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Automobilzulieferer Conti-CTO Abendroth: „Sind in einer fantastischen Ausgangsposition“

| Autor / Redakteur: Christian Otto / Svenja Gelowicz

Die F&E-Einheit des Zulieferers Continental soll den Weg in die Zukunft ebnen. Insbesondere mit Softwarekompetenz und agilen Methoden wollen die Hannoveraner ihre Position als Systemlieferant ausbauen. CTO Dirk Abendroth arbeitet dafür an verschiedenen Baustellen.

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Conti-CTO Dirk Abendroth: „Wie können wir die Komplexität der Software beherrschen?“
Conti-CTO Dirk Abendroth: „Wie können wir die Komplexität der Software beherrschen?“
(Bild: Continental)

In den letzten Wochen waren die Nachrichten über Continental eher alarmierend. Zu schwachen Zahlen gesellten sich Probleme wegen des zu hohen Bleianteils in Komponenten. Und zuletzt machten Schlagzeilen die Runde, dass die Hannoveraner laut einem Pressebericht weltweit neun Werke der angeschlagenen Antriebssparte schließen wollen.

Doch der Zulieferer versucht sich den Veränderungen der Branche inhaltlich wie auch personell anzupassen. Ein Manager, in den das Unternehmen viele Erwartungen setzt, ist der noch relativ neue CTO Dirk Abendroth. Er kam vom E-Fahrzeug-Start-up Byton zu den Hannoveranern und soll den Bereich Forschung & Entwicklung auf Zukunft trimmen.

Auch Abendroth identifiziert nicht sonderlich überraschend drei bekannte Bereiche als Haupttreiber: Erstens Elektrifizierung, zweitens Fahrassistenz und autonomes Fahren sowie drittens Connectivity, Netzwerke und Ökosysteme. Während die Elektrifizierung durch die Regulatorik und nicht durch die Kunden getrieben sei, erwartet Abendroth vor allem durch das autonome Fahren und die daraus resultierenden Geschäftsmöglichkeiten neue Nutzungsmodelle bei Fahrzeugen. Diese hätten wiederum Folgen für die Komponenten und Systeme und damit „enorme Effekte“ für Continental.

Von Komponenten zu Systemen

Beim Thema Connectivity wiederum gehe der Blick weg von den Komponenten zu den Systemen. Diese müssten allerdings validiert, freigegeben und homologiert werden. Das sei laut dem Abendroth teuer und „verhagle“ teilweise auch das Geschäftsmodell. Das Ziel sei vor allem, „vielfältige, kostengünstige Baukästen“ zu konzipieren. Dabei müsse man auch mit Partnern zusammenarbeiten.

Doch vor allem der Systemansatz im Bereich Software bedeutet für den F&E-Bereich einen hohen Aufwand. Daher nennt Abendroth als dringlichsten Hilferuf zu Beginn seines Engagements Ende vergangenen Jahres: „Wie können wir die Komplexität der Software beherrschen?“ Das sei aber keine Conti-Krankheit, sondern auch bei anderen Branchengrößen eine aktuelle Herausforderung.

Einen wichtigen Hebel zur Lösung dieser Probleme sieht Abendroth auch im Führungsverhalten und der Unternehmenskultur. So erwartete er von seinen F&E-Mitarbeitern einen neuen Mix in der Arbeitsweise: Ähnlich der agilen Arbeitsweise von Start-ups sollen sie bei Innovationen schnell aus Fehlern lernen. Wenn dann aber die Innovation wiederum in der Massenproduktion übergeht muss die bekannte Fehlerfreiheit abgerufen werden.

Abendroth: „Fantastische Ausgangsposition“

Insgesamt beschäftigt Conti 49.000 Entwickler, von denen 19.000 Software-Experten sind. Für Abendroth ist es keine Lösung, für teuer Geld auf dem leergefegten Arbeitsmarkt Mitarbeiter einzukaufen. Das Angebot dafür fehle schlichtweg, daher müssten für Sonderprojekte Spezialisten aus den bestehenden Teams herausgenommen werden können – ohne sie personell auszugleichen. Die Mitarbeiter müssten laut dem Manager „ausgeschwitzt“ werden. Heißt: die Kernteams müssten deren Arbeit mit übernehmen. Das sei ein anspruchsvoller Prozess.

Insgesamt sieht er Continental in einer „fantastischen Ausgangsposition“. Man könne „Systeme und die Systemintegration spielen“. Dabei zeichne sich bei den Systemlieferanten aber ein heterogeneres Wettbewerberfeld als bisher ab. Das seien aber „nicht unendlich viele“, so Abendroth. Auch eine Konsolidierung könne den Kreis nochmals verkleinern.

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Über den Autor

 Christian Otto

Christian Otto

stellvertretender Chefredakteur, Redaktion AUTOMOBIL INDUSTRIE