Neue Modelle

Das E-Solarauto Sion von Sono Motors im Test

| Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Svenja Gelowicz

Der Sion des Solarauto-Start-ups Sono Motor im Test.
Der Sion des Solarauto-Start-ups Sono Motor im Test. (Bild: Jan Rosenow)

Über 5.000 Reservierungen verbucht Sono Motors für seinen Solar-Stromer Sion – und das bereits ein Jahr vor Produktionsstart. Unser Schwestermagazin »kfz-betrieb« hat das Fahrzeug getestet.

Erst heute (14. Juni) hat Sono Motors verkündet, das selbst gesetzte Etappenziel von 5.000 Reservierungen geknackt zu haben. Dabei soll die Produktion erst in einem Jahr starten. Das Münchener Start-up ist einer von mehreren neuen Anbietern von Elektroautos, die den etablierten Autokonzernen mit kompakten und preiswerten E-Mobilen Konkurrenz machen wollen. Auf einer Roadshow präsentiert Sono Motors noch bis zum 19. Juni sein Modell Sion. Unser Schwestermagazin »kfz-betrieb« war bei dem Termin in Würzburg dabei und konnte den Sion, dessen wichtigstes Merkmal die in die Außenhaut integrierten Solarzellen sind, auf einer abgesperrten Teststrecke Probe fahren.

Mit seinem 80 kw/109 PS starken Motor zeigte der Prototyp ein gutes Beschleunigungsvermögen. Der im Heck platzierte Antrieb war dabei kaum zu hören. Die harte Federung minderte aber den Fahrkomfort. In erster Linie dem Prototypenstatus zuzuschreiben, waren das laute Klappern im Innenraum und die rustikale Verarbeitung. Das Platzangebot ist voll erstwagentauglich. Mit drei umklappbaren Einzelsitzen und einem großen Kofferraum im kastenförmigen Heck dürften auch Familien zufrieden sein.

Eine mit deutschen Premiumanbietern vergleichbare Optik und Haptik darf man wahrscheinlich nicht erwarten, aber die strebt Sono Motors auch gar nicht an. Vielmehr steht ein günstiger Kaufpreis im Mittelpunkt. 16.000 Euro – ohne Batterie – soll der Sion kosten, und diesem Zielwert wird einiges untergeordnet: Beispielsweise ist die Karosserie, die aus durchgefärbtem Thermoplast besteht, ausschließlich in der Farbe Schwarz zu haben. Sonderausstattungen gibt es keine – der Sion läuft nur in einer einzigen Version vom Band.

Die breite C-Säule bekommt noch ein Fenster

Allerdings soll das spätere Serienauto, das Anfang 2019 präsentiert wird, im Vergleich mit den aktuellen Prototypen einige wesentliche Änderungen erfahren. So bekommt die C-Säule – bislang die wohl breiteste in der Automobilgeschichte – noch ein Fenster. Auch steht nicht fest, ob der Motor seine Position im Heck behalten wird oder noch an die Vorderachse wandert.

Batteriesysteme: Elring Klinger erhält Auftrag von Sono Motors

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09.05.18 - Elring Klinger wird für ein elektrisches Solarfahrzeug von Sono Motors Batteriesysteme entwickeln und produzieren. Der Auftrag umfasst laut des Zulieferers ein Gesamtvolumen von mehreren hundert Millionen Euro. lesen

Das hängt davon ab, wer der Zulieferer des Antriebsorgans sein wird; Sono ist hier mit drei Firmen im Gespräch. Der Produzent der Solarzellen steht ebenfalls noch nicht fest. Trotz dieser Unklarheiten liegt man den anwesenden Unternehmensvertretern zufolge im Zeitplan.

Den Lieferanten für das Batteriepaket hat Sono hingegen schon genannt: Es handelt sich um Elring Klinger. Der Auftrag hat ein Gesamtvolumen von mehreren Hundert Millionen Euro und ist auf acht Jahre angelegt. Die Produktion der Batteriesysteme erfolgt in Deutschland. Laut Sono Motors soll die Batterie den Kunden lediglich 4.000 Euro kosten – eine sehr sportliche Zielvorgabe für einen 35-kWh-Brocken. Zwar sinken die Notierungen für Lithium-Ionen-Akkus derzeit schnell, aber die Marke von 100 Euro pro Kilowattstunde soll eigentlich erst 2020 fallen.

Nützliche Solarzellen

Das auffälligste Merkmal des Sion sind zweifellos die Solarzellen, die in Dach, Motorhaube und Türen integriert sind. Insgesamt soll die Photovoltaikanlage 1,2 kW leisten. Bei optimaler Sonneneinstrahlung sei damit ein Reichweitengewinn von 30 Kilometern am Tag möglich, verspricht das Unternehmen. Kurzstreckenpendler oder Gelegenheitsfahrer sind dann also vollkommen kosten- und emissionsfrei unterwegs.

Bei diffusem Licht reduziert sich die Ladeleistung freilich, dann dürften nicht mehr als zehn bis 15 Kilometer am Tag zusammenkommen. Sono Motors verwendet monokristalline Solarzellen, die etwas teurer sind, dafür aber auch bei diesen Bedingungen einen hohen Wirkungsgrad aufweisen sollen. Die Zellen sind mit einer dicken Polycarbonatschicht gegen Umwelteinflüsse, Kratzer und kleinere Unfälle geschützt.

Eine weitere Besonderheit ist das bidirektionale Ladesystem. Der Sion kann also Strom bis zu einer Leistung von elf kW abgeben und damit elektrische Geräte betreiben. Mit den Solarzellen ist sogar eine autarke Energieversorgung sichergestellt.

Das Elektroauto soll bei einem „großen europäischen Auftragsfertiger“ produziert werden. Dafür kommen nur Valmet Automotive in Finnland, Nedcar in den Niederlanden oder Magna Steyr in Österreich infrage. Das ist eine gute Nachricht für potenzielle Kunden, denn welche Schwierigkeiten neugegründete Unternehmen mit der Serienproduktion haben können, zeigt sich gerade bei Tesla. Die Bänder bei Sono sollen spätestens Ende 2019 anlaufen.

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Schon über 5.000 Kaufinteressenten

Das Interesse der Kunden ist da: Im Frühjahr hat das Unternehmen in mehreren Ländern Probefahrtaktionen durchgeführt, in Deutschland allein in 16 Städten. Darüber hinaus konnten Interessenten in Österreich, der Schweiz und Italien den Sion ausprobieren. Den selbst erklärten „Meilenstein“ von 5.000 Reservierungen haben sie erreicht; Ende April stand der Zähler noch bei 3.700. Die Reservierung ist mit einer Anzahlung von mindestens 500 Euro verbunden. An der Zusammenarbeit mit Händlern ist Sono Motors allerdings nicht interessiert – die Münchner wollen den Sion selbst vermarkten.

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