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Delphi Delphi führt 44-Stunden-Woche ein

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Delphi hat bei seiner Deutschland-Tochter für jeden vierten seiner 4.000 Mitarbeiter die Wochenarbeitszeit von 40 auf 44 Stunden ohne Lohnausgleich erhöht.

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( Archiv: Vogel Business Media )

Der amerikanische Automobilzulieferer Delphi hat bei seiner Deutschland-Tochter für jeden vierten seiner 4.000 Mitarbeiter die Wochenarbeitszeit von 40 auf 44 Stunden ohne Lohnausgleich erhöht. Damit ist der US-Konzern nach eigenen Angaben das erste Unternehmen in der deutschen Automobilindustrie, der eine derart lange Wochenarbeitszeit verbindlich festgeschrieben hat.

Das mit dem Betriebsrat erarbeitete Arbeitszeitmodell gelte seit Anfang des Jahres für die 1.000 Beschäftigten am Hauptsitz und Technologie-Zentrum in Wuppertal, sagte Delphi-Personalvorstand Peter Gajewski am Mittwoch, 16.03. Die Lohnkosten am wichtigsten deutschen Standort werden damit jährlich um 10 Prozent reduziert. Dies entspreche einem hohen einstelligen Millionenbetrag. Im Gegenzug verzichtet der Konzern im laufenden Jahr auf betriebsbedingte Kündigungen.

Mutterkonzern in Schieflage

Delphi setzt in Deutschland etwa eine Milliarde Euro um. Im Europa-Geschäft sei in diesem Jahr das Ziel, den Vorjahresumsatz von 5,47 Milliarden US-Dollar zu halten, sagte Gajewski. Der Mutterkonzern, als einer der wichtigsten Zulieferer besonders vom Autobauer General Motors abhängig, steckt derzeit in heftigen Turbulenzen. Die Delphi-Aktie hat dramatisch an Wert verloren, 2005 wird ein Verlust von 350 Millionen Dollar erwartet. Weltweit will Delphi zur Kostensenkung weitere 8.500 der rund 180.000 Stellen abbauen.

Einige Analysten befürchten sogar, dass das Unternehmen im schlimmsten Fall Insolvenz beantragen muss. "Der Kostendruck ist brutal. Leute zu entlassen, ist da ja die normale Schiene. Wir haben aber beschlossen, einen anderen Weg zu gehen", sagte Gajewski. Er lobte die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat. Durch die Vereinbarung könne der Entwicklungsstandort Wuppertal gesichert werden. Die dort forschenden 600 Ingenieure arbeiten nun länger als ihre Entwicklungskollegen in Paris (35 Stunden) oder Luxemburg (40 Stunden).

Weitere Sparprogramme denkbar

Nach Angaben des Betriebsrats und der Geschäftsführung fiel die Zustimmung der Belegschaft fast einstimmig aus. Bislang lag die Wochenarbeitszeit für die betroffenen Delphi-Mitarbeiter bei 40 Stunden. Überstunden wurden auf einem Lebensarbeitszeitkonto gut geschrieben. "75 Prozent der Ingenieure haben in der Realität schon 44 Stunden die Woche gearbeitet. Sie verzichten jetzt also auf vier Stunden die Woche, die ihnen am Ende ihres Arbeitslebens gutgeschrieben worden wären", sagte der Personalchef.

Derzeit überprüft Delphi alle 17 Standorten in Deutschland auf weitere Einsparmöglichkeiten. Flächendeckend werde es aber keine Einführung der 44-Stunden-Woche mit Lohnverzicht geben. "Wir gucken uns jedes Werk und sprechen mit den Betriebsräten. An manchen Standorten könnten wir auf 38 Stunden gehen", sagte Gajewski. Ende 2004 war Delphi Deutschland aus dem Arbeitgeberverband ausgetreten, um die längeren Arbeitszeiten durchsetzen zu können. "Das ist aber kein Modell für Deutschland, sondern eine spezifische Lösung für einen Technologie-Standort."