Suchen

Digitalisierung

Connected Car: Blockchain wird erwachsen

| Redakteur: Sven Prawitz

Über den Einsatz von Blockchain in der Automobilindustrie wird oft diskutiert – konkrete Anwendungen gibt es kaum. Im Gespräch gibt Hardy Gröger, Distinguished Engineer bei IBM Deutschland, einen Ausblick über mögliche Anwendungen und ab wann diese zur Verfügung stehen können.

Firmen zum Thema

Sichere und schnelle Transaktion mit Blockchain.
Sichere und schnelle Transaktion mit Blockchain.
(Bild: Porsche)

Einige OEMs wollen die Blockchain-Technologie im Auto einsetzen – beispielsweise hat Porsche Anwendungen angekündigt. Auch der Zulieferer ZF ist in diesem Bereich aktiv und ist im Mai 2018 der Blockchain-Initiative „Mobility Open Blockchain Initiative“ beigetreten.

Hardy Gröger, Distinguished Engineer bei IBM Deutschland, erklärt im Gespräch den Nutzen von Blockchain und gibt einen Ausblick, ab wann die Technik in produktiven Anwendungen zum Einsatz kommen könnte.

Was sind die größten Herausforderungen für Konnektivität im Fahrzeug in 2018 – und in den nächsten fünf Jahren?

Im Jahr 2018 wird es für Automotive Connectivity entscheidend sein, die richtigen Grundlagen für die Entwicklungen der kommenden Jahre zu legen. Es ist sicherlich keine Überraschung, dass dabei die Themen autonomes Fahren, Unterstützung von Service- und Sharing-Modellen und die Elektrifizierung des Antriebs im Vordergrund stehen.

Inwiefern das autonome Fahren in den kommenden fünf Jahren bereits weitreichend nutzbar sein wird, das mögen andere vorhersagen. Aus meiner Sicht ergibt sich aber aus der Entwicklung zum autonomen Fahren mit Sicherheit eine sehr entscheidende Veränderung: Die Nutzer von Fahrzeugen werden vom aktiven Fahrer, den in erster Linie die Eigenschaften des Fahrgefühls oder Fahrvergnügens interessieren, zu Passagieren, die ihre Zeit an Bord mit verschiedenen Services nutzen wollen. Dabei werden die Ansprüche an Personalisierung weit über das Fahrzeug hinaus in den Vordergrund rücken. Eine große Herausforderung wird dabei der sichere Austausch von personalisierten Informationen zwischen Service-Anbieter, Fahrzeugbetreiber, -Hersteller und Nutzer sein.

Und in puncto Sensorik?

Im Zuge der Entwicklung hin zum vollautomatisierten Fahren wird unweigerlich die Abhängigkeit von Sensorik im Fahrzeug stark ansteigen. Zur Steigerung der Sicherheit und Effizienz werden aber auch der Austausch von Daten zwischen Fahrzeugen und auch mit der Verkehrsinfrastruktur einen immer größeren Stellenwert einnehmen.

Beide Entwicklungen, Personalisierung auf der einen und Datenaustausch mit anderen Fahrzeugen und Infrastruktur bedürfen der Nachvollziehbarkeit und der Unterstützung weitreichender Geschäftsnetzwerke.

Hardy Gröger, Distinguished Engineer und CTO Integrated Account Daimler bei IBM Deutschland.
Hardy Gröger, Distinguished Engineer und CTO Integrated Account Daimler bei IBM Deutschland.
(Bild: IBM)

Welche Erwartungen haben Sie an die Marktdurchdringung und Akzeptanz von Blockchain im Auto für die kommenden Jahre?

Laut Gartner Hype Cycle hat Blockchain den Höhepunkt der übertriebenen Erwartungen ja bereits überschritten. Wir gehen davon aus, dass die Marktdurchdringung von Blockchain wesentlich schneller voranschreiten wird, als bei anderen technologischen Hypes. Erste konkrete Umsetzungen, die zum Teil bereits sehr nah an einer Produktivlösung sind, lassen hoffen, dass wir in den nächsten zwei bis fünf Jahren nicht mehr über den grundsätzlichen Einsatz von Blockchain diskutieren werden, sondern deren produktiven Einsatz innerhalb der Wertschöpfungsketten Realität sein wird. Gerade in der Automobilindustrie gewinnen neue Kooperationsmodelle, die Etablierung von Ökosystemen und plattform-basierte Geschäftsmodelle immer mehr an Bedeutung und in diesem Zusammenhang sehen wir auch die größten Chancen für die Blockchain Technologie.

Neben dem technologischen Reiz der Blockchain-Technologie – wie steht es bei möglichen Anwendungen um die Wirtschaftlichkeit?

Das ist eine wichtige Frage, die im Moment zu wenig betrachtet wird – die meisten Unternehmen konzentrieren sich auf die funktionalen oder technologischen Aspekte von Use Cases und weniger auf die zugrundeliegenden Geschäftsmodelle, die gerade in einem Netzwerk von vielen Beteiligten das entscheidende Erfolgskriterium sein können. Nur wenn die Beteiligten im Netzwerk profitieren, werden sie sich gemeinsam zu einer Blockchain-Anwendung bewegen.

Wie kann gerade in der sensiblen Umgebung Automobil, bei zunehmender Vernetzung, in Zukunft die IT-Sicherheit noch gewährleistet werden?

Der Anspruch und die Notwendigkeit an höchste Sicherheitsstandards gilt für alle Industrien. Stärkere Digitalisierung bedeutet höhere Angreifbarkeit im digitalen Raum. Autonome Fahrzeuge und weitreichende Kommunikation zwischen Fahrzeugen – verschiedener Hersteller – und auch der Verkehrsinfrastruktur bergen dabei neue und bisher teilweise noch nicht vollends bekannte Angriffspotenziale. In Blockchain sehen wir eine vielversprechende Technologie, um insbesondere die Daten und deren Echtheit nachvollziehbar zu machen.

Hardy Gröger auf der Concar Expo

Hardy Gröger wird auf der Concar Expo (27. bis 28. Juni in Berlin) einen Vortrag zum Thema Blockchain halten. Themen sollen Neuigkeiten aus dem Umfeld der Hyperledger Community sowie Fallstudien bezüglich der Nutzung von Blockchain in der Automobilindustrie sein.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 45358145)