten.

Konventionelle Antriebe bleiben laut Bosch

In den Abgesang des Verbrenners will Bosch aber nicht einstimmen. Auch 2030 werden nach Schätzung des Unternehmens demnach rund 75 Prozent aller neuen Pkws und leichten Nutzfahrzeuge von einem Verbrenner angetrieben. Deshalb investiere Bosch weiterhin hohe Summen in die Optimierung von Benzin- und Dieselantrieben. Dafür nutze man auch künstliche Intelligenz. Mit ihrer Hilfe will Bosch beispielsweise vorausschauend die Abgasnachbehandlung nach Mustern steuern, die sich aus dem individuellen Fahrverhalten ergeben. Rund 3.500 Mitarbeiter in den Bereichen Abgasnachbehandlung und Abgassensorik erwirtschafteten 2018 einen Umsatz von 2,3 Milliarden Euro. 2025 sollen es bereits drei Milliarden Euro sein.

Bei Bosch fallen Arbeitsplätze weg

Trotzdem sind hier auch Einschnitte bei der Belegschaft zu erwarten: „Es gibt eine deutliche Verschiebung der Anteile von Diesel in Richtung Benziner. Damit verbunden werden auch Arbeitsplätze entfallen. Wir wollen aber die Demografiekurve nutzen, um den Arbeitsplatzabbau sozialverträglich zu managen“, sagt Stefan Hartung, der den Bereich Mobility Solutions leitet. Projekte zum Diesel wurden durch die OEM-Kunden nicht storniert, erklärte der Manager: „Viele Modelle fahren noch mit Diesel. Wir sehen da noch eine signifikante Produktionsnachfrage.“ Deshalb hatte man im letzten Jahr auch den Durchbruch bei der Verbesserung der Dieseltechnologie so stark kommuniziert. Bosch hatte 2018 eine Abgasreinigung vorgestellt, die mit nur 13 mg NOx pro Kilometer, die Stickoxid-Probleme lösen soll. Diese Technik habe man nun noch robuster gemacht, das heißt auch für starke Beschleunigung oder Autobahnfahrten abgesichert.

Parallel strebt Bosch laut eigener Angaben im entstehenden Massenmarkt der Elektromobilität die Marktführerschaft an. 2025 will das Unternehmen mit E-Mobilität fünf Milliarden Euro Umsatz erzielen, zehnmal so viel wie 2018. Schon jetzt seien mehr als eine Million Elektroautos weltweit mit Antriebskomponenten von Bosch unterwegs, Ende 2022 sollen es 14 Millionen sein. Das Unternehmen hat bereits für 50 Elektrofahrzeug-Plattformen Powertrain-Projekte realisiert. Allein im vergangenen Jahr kamen nach Unternehmensangaben 30 neu akquirierte Projekte hinzu.

Bessere Luftqualität durch Brennstoffzelle und automatisiertes Fahren

„Wir wollen auch der Brennstoffzellentechnik zum Durchbruch verhelfen“, unterstrich Denner. Dazu hat Bosch kürzlich eine Kooperation mit Powercell angekündigt, einem schwedischen Hersteller von Brennstoffzellen-Stacks. Stacks machen zwei Drittel des Werts eines Brennstoffzellen-Systems aus. „Gemeinsam mit Powercell wollen wir Stacks industrialisieren und spätestens 2022 auf den Markt bringen“, wiederholte Denner nochmals während seiner Rede auf der Bilanzpresskonferenz. Die Brennstoffzelle biete zudem ein anderes Potenzial als die Batterietechnik. Hier könne Bosch noch früh mitgestalten. Auch seien in der Brennstoffzelle mehr Teile enthalten. Die Komplexität ähnle in Teilen denen in den Verbrennern. Das gebe Bosch viele Möglichkeiten.

Auch die Automatisierung des Verkehrs soll einen Beitrag zu besserer Luftqualität leisten. Bosch bedient sich für diesen Zusammenhang der Daten des Forschungsunternehmens KE Consult: Über 30 Prozent Kraftstoff kann automatisiertes Fahren nach Angaben dieses Unternehmens einsparen, auf deutschen Autobahnen sollen es 15 Prozent sein. Mehr als 5.000 Ingenieure arbeiten bei Bosch am automatisierten Fahren, fast doppelt so viele wie vor zwei Jahren. Denner: „Bis 2022 investieren wir rund vier Milliarden Euro in die Automatisierung.“ Umsatztreiber auf dem Weg zum automatisierten Fahren sind Fahrerassistenzsysteme. Von aktuell rund zwei Milliarden Euro soll der Umsatz in diesem Jahr nahezu 15 Prozent wachsen. Dabei soll der Absatz von Radarsensoren um 20 Prozent, der von Videosensoren um 30 Prozent zulegen.

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Über den Autor

 Christian Otto

Christian Otto

stellvertretender Chefredakteur, AUTOMOBIL INDUSTRIE